Der 701HDV-Fluid-Kopf ist mit rd. 0,85 kg der Kleinste und preiswerteste Fluid-Kopf von Manfrotto. Ich habe zwei davon und sie harmonieren sehr gut mit den Stativen 190XPROB (1,8 kg) oder dem superleichten Carbon-Stativ 732CY (0,95 kg). Wenn der Kopf im Neuzustand sehr stamm "fährt", liegt das nicht an der Qualitätsstreuung, sie sind grundsätzlich alle so wie ich im Laufe der Zeit festgestellt habe.
Damit lassen sich sehr leichte und mobile Komplettlösungen für Video- ,Foto- und Digiscoping-Anwendungen realisieren.
Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, mit z.B. Nikon D40, D5000 u.ä., Lumix GH2, PEL3 mit Objektiven bis 300mm oder leichte Spektive bis 80mm Frontlinsen wie das Swarovski ATM80 oder Kowa 663, auch in Verbindung mit kleinen Kameras wie die Lumix LX-3, LX-5, Olympus XZ-1, Coolpix P300, Samsung EX1 oder ähnliche.
Auch filmen mit leichten Camcorder wie der Panasonic HDSD909 oder der Sony HDR-CX305 ohne Zusatzausstattung ist für den 701HDV kein Thema.
Der Kopf ist ziemlich komplett ausgestattet, also mit Libelle, Gewichtskompensation und stufenlose Arretierung (natürlich horizontal und vertikal).
Im Gegensatz zu den grösseren Fluidköpfe 501, 503 und 504 ist die Gewichtskompensation nicht einstellbar. Im freien Lauf kommt der Kopf sanft zurück in die horizontale Lage, damit wird, abhängig von der Neigung, das Schwenken der Optik sehr erleichtert und unterstützt. Die Libelle ist auch nicht beleuchtet wie bei dem 503 und 504 HDV.
Abgesehen davon ist der 701 funktionell vollwertig. Im Klartext heißt das, dass man damit sehr sanft an- und ausfahren kann aber auch sehr präzis fahren kann (z.B. bei Sternenbeobachtungen).
Sie sollte jedoch präzis getrimmt, gut geschmiert und ordentlich eingefahren werden (siehe unten).
Manfrotto gibt eine max. Belastung von 4 kg an. Ich persönlich steige ab ca. 2,5 bis 3 kg auf die 501HDV um.
Der 701HDV ist werkseitig ziemlich stramm ausgelegt, wohl damit die 4 kg-Angabe der Produktbeschreibung gerechtfertigt werden.
Diese 4 kg lassen sich zwar realisieren, aber wie ich schon sagte, der optimaler Betriebsbereich der 701 liegt eher bei 2,5-3 kg.
Im Neuzustand neigt der Kopf wegen dieser strammen auslegung zu Rückartigen Start- und Stoppbewegungen. Das läßt sich leicht ändern wenn man mit einem Imbusschlüssel die Hauptschraube auf der vertikalen Achse etwas lockert, die beweglichen Teilen mit MoS2 schmiert und den Kopf ein paar Stunden einfährt. Danach gewinnt der Kopf rd. 30 % an Geschmeidigkeit und läuft dann ziemlich perfekt.
Offensichtich sind viele Käufer von dieser strammen Auslegung abgeschreckt und trennen sich - zu schnell - von diesem Kopf.
Der nächstgrösseren Fluid-Kopf ist mit exakt 1,5 kg Kampfgewicht der 501HDV. Er ist also rd. 50-60 % schwerer und teuerer. Das entspricht eine Steigerung der Belastbarkeit von ebenfalls rd. 50 % auf nominell 6 kg. Tatsächlich liegt aber der Betriebsbereich der 501 auf rd. das Doppelte der 701, nämlich um die 5 kg.
Der 501 ist damit fast jeder Anwendung gewachsen. Tatsächlich kann man den 501 problemlos eine semi-professionelle Videokamera mit Camera-rig, Mattebox, Kontrollmonitor belasten und er wird vielfach im professionellen Bereich bereits mit der 503 eingesetzt und vermietet.
Bei schwereren Geräten, wie z.B. Naturbeobachtungen mit einem Leica Televid 82mm, Zeiss Diascope 85mm, Vortex Razor 85mm oder schwere Spektive wie das Pentax 100mm ist der 501-Fluid-Kopf die bessere Wahl. Er hat auf der Mittelachse unter der Brücke einen grossen Knopf zur Regulierung der Panoramafahrten und auf der rechten Seite einen bequemen Knopf zur stufenlosen Einstellung der Friktion bei vertikalen Bewegungen.
Damit ist der 501 sehr, sehr nah an professionellen Ausstattung und ist gerade noch für den mobilen Einsatz tragbar.
Die 501-er sind auch meine lieblingsköpfe. Sie sind aufgrung ihrer Robustheit nicht nur souveräner als die 701 und fahren daher auch weicher, sie sind auch, wie die 503 und 504 (die ich ebenfalls mehrfach besitze) so gut wie unkapputtbar.
Für den Amateur-Filmer mit einen 385 gr-Mini-Camcorder ist aber die 501 natürlich völlig überdimensionniert, da ist die 701 goldrichtig.
Allerdings, wer mit Vergrösserungen um das 60x arbeiten möchte, z.B. um Sternen oder Planeten zu beobachten oder fotografieren, kann nicht genug Stabilität bekommen. Dafür ist einen 503 (oder gar eine 504 mit 75mm-Halbschale) mit dem grossen Schwenarm, beleuchtete Libelle und vieles mehr, einfach Goldwert und eine Investition für's Leben.
Zum Schluß noch mein Rat basierend auf jahrelange Erfahrungen mit Dutzende von Köpfe und Stative:
Es macht keinen Sinn billige China-Köpfe zu kaufen, wie ich das in meinen jungen Jahren gemacht habe. Stundenlang habe ich Alu-Achsen und Gußbüchsen in meiner Werkstatt feinbearbeitet, in der Hoffnung die Achsen manierliches Benehmen beizubringen. Sie sind alle im Müll gelandet.
Fazit:
Der 701 ist für einen sehr moderaten Preis mehr als einen Einsteiger-Kopf. Er ist vorzüglich verarbeitet und besitzt auf einfachen Niveau bereits die Funktionalität eines Semi-professionellen Fluid-Kopf. Allerdings erfordert die sehr stramme Werksauslegung eine Menge Zeit für das Einfahren und trimmen bis der Kopf geschmeidig läuft.
ZUSATZ am 09.02.2012 eingefügt:
Das Zeiss-Karbon-Stativ ist übrigens ebenfalls mit einem Manfrotto 701HDV ausgestattet. Es steht zwar Zeiss drauf aber wenn man genau auf die Gußteilen schaut entdeckt man Manfrotto.
Die Zeiss-leute werden wohl nicht für sehr viel Geld unter ihren Namen etwas vermarkten, wenn sie nicht davon überzeugt wären. Ich gehe davon aus, dass sie die Bestückung ihrer Carbon-Stative sehr genau überprüft und getestet haben.
ZUSATZ am 30.03.2012 eingefügt:
Um die Fragen hinsichtlich der Imbusschraube, die für eine schwergängige Rotation im Neuzustand verantwortlich ist, zu beantworten, habe ich 3 zusätzlichen Kundenbilder hinzugefügt.
Jetzt kann jeder diese Schraube gut erkennen, einmal die Kunsstoffabdeckung unter der die Imbusschraube versteckt ist und zweimal die nackte Schraube ohne Verdeckkappe.
Viele Grüße