Etwas still war es um die avantgardistischen Rocker von King's X in den letzten Jahren geworden. Selbst beinharte Fans der Band mit dem undefinierbaren Sound konnten nicht bestreiten, dass Alben wie „Tapehead" und „Please Come Home Mr. Bulbous" nicht mit dem sonstigen Material der hochkarätigen Amerikaner mithalten konnten. Zuerst vielleicht erst einmal eine kurze Einführung, weil noch immer viele diese hervorragende Band überhaupt nicht kennen: King's X erschienen Ende der Achtziger mit den Alben „Out Of The Silent Planet" und „Gretchen Goes To Nebraska" in einer seinerzeit vom Bay Area Thrash - Metal beherrschten Szene und erregten mit ihrem merkwürdigen Sound sofort Aufsehen. Den Sound der Band muss man gehört haben, denn beschreiben oder gar in irgendwelche Schubladen stecken kann man ihn nicht. Zwar hört man hier und da Einflüsse heraus, doch selbst die reichen von den Beatles und Neil Young bis hin zu Bands wie Extreme. Was man dabei nicht vergessen darf, ist das ungeheure Maß an Eigenständigkeit, das diese Band auszeichnet. Bisher hat es noch keine einzige Band gegeben (sieht man mal von den diversen Soloprojekten der King's X - Mitglieder selber ab), die sich auch nur ansatzweise nach King's X anhören würde. Noch bevor das Wort „Grunge" überhaupt bekannt war, war dieser Stil für King's X schon wieder ein alter Hut und man war schon beim nächsten Stil gelandet. Alben wie „Faith, Hope, Love" (welches viele Fans für das beste Album der Band halten), „King's X" und „Ear Candy" sind herausragende Standpunkte von drei ungeheuer begabten Musikern in einer Welt immer gleichförmiger werdender Metal- und Rockmusik. In diesem Sinne steht King's X schon fast eine ähnlich revolutionäre Stellung zu, wie sie seinerzeit Bands wie Led Zeppelin oder Queen inne hatten: Eben ein ganz eigener Sound, der die Rockszene hätte komplett umkrempeln sollen. Leider wurden King's X nie von der breiten Masse akzeptiert und musizieren seit Jahren auf ihrer „einsamen Insel" wunderschöne Platten zurecht.
Um wieder zum Thema zurück zu kommen, sollte gesagt werden, dass die Ergebnisse der letzten ca. fünf Jahre, die Alben „Tapehead" und „Please Come Home Mr. Bulbous" leider doch etwas zu wünschen übrig ließen. King's X schienen sich auf ihrer Schiene festgefahren zu haben. Die innovativen Elemente, die bis zu diesem Zeitpunkt jedes King's X - Album ausgezeichnet hatten, fehlten fast völlig und die Songs ließen deutlich zu wünschen übrig. Mit dem heuer erschienenen Album „Manic Moonlight" ändert sich dies glücklicherweise wieder: Die Band hat ihre Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten wohl beendet und kommt derzeit mit dezent eingestreuten elektronischen Loops daher, die dem typischen King's X - Sound erstmals seit langer Zeit wieder eine wirklich neue und zukunftsorientierte Komponente darbieten. Scheinbar war die Wirkung auf die Musiker ähnlich die eines musikalischen Jungbrunnens: Songs wie „Believe", „False Alarm" oder „Static" sind herrlich verschroben und gehören sicherlich zu den besten Songs, die das Trio seit dem famosen „Ear Candy" - Album vom Stapel gelassen hat. Mit Neuerungen á la „Skeptical Winds" oder „Static" betritt die Band auch endlich wieder neues Terrain und geht teilweise recht gewagte minimalistische Soundexperimente ein. Neue Fans bringt das sicher sehr wenig, und alte Fans könnten ob der wirklich etwas exzentrischen Songs abgeschreckt sein, doch ist das nicht eigentlich eine Auszeichnung für diese CD? Nicht auf Nummer sicher gehen, sondern immer neue Soundmöglichkeiten und Facetten erschließen: Das war schon immer die Spezialität von King's X. Auf „Manic Moonlight" haben sie diese Tugend endlich wieder in die Tat umgesetzt. Spitze!