Intro:
Warum nur 4 statt 5 Sterne für dieses Stativ? - Ich weiss (noch) nicht, was ich von dem (vermutlich höheren) Einsatz von Kunststoff am Stativ halten soll. Ausserdem kommt das Stativ "pur", ohne Tragegurt. Das mag bei Manfrotto üblich sein, ich will mich daran aber nicht gewöhnen, denn: Ein Stativ trägt man gemeinhin am Gurt und deshalb sollte dem Produkt auch ein Gurt beigelegt sein! Man kauft ja auch kein Auto, wo die Sitze ohne Polster geliefert werden...
Details:
Die Alu-Ausführung des Stativs trage ich seit ca. 15 Jahren mit mir herum. Ein schweres 190er, das ausserordentlich zuverlässig und solide war und ist. Der Nachteil der Alu-Version liegt aber nicht nur im Gewicht, es ist auch relativ lang im zusammengeschobenen Zustand und bescherte mir unzählige Ärgernisse beim Transportieren. Ich war all die Jahre hart im Nehmen, aber irgendwann ist es einfach genug.
Ein Problem eines schweren Stativs ist nicht zu unterschätzen: Man überlegt ständig, ob man es mitnimmt, wie es am besten zu transportieren ist u.s.w. So entscheidet man auch mal falsch und das kostet dann womöglich gute, einmalige Aufnahmen...
Das 190er Carbon-Stativ punktet grundsätzlich mit einem sagenhaften Leichtgewicht. Damit ist schon mal das Hauptkriterium für ein insbesondere unterwegs einzusetzendes Stativ erfüllt. Hinzu kommt, dass das Teil deutlich kürzer als die bekannte Alu-Version ist. Damit kann man es sogar in den Rucksack stecken, wenngleich dies relativ ist: Ein 52-Liter-Rucksack mag das Stativ gerade so aufnehmen, ist dann aber für weitere Zuladung nur noch eingeschränkt einzusetzen, denn Rucksäcke sind i.a. nicht eckig - also nimmt das Stativ am höchsten Punkt, nämlich in der Mitte des Rucksacks, den besten Platz weg.
Sehr gut und wichtig ist die integrierte Wasserwaage, die gut sichtbar ist. Gerade für Panorama-Aufnahmen muss man das Stativ korrekt einrichten - und wer den Manfrotto-Kopf 300N besitzt, weiss, dass der keine Libelle dran hat.
Die Stativbeine sind angenehm warm in der Hand - auf hässliche Moosgummi-Schläuche (und damit Zusatzgewicht) kann man also an kalten Tagen verzichten.
Apropos Stativbeine: Ich bin oft an der See - momentan weiss ich noch nicht, was passiert, wenn der feine Sand über das Stativ herfällt... Da die Toleranzen in den Gleitbereichen eng sind, dürfte der Sand einen gewissen Abriebeffekt hervorrufen... Aber ich will mal vorsichtig mit Spekulationen sein.
Material: Die Klemmen sind wohl aus Kunststoff (mit Metall an inneren Funktionsteilen) - bei dem Rest bin ich mir unsicher. Die Oberflächen der Materialien sehen alle so ähnlich aus, dass es mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden ist, wo hier genau Magnesium und wo Kunststoff eingesetzt wurde.
Beim Kunststoff bin ich mir unsicher, wie gut oder schlecht er wirklich ist. Allgemein ist ja Kunststoff eher ein Begriff für "billig und nicht sehr stabil". Nun darf man aber auch nicht vergessen, dass es extrem gute und harte Kunststoffe gibt...
Fazit:
Dieses Stativ ist LEICHT! Und das ist ein Segen. Dafür lohnt sich die Mehrausgabe. Man sollte hier nicht sparen. Früher gabe es sowas noch nicht.
Die Optik ist edel, über die Gebrauchseigenschaften kann ich mich nicht auslassen, da ich das Stativ gerade erst in Besitz genommen habe.
Die dicken Beine rutschen gut raus, die dünnsten sind im letzten Auszug etwas schwergängig, auch das Knicken der Beine über den Standardwinkel hinaus ist schwergängig. Ob dies am Material oder der Voreinstellung liegt, weiss ich im Moment nicht.
Die 3 Auszüge machen das Stativ im Packmaß schön kurz. Damit eignet es sich insgesamt für den offensichtlichen Zweck: ENDLICH weniger Schmerzen und Probleme beim häufigen respektive stundenlangen Schleppen der Ausrüstung! Weniger Sorgen in der Gepäckplanung und ein erhöhter Anreiz, das Stativ mitzunehmen. Denn man kann es immer irgendwo anbinden, anklemmen oder einhaken. Dafür ist es leicht genug.