"Manhunt" ist der Superlativ des klischeehaft Trivialen jenseits jeglicher Realität. Alex ist Ende 20, Model-mäßig schön, erfolgreich an der Wall Street und wirft alles hin, um unbesehen eine Hütte und einen Laden in Alaska zu kaufen mit dem Ziel, dort einen Ehemann zu finden. So zeigt schon die Zusammenfassung in einem Satz, dass der Roman mit dem wahren Leben nichts zu tun hat - die supererfolgreiche Geschäftsfrau kauft blind einen Laden, bei dem sie später nicht eine einzige Idee hat, wie sie ihn besser machen kann. Eine hochgebildete Frau wählt sich ausgerechnet das dünnstbesiedelte Alaska aus, um dort einen Ehemann zu finden. Aber ihren IQ hat Alex mit ihrer Anlandung in Alaska eh hinter sich gelassen - ein hoher IQ wäre ja auch eher hinderlich bei ihrer so generalstabsmäßigen wie hirnverbrannten Suche nach einem starken Mann und Beschützer.
Alex ist eine Figur ohne jegliche Vergangenheit; die Protagonistin hat keine Familie, keine Freunde, keine gescheiterten Beziehungen, keine tiefen Emotionen, keine Komplexität, keine Bindungen, selbst ihr Hund ist nur Staffage und läuft ihr konsequenterweise davon - diese Figur ist völlig ohne Kontext. Evanovich schickt nun diese oberflächliche Figur nach Alaska, wo sie 1. als Greenhorn ordentlich zur Situationskomik beiträgt und 2. schon beim ersten Betreten des Landes den Mann für ihr Heiratsprojekt findet. Die komplette Herauslösung ihrer Protagonistin aus jedem Kontext bewirkt, dass Evanovich ohne das verkomplizierende Beiwerk eines realen Lebens einen "Kunstraum" schafft, in dem sie wie in einer Petrischale Balzverhalten und Paarungsritual unter labormäßigen Bedingungen schildern kann. So dreht sich der ganze Roman nur um die Frage, wie eine heirats- und fortplanzungsfixierte Frau den von ihr erwählten, aber bindungsunwilligen Ernährer und Erzeuger vor den Traualtar schleifen kann. Kein Klischee ist Evanovich zu doof, um es nicht zu verwenden. So ist Michael Casey attraktiv, wohlhabend, wildniserfahren, gutherzig, hilfsbereit und ganz toll im Bett und lässt sich letztendlich von Reizwäsche, guter Küche und der totalen Hilfsbedürftigkeit einer schönen Frau gefangennehmen.
Fazit: Dieses Buch ist Holzhammer-Eskapismus auf billigstem Groschenromanniveau. Wer dieses Buch gut findet, sollte mal ganz kritisch in den Spiegel gucken. Einen Stern dafür, dass Evanovich ihre haarsträubend dumme, alberne und hanebücherne Geschichte flott und professionell runtergeschrieben hat.