Manchmal sind es scheinbar unwichtige, sekundäre Dinge, die entscheiden, ob ein Film gut oder schlecht wird. Manchmal weiß man auch erst gar nicht genau, was einen Film gut, besser oder gar grandios macht oder was einem Film fehlt, um richtig gut zu sein. "Manhunt - Backwoods Massacre" ist so ein Film. Dass es sich hierbei um einen norwegischen Horrorfilm handelt, ist schon mal nicht der ausschlaggebende Punkt. An den Schauspielern liegt es auch nicht, deren Leistung ist solide und (wie ja sonst gerne mal in solchen Filmen) nicht allzu nervtötend. An der Länge von nur 78 Minuten kann es auch nicht liegen, die Story wird stringent erzählt und mit halbwegs ausreichendem Tempo versehen. Des Weiteren sind einige wirklich schaurige Gore-Szenen zu bewundern, exemplarisch sei hier nur mal ein weggeschossener Fuß in allen Details erwähnt. Woran also liegt es nun, dass "Manhunt" nur Durchschnittshorror in norwegischen Wäldern widerspiegelt? Ganz einfach: an der Musik.
Man soll den Soundtrack eines Films keinesfalls unterschätzen, er hat mehr (wenn auch oft eher suggestive) Wirkung auf den Zuschauer, als dieser für möglich halten würde. Musik erzeugt einen Teil der Grundstimmung eines jeden Films, gut ausgewählt oder komponiert kann sie entscheidend zu Top oder Flop beitragen. In manchen Filmen fehlt sie gänzlich und macht einen Film somit zu etwas Besonderem, aber auch nur, wenn Cast und Story stark genug sind, die fehlende Musik zu kompensieren (Hervorragend gelungen in "No Country for old Men"). In anderen Filmen würde das Fehlen von Musik wesentlich zur abschwächenden Wirkung des Films beitragen ("Into the Wild" z. B. ist ohne den großartigen Soundtrack von Eddie Vedder nicht vorstellbar). Entscheidend ist, jedem Film die richtige akustische Untermalung hinzuzufügen, und genau deshalb versinkt "Manhunt" im Backwood-Horror-Mittelmaß.
Die DVD ist ebenfalls gesundes Mittelmaß: Extras: Trailershow (10 Trailer!), Outtakes, Behind the Scenes, Teaser, TV-Spot. Sprachen: Deutsch in Dolby Digital 5.1, Norwegisch ebenfalls, deutsche Untertitel.
Norwegen, 1974: Camilla, Freund Roger, Mia und Bruder Jørgen sind auf dem Weg ins Wochenendhaus von Mias und Jørgens Eltern, mal chillen oder so. Als sie an einer Raststätte halten, läuft ihnen die verstörte Renate über den Weg, die um eine Mitfahrgelegenheit bittet. Weit kommen die nun fünf Freunde allerdings nicht. Sie werden auf der Straße von ein paar örtlichen Hillbillys an- und festgehalten. Als Mia die von den Rednecks zuvor erschossene Renate retten will, schießt man ihr unsanft in den Fuß und denselben somit fast ganz weg. Abblende. Die nun wieder auf drei reduzierten Freunde (Mia ist dann mal weg) erwachen mitten im Wald. An einem Baum in der Nähe hängt ein schwerverletzter Mann ohne Zunge. Der wird flugs vom Baum gesäbelt und kommt mit... wohin? Egal. Nun beginnt eine Hatz durch den Wald, bei der vorerst unsere jungen Freunde nacheinander dezimiert werden. Irgendwann dann wendet sich das Blatt aber auch mal, ein wenig ausgleichende Gerechtigkeit muss schließlich sein. Die vermeintliche "Heldin" steht relativ schnell fest, auch die Sterbefolge ihrer Freunde lässt sich unschwer festlegen (sind ja auch nicht mehr viele nach). Was allerdings völlig im Dunkeln bleibt, ist die Motivation der "Jäger". Gut, ich erwarte ja nun keine psychologisch ausgefeilte und absolut zufriedenstellende Erklärung, aber so ne kleine Info, was das alles soll, wäre schon angebracht gewesen. So muss man sich seinen Teil selber denken und zu dem Schluss kommen, dass auch anno '74 die Hinterwälder in Norwegen (genau wie fast überall anders auf der Welt) einen an der Waffel hatten.
Was nun wollte Regisseur Patrik Syversen, der hier übrigens mit der Darstellerin der Mia auch das Drehbuch verfasst hat, hier schaffen? Es mutet an wie eine Mischung aus "Texas Chainsaw Massacre" und "Wrong Turn", angesiedelt in den 70er Jahren. Das nun allerdings merkt man so gut wie gar nicht, da es genug Leute gibt, die diesem Trend heute wieder huldigen und in genauso bescheuerten Klamotten und ohne Frisur rumlaufen wie die Protagonisten im angeblichen Jahr 1974. Und nun zum eingangs erwähnten Problem des Films: der Musik. Zweimal dürfen wir einem zwar seltsamen, aber irgendwie ganz putzigen norwegischen Lied lauschen, ansonsten wird mal laienhaft an ein paar Gitarrenseiten gezupft oder ein bisschen pseudo-gruseliges Notengeplänkel eingefügt, aber an allen wesentlichen Stellen des Films und dann auch noch über weite Strecken fehlt jegliche musikalische Untermalung. Und dies lässt den Film nie wirklich Fahrt aufnehmen, es stellt sich weder Spannung noch Grusel ein. Die Schauspieler laufen permanent irgendwo im Wald rum, verstecken sich, flüchten, verstecken sich wieder, werden gefangen, misshandelt oder gleich getötet. Die Jäger laufen ein paar Mal durchs Bild und geben das ein oder andere Wort von sich und irgendwann ist dann nur noch eine Person übrig. Da der Film weder technisch noch optisch viel hermacht und die Story bei Horrorfilmen standardmäßig eher dürftig ausfällt, hätte der Fokus definitiv auf die Musik gelegt werden müssen, die einzige Chance, dieses Werk aus dem moosbewachsenen Holz des Mittelmaß-Waldes hervorzuheben.
Mit Musik hätte hieraus ein spannender, blutiger und halbwegs kurzweiliger nordischer Horrorfilm werden können. Ohne Musik ist es weitaus zähflüssiger und ermüdender, den Jägern und Gejagten beim Waldlauf zuzusehen. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die wirklich sehr oberflächlich angelegten Charaktere, von denen man kaum mehr erfährt, als dass sie keine homogene Gruppe sind, die sich wirklich aufeinander verlassen kann. Es bleiben also einige Fragen offen, die den Film zu etwas Besserem gemacht hätten, als er nun hier geworden ist. Somit ist Syversen bestenfalls gelungen, ein paar anständige Ekel-Effekte unterzubringen, diese aber wieder durch Langatmigkeit und definitiv vorhandene Logiklöcher zu relativieren, so dass unterm Strich nicht mehr als ein stark humpelnder Waldlauf von Film dabei herausgekommen ist, der leider nicht zu überzeugen vermag. Aufgrund der ganz annehmbaren Effekte und der zumindest patent agierenden Schauspieler hier noch mal zwei von fünf Bärenfallen, in denen man sich ohne den richtigen Beat nur allzu leicht verfangen kann.