Manhattan nimmt in Woody Allens filmischer Chronik von New York eine Sonderstellung ein, denn diese witzige Hommage ist konsequent im ästhetischen Schwarzweiß gehalten und beginnt mit scharf konturierten Panoramaaufnahmen der Stadt, die in den monochromatischen Schattenspielen der Fotografie wie stilistische Scherenschnitte wirken, zu denen der Fernsehautor Isaac Davis (Woody Allen) in einem schwelgerischen Monolog über das Leben sinniert. Den Blick der Kamera durch den verfinsternden Schleier des Film Noir zu richten, erweist sich dabei als gelungener Kunstgriff, denn viele Einstellungen erscheinen wie erträumte Spiegelungen einer verschütteten Kultur, in denen die nostalgische Sehnsucht an den Mythos einer Stadt zum Ausdruck kommt, der in seiner ursprünglichen Form so nicht mehr existiert. In Woody Allens Fall sind das solche Dinge wie die goldene Zeit des Jazz, das Kino der Stummfilmära, die Künstlermilieus um Dorothy Parker und natürlich die Romantik der Liebe, die in einem anonymen Schmelztiegel wie New York inzwischen besonders schnell verblasst. Als finaler Trost für seinen Liebeskummer bleibt Isaac als Refugium immer noch dieser Moloch, denn New York ist wohl die einzige Geliebte, die niemals vor dem schrulligen Kauz davonlaufen wird.
Manhattan ist bei Woody Allen ein Ort, wo der Coitus zur Beliebigkeit verkommt, weil das Beziehungskarussell sich mit atemberaubender Geschwindigkeit dreht und die unterschiedlichsten Paarkombinationen hervorbringt. In diesem Kosmos schwirren existenziell verunsicherte Intellektuelle der gehobenen Mittelschicht wie spukartige Irrlichter umher, die in Kunstgalerien und Restaurants zufällig aufeinander treffen. Die erste Szene führt uns gleich in das berühmte Künstlerlokal "Elaine's", wo der untröstliche Isaac seinem egomanischen Freund Yale von der Affäre zu der 25 Jahre jüngeren Tracy (Mariel Hemingway) berichtet. Diese schlüpfrige Liaison ist jedoch eher ein Anzeichen für Isaacs persönliche Krise und seinem Konflikt mit dem eigenen Begehren, als dass sie von echter Zuneigung geprägt wäre. Zudem sitzt ihm auch noch seine destruktive Ex-Frau (Meryl Streep) im Nacken, die demnächst Isaacs für untauglich befundenen sexuellen Fähigkeiten bis ins intimste Detail tranchiert in einem pikanten Enthüllungsbuch veröffentlichen wird. Im Museum of Modern Art trifft er auf Mary (Diane Keaton), die heimliche Geliebte des verheirateten Yale, die in ihrer intellektuellen Hochnäsigkeit kein Fettnäpfchen auslässt und Isaacs Lieblingskünstler zu seinem Entsetzen ganz salopp in einem nonchalant vorgetragenen verbalen Amoklauf in die "Akademie der Überschätzten" aufnimmt. Dennoch verliebt er sich in die snobistische Mary, die ihre Zweifel an einer gelungenen Selbstverwirklichung hinter eloquenter Rhetorik versteckt, sich tief im Inneren aber dennoch nach fester Geborgenheit sehnt und sich vorerst zwischen Yale und Isaac einfach nicht entscheiden kann.
Diese losen Beziehungsmuster werden von Woody Allen in gewohnt virtuoser Manier mit geschliffenen Dialogen in Szene gesetzt, wobei sich seine neurotischen Figuren als Gefangene der Moderne erweisen, die unterschwellig mit der Oberflächlichkeit der neuen Zeit nicht mehr zurechtkommen. Was auch daran liegt, dass sie mit sehr speziellen Ticks und Eigenheiten ausgestattet sind, die sie geschickt mit selbstmitleidigem Zynismus kaschieren, um sich selbst für das eigene Umfeld erst erträglich zu machen. Dabei untergräbt die dominante Präsenz der Frauen das von Männern so sorgsam aufgebaute Beziehungsgeflecht. Die gezielten Sticheleien zwischen den Geschlechtern werden mit ähnlich präziser Schärfe gesetzt wie in "Annie Hall". Viele feinsinnige Pointen erschließen sich oft aus der Situationskomik peinlicher Momente. So entpuppt sich Marys Ex-Gatte Jeremiah, von dem sie andauernd schwärmt, wie sehr er sie "sexuell erschlossen" hat, als eher untypisches Idealbild eines Mannes in Form eines stark untersetzten Kleinwüchsigen mit äußerst schütterem Haar. Die große Kunst des Films liegt allerdings in den atmosphärischen Bildeinstellungen verborgen, von denen die Bekannteste wohl die stimmige Weitwinkelaufnahme am Ufer des East River an der 59th Street Bridge ist, wo Mary und Isaac auf einer Bank sitzen und mit ungestilltem Erfahrungshunger auf die Vergänglichkeit der Liebe blicken und melancholisch in die Dämmerung hineinseufzen. Passend untermalt wird der Film mit Gershwins lebensbejahender "Rhapsody In Blue", exklusiv eingespielt von den New Yorker Philharmonikern unter der Leitung von Zubin Mehta.
Als Bonusmaterial gibt es auf dieser DVD-Edition nur Kinotrailer. Das Bildformat beträgt 16:9 Widescreen. Die Tonspur liegt in allen vorhandenen Sprachen nur in Mono vor.