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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
37 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Der Ethnologe mit dem klaren Blick",
Von
Rezension bezieht sich auf: Manieren. Erfolgsausgabe (Gebundene Ausgabe)
Zur Zeit Friedrichs des Großen stritten sich zwei adlige Damen, welcher von ihnen bei Hofe der Vortritt gebühre. Die Randbemerkung des Alten Fritz, der sich ja um alles selbst kümmerte: Die größere Närrin gehe voran."Den beiden Damen mangelte es vielleicht nicht an Standesdünkeln wohl aber an guten Manieren. Asfa-Wossen Asserate gibt in seinem Bestseller Manieren" eine ganz einfache Antwort auf die Frage der Rangfolge: Der Höhergestellte ist immer der andere. Denn gute Manieren haben laut Asserate weniger mit äußerer Etikette zu tun als vielmehr mit innerer Haltung. In einem Interview sagte er: Jemand, der alle Benimmregeln kennt, der aber keine Herzensbildung hat, ist für mich noch lange kein Mensch mit guten Manieren." Gute Manieren, das sind für ihn eine Mischung aus Aufmerksamkeit und Nachlässigkeit. Die ganze Aufmerksamkeit müsse dem anderen gelten. Die eigene Person hingegen sei auf jeden Fall zu vernachlässigen. Außerdem sollen die Manieren beiläufig und ohne Angeberei daher kommen. Diese Mixtur aus Anmut und Demut saugten der Adel und die alten bürgerlichen Eliten quasi mit der Muttermilch auf. Manieren lernen, das wollten traditionell immer nur die Aufsteiger. Prinz Asfa-Wossen bezweifelt, dass das Pauken von Anstandsregeln auf dem Weg nach oben hilfreich ist - und die 68er scheinen ihm Recht zu geben. Sie sind zwar durch die Institutionen marschiert, haben dabei aber bewusst die Manieren als bourgeois auf der Strecke gelassen. Die Kinder und Enkel der Revoluzzer aber scheinen sich wieder nach verbindlichen Regeln zu sehnen. Davon zeugt unter anderem eine fast schon groteske Fülle so genannter neuer Knigges für alle Lebenslagen. In der Flut aktueller Titel findet man den Ess- und Tischknigge, den Japan-Knigge, den Campusknigge, den Business-Knigge, den Sex-Knigge, den Krawattenknigge - und, wen wundert's bei so viel Knigge, auch die Knigge-Fallen". Soviel Knigge in der Optik" trübt den Blick auf das, was Manieren wirklich ausmacht. Denn der unfreiwillige Namenspate all dieser Benimm-Büchlein, Adolph Freiherr von Knigge, hat als einziger in dieser Liste gar keinen Knigge geschrieben, sondern ein Buch mit dem Titel: Über den Umgang mit Menschen." Asserate teilt diese Fehleinschätzung als Manieren-Papst mit Knigge, den er als großen Mann der deutschen Aufklärung bewundert. Auch Asserate hat keine Aufzählung von Anstandsregeln verfasst. Viel eher geht es ihm bei seiner brillant geschriebenen Untersuchung der europäischen Manieren um das Herausbilden eines bestimmten Menschentypus." Und schon gar nicht lehrt ein äthiopischer Prinz den Deutschen Mores", wie das etliche Journalisten formulierten. Erstens würde er sich das nie anmaßen, denn er hat gute Manieren. Zweitens ist er seit vielen Jahren selbst Deutscher. Er lebt seit 1968 in Deutschland und arbeitet heute in Frankfurt als Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten. Prinz Asfa-Wossen kennt seine deutschen Landsleute so gut wie kaum ein Zweiter. Hinzu kommt bei ihm freilich der Blick eines Menschen, der in zwei Welten zuhause ist. Eine Journalistin nennt Asserate den Ethnologen mit dem klaren Blick." Tatsächlich hat er in Tübingen, Cambridge und Frankfurt neben Jura und Volkswirtschaft auch Geschichte und Ethnologie studiert. Doch anders als ein Völkerkundler betrachtet Asserate seine Studienobjekte nicht nur wissenschaftlich kühl von außen sondern auch mit Herzenswärme von innen. Die Lektüre dieses Buches bereitet von der ersten bis zur letzen Seite reinstes Vergnügen, ist darüber hinaus ein aufklärerisches Werk im besten Wortsinn und gehört in jeden Bücherschrank. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
113 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein hervorragender Nicht-Ratgeber...,
Von
Rezension bezieht sich auf: Manieren. Erfolgsausgabe (Gebundene Ausgabe)
Was gibt es über dieses Buch zu sagen? Womit fange ich an? Dass der Autor ein äthiopischer Prinz ist? Dass er seit etwa 30 Jahren in Deutschland lebt? Dass er offensichtlich über eine hervorragende Beobachtungsgabe verfügt, und was fast noch wichtiger ist, ein ausgesprochenes Talent für Formulierungen?"Manieren" ist wirklich kein Ratgeber im eigentlichen Sinn. In diesem Buch beschreibt der Autor auf eine doch irgendwie persönliche, durchaus humorvolle Art und Weise seine Beobachtungen zu den Manieren in der Welt, vorrangig in West-Europa, vorrangig in Deutschland. Dabei hilft ihm der Blick des Aussenstehenden, den er glücklicherweise auch nach so langer Zeit in Deutschland noch nicht verloren hat. Er verknüpft hier aktuelles mit geschichtlich mehr oder weniger bedeutenden Vorfällen, beschreibt selbst oder von guten Freunden und Bekannten erlebte Anekdoten und ist durch diese persönlich Note sehr, sehr angenehm zu lesen. Ach ja, für viele Leute (wie auch für mich) ist Anfangs ein Fremdwörterbuch sicher eine gute Hilfe. Das Buch ist diesen Aufwand aber ganz bestimmt wert! Letztlich fragt man sich, ob das Buch vielleicht nicht doch ein Ratgeber ist; wenn ja, dann ein ziemlich subtiler. Dieses Buch ist übrigens auch ein nahezu perfektes (Weihnachts-)geschenk: man denke nur mal an das Lange Gesicht des Beschenkten, wenn er den Titel des Buchs sieht. Spätestens nach ein, zwei Kapiteln sollte aber ein eventuell aufgekommener Gram dann doch in Dankbarkeit umschlagen... Wenn nicht, hat's der Beschenkte nicht gelesen. Mein Fazit: Lesen, staunen, gut-finden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So wunderbar!,
Rezension bezieht sich auf: Manieren (Taschenbuch)
Asfa Wossen Asserate stammt aus dem äthiopischen Kaiserhaus, dass immer der deutschen Kultur sehr zugetan war. Nun lebt er seit vielen Jahren in Deutschland und ist ein profunder Kenner der deutschen Kultur und Seele. Dennoch hat er noch immer genügend Distanz, deutsche Befindlichkeiten kritisch zu sehen. Ihm ist mit "Manieren" - das nun als Taschenbuch vorliegt - ein Sittenbild gelungen, das ganz bestimmt lange Bestand haben wird. "Manieren" ist kein Benimmbuch und kein Ratgeber. Es ist vielmehr ein Kopfkissenbuch für all' jene Menschen, die mit Neugier am gesellschaftlichen Leben teilhaben möchten. Asserate hat so feinsinnig und treffsicher Selbstverständliches und Besonderes auf den Punkt gebracht, dass man bestimmte Passagen immer und immer wieder liest. Er macht keinen Hehl aus seiner eigenen distinguierten Herkunft, zeigt aber dennoch deutlich auf, dass Manieren eben kein Privileg der wohlsituierten Bildungsbürgerschicht sind, sondern vielmehr eine Frage der inneren Haltung. Manchmal mutet sein geschliffenes Deutsch, dass das Lesen dieses Buches zu einem zusätzlichen Vergnügen macht, ein wenig nostalgisch-altmodisch an. Auch einen leichten Snobismus kann man durchaus ausmachen. Aber all'das trägt zu einem ganz besonderen Buch bei, dass dem Leser nicht nur Vergnügen bereitet sondern im positivsten Sinne auch die eine oder andere Lektion erteilt, die man so schnell nicht vergisst!
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