Nicht erst seit Griechenland in die Krise rutschte ist Griechenland ein Thema für Bücher. Das Buch MANI von Patrick Leigh Fermor ist ein Reisebericht der besonderen Art, denn wenige Länder wie Griechenland dürfen sich rühmen mit ihren Überlieferungen, Sagen und Geschichten so massiv in die Kulturwerdung einer ganzen Region eingegriffen zu haben. Wo man geht und steht in Griechenland atmet man also den Geist der Geschichte. MANI nimmt uns mit in seinen Reisen auf der südlichen Peleponnes, dort stoßen wir auf Ungewöhnliches, Bemerkenswertes und Abenteuerliches.
Ich mag den Autoren und seine Arbeiten als Reiseschriftsteller, es gibt mir jedes Mal eine tiefe Befriedigung, wenn man über Reisen in Länder etwas Neues lernen kann, obwohl man glaubte man wüsste schon alles.
Das vorliegende Buch MANI von Patrick Leigh Fermor zeigt uns den südlichen Peleponnes wie man ihn als heutiger Tourist wohl nicht mehr zu Gesicht bekommt, der Autor zeigt uns die historischen Tiefen, aus denen die dortige Bevölkerung erwachsen ist und offenbart ihre multikulturellen Abgründe. Selten habe ich so gestaunt ob der beschriebenen Tatsachen und Fakten, der aufgezeichneten Gespräche und Gedanken und es hat mir eine große Freude gemacht in diese Historie, in das Selbstverständnis, in die Vorurteile und die Weisheiten der dortigen Bevölkerungen abzutauchen.
Auf 475 Seiten eröffnet sich uns ein Kaleidoskop an Ideen, Wurzeln, religiösen Vorschriften, Überlieferungen und Sagen. Doch auch Gedichte, Lieder und Klagen sind mit dabei. Wer sagen mag, dass auf dem Peleponnes nur Griechen leben würden, der irrt. Die Geschichte hat dieses Land jahrtausende lang zu einem Durchzugsgebiet gemacht. Es wurde beherrscht, erobert, christianisiert, geplündert, verändert und umgestaltet. Es hat geprägt und genährt und ist zur Heimstätte großer Weltreiche geworden, der Pelleponnes ist damit ein Schmelztiegel ganz besonderer Art.
In jedem Kapitel erfährt man Neues und man dankt innerlich dem Schicksal das der Autor dieses Land kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs bereiste und es noch ursprünglich sah.
Wer sich Griechenland einmal ganz ungewöhnlich erschließen möchte, wer erfahren will was mehrtausendjährige Veränderungen hervorrufen, wie tief Lieder, Mythen und Unbewusstes, doch auch Vorurteile und Falschübertragungen verwurzelt bleiben - dem sei mit MANI von Patrick Leigh Fermor etwas sehr Interessantes an die Hand gegeben.
Sehr empfehlenswert!