Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Manhattan Transfer
OT Manhattan TransferOA 1925 DE 1927Form Roman Epoche Moderne
Als facettenreiches Bild des Lebens in der Metropole New York wird dieser Roman zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem »American way of life«, zum Prototyp des Großstadtromans im 20. Jahrhundert und zu einem international einflussreichen Erzählwerk der klassischen Moderne.
Inhalt: Der Roman zeigt uns das New York der frühen zwanziger Jahre, das »moderne Ninive«, als Durchgangsstation und Umsteigebahnhof der jungen, durch Heterogenität und große Dynamik gekennzeichneten amerikanischen Gesellschaft. Darauf spielt der Titel Manhattan Transfer war der wichtigste Fernbahnhof der Stadt symbolisch an. Dos Passos montiert dieses Gesamtbild aus mehr als hundert Einzelschicksalen, die wir teils nur flüchtig, teils ausführlicher und wiederkehrend verfolgen. Eine durchgehende Handlung wird nicht entworfen, es gibt aber einige zentrale Figuren, besonders das Mädchen Elaine, dessen Geburt wird zu Beginn des Romans miterleben und die dann zur Schauspielerin und Journalistin heranwächst. Unter den zahlreichen Männern, die ihre Karriere begleiten, ist ihr zweiter Ehemann, der Journalist Jim Herf von besonderem Interesse, der aus Abscheu vor der umfassenden Herrschaft von Geld und »Business« am Ende des Romans die Stadt verlässt und in der Weite des Landes einer ungewissen Zukunft entgegenfährt. Soziologisch gesehen lässt Dos Passos Repräsentanten der wichtigsten Schichten und Gruppen auftreten: Unternehmer, Politiker und Spekulanten; Intellektuelle und Künstler; legale und illegale Einwanderer; Land- und Industriearbeiter; Dienstpersonal; Landstreicher, Bettler und Kriminelle. Die Gesamtdynamik der Erzählung resultiert aus dem zufälligen Zusammentreffen dieser so unterschiedlichen Figuren, besonders aber aus den vielfach sich überkreuzenden Linien des meist unerwarteten sozialen Aufstiegs oder des Niedergangs und Scheiterns.
Aufbau: Der aktuelle Erfolg und die historische Bedeutung des Romans sind wesentlich durch die bruchlose Entsprechung von Thema und Erzählform begründet. Das zentrale Thema der unaufhörlichen sozialen Veränderung findet Ausdruck in der Technik der Montage, in der zahlreiche Einzelbilder oder Sequenzen auf annähernd filmische Weise »zusammengeschnitten« werden. Dies bewirkt Effekte der Unmittelbarkeit, der Vielfalt, der Kontraste, der Unabgeschlossenheitl also eine anschauliche Analogie zur alltäglichen Erfahrung der Großstadt: Die Leser können das Schicksal der Figuren, die aus der Masse kommen und wieder in ihr verschwinden, immer nur ein Stück weit verfolgen. In den einzelnen Szenen dominieren direkte Rede (oder auch der »Bewusstseinsstrom«) der Figuren.
Dos Passos verzichtet auf eine herkömmliche Erzählerinstanz; seine Erzähloptik ist eher die einer Kamera. Dennoch gibt er dem szenischen Material eine gewisse Struktur und »Bedeutung«. Dies geschieht z. B. durch die Gliederung in drei große Teile nach dem Schema von Ankunft, Aufenthalt und Abschied, sowie in 18 einzelne Kapitel mit mythologischen oder real- symbolischen Titeln (z. B. »Metropolis« oder »Wolkenkratzer«) und jeweils einem kurzen atmosphärischen Vorspann. Auch die mediale Wirklichkeit der Millionenstadt (Reklame, Zeitungsschlagzeilen) wird eingeblendet und dient oft der Ironisierung des Geschehens.
Wirkung: Mit der innovativen Kombination von Großstadt-Thematik und montierender Erzählweise war Manhattan Transfer nicht nur in den USA ein Erfolg, sondern wirkte auch international anregend. Ohne Zweifel ist ihm auch der wichtigste deutsche Großstadtroman, Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin (1929), verpflichtet. Eine deutsche Übersetzung war 1927 in Berlin erschienen. J. V .
Kurzbeschreibung
Der Roman zeigt uns das New York der frühen zwanziger Jahre, das >>moderne Ninive<<, als Durchgangsstation und Umsteigebahnhof der jungen, durch Heterogenität und grosse Dynamik gekennzeichneten amerikanischen Gesellschaft. Darauf spielt der Titel - Manhattan Transfer war der wichtigste Fernbahnhof der Stadt - symbolisch an. Dos Passos montiert dieses Gesamtbild aus mehr als hundert Einzelschicksalen, die wir teils nur flüchtig, teils ausführlicher und wiederkehrend verfolgen. Eine durchgehende Handlung wird nicht entworfen, es gibt aber einige zentrale Figuren, besonders das Mädchen Elaine, dessen Geburt wird zu Beginn des Romans miterleben und die dann zur Schauspielerin und Journalistin heranwächst. Unter den zahlreichen Männern, die ihre Karriere begleiten, ist ihr zweiter Ehemann, der Journalist Jim Herf von besonderem Interesse, der aus Abscheu vor der umfassenden Herrschaft von Geld und >>Business<< am Ende des Romans die Stadt verlässt und in der Weite des Landes einer ungewissen Zukunft entgegenfährt. Soziologisch gesehen lässt Dos Passos Repräsentanten der wichtigsten Schichten und Gruppen auftreten: Unternehmer, Politiker und Spekulanten; Intellektuelle und Künstler; legale und illegale Einwanderer; Land- und Industriearbeiter; Dienstpersonal; Landstreicher, Bettler und Kriminelle. Die Gesamtdynamik der Erzählung resultiert aus dem zufälligen Zusammentreffen dieser so unterschiedlichen Figuren, besonders aber aus den vielfach sich überkreuzenden Linien des - meist unerwarteten - sozialen Aufstiegs oder des Niedergangs und Scheiterns.