Dieses Buch bietet eine Geschichte der wichtigsten Finanzkrisen und zeigt, was man daraus lernen kann.
Am Beginn steht immer ein Aufschwung, der irgendwann zu einer Manie wird. Die Marktteilnehmer sind dann euphorisch; immer mehr Leute wollen mitmachen und verschulden sich dafür immer weiter. Die konkreten Auslöser der Manie sind unterschiedlich (früher u. a. Tulpenzwiebeln, heute meist Blasen am Aktien- oder Immobilienmarkt).
Zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigt sich, dass die Euphorie grundlos war; die Menschen geraten in Panik und versuchen, ihre Anlagen zu verkaufen. Durch diese Panikverkäufe sinken die Preise, sodass es durch mangelnde Nachfrage zu einer Rezession kommen kann.
Nach Minsky gibt es drei Phasen der Finanzierung: (1) das Unternehmen kann Tilgung und Zinsen zahlen; (2) das Unternehmen kann nur die Zinsen zahlen; (3) das Unternehmen kann aus eigenen Mitteln nicht einmal die Zinsen zahlen. Während eines konjunkturellen Aufschwungs gelangen durch die allgemeine Euphorie immer mehr Unternehmen in die späteren Phasen. Einige Unternehmen realisieren erst in der Krise, dass sie in der nicht tragbaren Phase (3) sind, weil die Finanzierung nun schwieriger ist.
Die Voraussetzung der Manien ist aber immer in einer zu lockeren Geldpolitik der Zentralbanken bzw. einer zu großzügigen Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken zu sehen.
Das Buch untermauert diese Thesen auf zwei verschiedenen Ebenen:
(b) Anekdoten zeigen, wie sich frühere Krisen abgespielt haben. Was dachten Investoren, einfache Leute, Banker und Regierungen?
(b) Ursachen und Bekämpfung von Krisen werden schon lange diskutiert (z. B. Banking School gegen Currency School im viktorianischen England). Soll man nichts tun, wie die Österreichische Schule fordert? Oder sollte man etwas tun? Aber falls ja, wer? Die Zentralbank? Der Staat? Der Internationale Währungsfonds?
Man ist sich heute so gut wie einig, dass Finanzkrisen durch die Zentralbanken bekämpft werden sollen. Diese müssen den klammen Banken Geld leihen. Aber sollte dies national oder international geschehen? Wem soll man zu welchen Zinsen Geld leihen? Im viktorianischen England schlug Bagehot die Regel vor, dass die Zentralbank jede beliebige Summe verleihen sollte, aber nur an namhafte Institutionen für gute Sicherheiten und gegen hohe Strafzinsen. Aber gegen diese Regel wurde oft verstoßen. Außerdem schafft eine Bankenrettung unangenehme Präzedenzfälle, die die Banken zu riskanterem Verhalten ermuntern könnten. Der Markt kann Finanzkrisen selbst bereinigen, aber nach Ansicht der Politiker braucht er dazu viel zu lange. Außerdem scheint Nichtstun teurer zu sein.
Der Anhang enthält eine Tabelle mit den wichtigsten Finanzkrisen.
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Mir hat das Buch teilweise gut gefallen.
Die Darstellung der Weltwirtschaftskrise geht ausführlich auf die Situation in Deutschland und Österreich ein. In diesem Zusammenhang werden auch die Positionen des Nichtstuns (u. a. US-Finanzminister Mellon) und der staatlichen Hilfen (US-Präsidenten Hoover und Roosevelt) diskutiert.
Über das Buch verteilt gibt es Informationskästen, die sich u. a. mit Schneeballsystemen, Gold und Schrottanleihen beschäftigen.
Den Punktabzug gibt es, weil das Stichwortverzeichnis oft fehlerhaft ist (teils + / - 2 Seiten) und man Informationen zu bestimmten Finanzkrisen aus mehreren Kapiteln zusammensuchen muss.
Für eine Erweiterung des Minsky-Schemas kann man "Boombustology" lesen. Eine wissenschaftliche Übersicht über die Finanzkrisen bietet "This Time Is Different".