Es gibt nicht wenige Männer, die heute von einem Femifaschismus sprechen. Liest man das hier besprochene Werk Valerie Solanas', dann muss man (frau) unumwunden zugeben, dass es zumindest Strömungen innerhalb des Feminismus gab, die ganz klar faschistoide Züge trugen. Das Buch ist in dieser Hinsicht kein bisschen besser oder harmloser als Hitlers "Mein Kampf". Dass es sich bei den von ihr vorgetragenen Gedanken um keinen ignorier- und belächelbaren Erguss einer Verrückten handelt, zeigen allein schon die hohe Auflagen und internationale Verbreitung des Buches.
Hinzu kommt, dass ihr Gedankengut ja gar nicht so fürchterlich weit von anderem radikalfeministischen Gedankengut entfernt ist. Bereits Simone de Beauvoir stellte in
Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau die Frage, wozu es überhaupt eine sexuelle Fortpflanzung gebe (ihre Antwort: man weiß es nicht), um dann gleich anzumerken, dass sich viele Frauen eine Fortpflanzung ohne Beteiligung der Männer wünschten.
Alice Schwarzer ersehnt sich deshalb in
Die Antwort einen neuen Menschen, bei dem die Geschlechtsunterschiede geringer sind als die individuellen Unterschiede. Und Judit Butler stellt in
Das Unbehagen der Geschlechter: (Gender Studies. Vom Unterschied der Geschlechter) gar die These auf, dass Geschlecht ausschließlich eine soziale Kategorie darstelle. All das hat schließlich zu dem politischen Konzept
Gender Mainstreaming geführt, welches mittelfristig zu einer immer stärkeren Angleichung der Lebensentwürfe beider Geschlechter führen dürfte und wird.
Interessanterweise scheint dadurch aber auf schleichendem Wege etwas zu gelingen, was Valerie Solanas noch mit Gewalt umsetzen wollte, nämlich die Vernichtung der Männer, in deren Reihen nun bereits die ersten verzweifelten Hilferufe laut werden (z. B. Arne Hoffmann
Rettet unsere Söhne: Wie den Jungs die Zukunft verbaut wird und was wir dagegen tun können. Mit 10-Punkte-Sofortprogramm).
Valerie Solanas begründet den notwendigen Verzicht auf Männer unter anderem mit deren biologischer Minderwertigkeit: "Der Mann ist eine biologische Katastrophe: Das (männliche) y-Gen ist ein unvollständiges (weibliches) x-Gen, d. h. es hat eine unvollständige Chromosomstruktur. Mit anderen Worten, der Mann ist eine unvollständige Frau, eine wandelnde Fehlgeburt, die schon im Genstadium verkümmert ist. Mann sein heißt, kaputt sein; Männlichkeit ist eine Mangelkrankheit, und Männer sind seelische Krüppel."
Allerdings haben in den letzten Jahren mehrere Autoren (z. B. Peter Mersch:
Evolution, Zivilisation und Verschwendung: Über den Ursprung von Allem; Susan Pinker:
Das Geschlechter-Paradox: Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen) überzeugend darauf hinweisen können, dass diese scheinbare genetische Schwäche der Männer ein wesentlicher Grund für deren evolutive Bedeutung ist: Männer sind in vieler Hinsicht extremer. Sowohl bei sehr hoher als auch sehr niedriger Intelligenz nimmt ihr Anteil kontinuierlich gegenüber den Frauen zu. Bei den Inselbegabten sind sogar 6 von 7 Personen männlich. Anders gesagt: Die genetische Unvollständigkeit der Männer sorgt dafür, dass einige von ihnen Genies werden. Aus evolutiver Sicht ist die größere Varianz unter den Männern ein Vorteil, denn dann kann unter ihnen eine stärkere Selektion stattfinden, was beim weiblichen Geschlecht nicht sinnvoll ist, da dieses die Kinder in die Welt setzt. Mersch weist deshalb auch darauf hin - und ich denke, seinem Argument ist kaum noch etwas hinzuzufügen, weil es durch die aktuellen Entwicklungen bereits auf dramatische Weise bestätigt wird: Gliche man die Lebensentwürfe beider Geschlechter restlos an, würde sich der evolutive Vorteil eines separaten männlichen Geschlechts, welches keine Kinder gebären kann, in einen evolutiven Nachteil wandeln. Männer machten dann keinen evolutiven Sinn mehr. In der Folge würden sie wohl "vernichtet".
Als Frau kann ich dazu nur sagen: Hoffentlich kann das noch jemand rechtzeitig verhindern.