Eigentlich gibt es so etwas nur in schlechten Filmen, aber manchmal hält das Leben doch noch Überraschungen bereit. Für einen Euro, auf einem Grabbeltisch im Kaufhaus, noch ausgezeichnet mit dem D-Mark-Preis, fiel mir Michael Wallners Manhattan fliegt in die Finger. Schon nach kurzem Anlesen war klar: Dieses Buch kann man nicht wieder aus der Hand legen.
Leopold möchte in New York einen Schauspielkurs belegen. Als er jedoch Sabina kennen lernt, verändert sich sein Leben. Sabina will ein Drehbuch an den Mann bringen. Das Zeitalter des Delphins soll der Film heißen. Ihr Regisseur Gryhsl stammt aus Feuerland und kann mit seinem Körper Stromschläge verteilen. Die Hauptdarstellerin soll Undine Nielsson werden. Leopold muss erstaunt feststellen, dass Undine ihren ersten Film 1921 gedreht hat, sie müsste also eigentlich über 90 Jahre alt sein; ist sie aber nicht, sie scheint die 20 gerade erst erreicht zu haben. Nach und nach kommt Leopold einer fantastischen Geschichte auf die Spur, die im Jahr 1919 beginnt und 1991 endet.
Wallner schickt uns durch die Jahrzehnte und macht uns mit dem Zauberer Pius Yurgrave, dem Regisseur Sigmund Glawatsch, der Delphintrainerin Henrietta und vielen anderen liebenswerten, allerdings auch geheimnisvollen Menschen bekannt. Am Ende soll die Premiere des Films stehen, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg durch die Jahre und das Reich der Magie.
Michael Wallner hat seine Geschichte in drei Zeitzyklen aufgeteilt. Die 20er, 50er und 90er Jahre. Er verwebt die Handlungsstränge geschickt und clever. Seine Story ist spannend, interessant, witzig und abenteuerlich. Einen Stoff von dieser Qualität findet man leider viel zu selten zwischen zwei Buchdeckeln. Also: In die Geschichte eintauchen, sich von der Magie der Jahre und dem Zauber der Undine Nielsson einfangen lassen, und dann einfach nur noch genießen.