Der Manfrotto 804RC2 3-Wege-Neiger konnte mich leider nicht überzeugen. Der Stativkopf besteht zu großen Teilen aus Plastik, nur die Bodenplatte, die Feststellschrauben, der Hebel für die Schnellwechselplatte sowie einige Laufflächen sind aus Metall. Durch die saubere Verarbeitung macht er trotzdem einen guten ersten Eindruck. Allerdings nehmen der Kunststoff und die Abdeckungen der Verschraubungen (auf denen sich die Skalen befinden) jeden kleinen Unfall sofort mit einer Schmarre bzw. Delle auf. So konnte ich auch schnell erkennen, dass mein Modell offensichtlich schon einmal Retour ging.
Nachdem man die Feststellhebel eingeschraubt hat, kann man einen ersten Eindruck von der Arbeit mit dem Kopf bekommen. Die Achsen lassen sich leicht verstellen, laufen aber nicht wirklich butterweich, wie man es von einem Markenprodukt erwarten würde (ein verglichener Kopf von Slik dieser Preisklasse kann das besser). Die Skaleneinteilung in Grad und die Achsanschläge sind präzise eingestellt.
Sehr störend fand ich dagegen den für das Feststellen der Achsen benötigten Drehweg an den Feststellhebeln. Vor allem die Rotationsachse (Quer- / Hochformat) war beim ersten Gegendruck noch lange nicht fest. Es waren weitere zweieinhalb Umdrehungen nötig, bis die Achse fest wurde. An der Stelle hat man wiederrum kaum einen Anhaltpunkt, dass man nun weit genug gedreht hatte (das drehen wird nur kontinuierlich schwerer). Somit ist das Überdrehen der Plastegewinde nur zu leicht möglich. Außerdem sieht der zunehmend zusammengedrückte Kunststoff an der Achse nicht gerade vertrauenserweckend aus.
Die anderen beiden Feststellhebel ließen sich besser einstellen und fixierten ihre Achsen nach etwa einer halben Umdrehung. Hier war auch der Gegendruck des Kunststoffs ein gutes Anhaltszeichen, dass die Achse fest war. Hat man einmal die Achsen fixiert, halten diese aber bombenfest (getestet mit 2,5Kg Auflagegewicht). Schwingungen der Kamera nimmt der Kopf leider auch gut auf. Man merkt auch, dass der Kunststoff etwas nachgibt, wenn man die Kamera drückt.
Die in der vertikalen Achse verbaute Ausgleichsfeder macht das arbeiten mit leichter Ausrüstung durchaus einfacher. Setzt man jedoch ein Teleobjektiv an, verschwindet der dämpfende Effekt zunehmend. Die horizontale Achse fällt beim Lösen der Feststellschraube 30° bis zum Anschlag nach rechts ab, solange man die Kamera oder den Hebel nicht bewusst fest hält. Das ist im Wesentlichen eine Gewöhnungssache, aber der 804RC2 ist der erste 3-Wege-Neiger, der mir damit unterkommt.
Das Schnellwechselsystem funktioniert bei dem Stativkopf gut. Es kann höchstens ein wenig Nachruckeln an der Platte nötig sein, um die Kamera sicher zu fixieren. Sehr gut: Die Sicherung vor versehentlichem Öffnen der Wechselplattenhalterung rastet automatisch ein. Man kann also nicht vergessen, den Hebel extra zu sichern.
Alles in allem überzeugt der Kopf in Sachen Ausstattung und Aufmachung. Dagegen wirkt der Kunststoff doch etwas billig. Vor allem, da er dem sonst verwendeten Aluminium bei der Stabilität und Steifheit nicht das Wasser reichen kann. Für mich stellt jedoch die ungenaue Feststellung des Stativkopfes das absolute K.O.-Kriterium dar. Wer sich mit dem Kopf einarbeitet, gewöhnt sich vielleicht daran. Für mich ist jedoch eine präzise Feststellung sehr wichtig.
Letztlich sollte man von einem Markenprodukt der unteren Preisklasse wohl doch keine Wunder erwarten.