Hier kann ich mich der vorangehenden Rezension nur anschließen. Bei mir waren es ähnliche Beweggründe, die mich zum Kauf des Manfrotto 055XPROB bewegt haben. Mein vorhandenes Bilora-Stativ, was ich mir mal vor etwa 15 Jahren zugelegt hatte, ist zwar genial leicht (2,3 KG, inklusive Videoneiger), jedoch seit meinem Einstieg in die digitale Fotografie vor knapp eineinhalb Jahren und dem damit einhergehenden und stetigen Zuwachs an Ausrüstung - und somit auch an Gewicht - nicht mehr gewachsen und allenfalls nur noch als Reisestativ verwendbar. Außerdem haben mich bei diesem immer die Stativstreben von der Mittelsäule zu den Beinen gestört, die ein weiteres Spreizen der Stativbeine zur Erreichung einer höheren Standfestigkeit verhindern.
Mit der Erfahrung in der Fotografie wächst nicht nur die Ausrüstung sondern auch der Anspruch an derselben sowie der Wunsch, weitere Gefilde zu entdecken.
Bei der Suche nach der Einsatzeignung galt es für mich folgende Fragen zu beantworten:
1. Kann ich mit dem Stativ weit nach unten gelangen, um bodennahe Aufnahmen zu realisieren? Für Video- wie auch für Fotoaufnahmen?
Antwort: Ja, geht. Minimum sind 10 cm Höhe. Spreizt man die Stativbeine maximal ab und legt die Mittelsäule um, komme ich tiefer nach unten, als während meines Wehrdienstes.
2. Wie schaffe ich es, dass ich nicht - je nach Einstellung der Kamera - ein Teil des Statives (in der Regel sind es die Beine) auf der Aufnahme habe?
Antwort: Geht auch, wenn man die Stativbeine genügend spreizt und wiederum die Mittelsäule in die Waagerechte umlegt oder gar mit dem Kopf nach unten einführt. Dabei steigt sogar die Stabilität (Kippneigung bei Verlassen des Stativmittelpunktes), je weiter der Abspreizwinkel der Beine eingestellt wird.
3. Ist das Stativ von der maximalen Aufbaugröße her geeignet, dass ich mit meiner knapp über 1,80 m Körperlänge bequem und nicht gebückt oder verkrampft hinter der "Linse" stehen kann?
Antwort: Passt. Man braucht bei meiner Körperlänge noch nicht einmal die Mittelsäule auszufahren. Zieht man alle Beinsegmente aus, plus montiertem Stativkopf, plus aufgesetzter Kamera, so endet der Sucher der Kamera genau auf Augenhöhe.
4. Hat das Stativ genügend Reserven, um mit meinen stetig wachsenden Ansprüchen und der zunehmenden Kameraausrüstung mithalten kann?
5. Ist das Stativ stabil genug, um etwa eine DSLR + Zoomobjektiv + Blitz + das einzubeziehende Gewicht des Stativkopfes (insgesamt ca. 5 KG) aufzunehmen?
Antwort zu 4. und 5.: Passt auch. Nach meiner Berechnung von oben hätte ich sogar 2 KG "Manöveriermasse" übrig.
6. Ist das Transportgewicht von Stativ + Kopf noch akzeptabel, ohne, dass man gleich lieber das ganze Konstrukt wieder zu Hause lassen würde.
7. Ein mitunter wesentlicher Faktor: Kann ich mir das Stativ leisten bzw. wie sieht es mit dem Preis-Leistungsverhältnis aus?
Antwort zu 6. und 7.: Okay. Hier muss ich Eingeständnisse machen. Sicherlich wäre eine Investition in ein Karbonstativ oder in ähnlichen Materialien zwecks Gewichtsreduzierung angesagter gewesen, aber das finanzielle Limit wäre bei Weitem überschritten. 3,8 KG inklusive Stativkopf, den ich mir für das System ausgesucht habe, sind zwar "eine Menge Holz", aber für den Einsatzreichtum, die Flexibilität, die Ausbaureserven und das Preis-/Leistungsverhältnis durchweg zu ertragen.
Das war meine persönliche Checkliste, die zu dem Kauf des 055XPROB geführt hat.
Negativ stößt mir allerdings auf, dass mit dem Stativ noch nicht einmal zumindest ein Trageriemen mit Transportsicherung der Stativbeine mitgeliefert wird. Für dieses Extra muss man nochmals etwas tiefer in die Tasche greifen.
Einige Hersteller liefern ihre Stative auch mit einer Transporttasche aus. Da jedoch die geschlossene Länge des Stativs auf Grund des verwendeten Kopfes variieren kann, muss man sich die geeignete Tasche separat dazu kaufen.
Alles in Allem bereue ich meine Kaufentscheidung nicht und kann das Stativ denjenigen empfehlen, für die die Stabilität vor dem Gewicht steht. Und für den Preis erhält man ein sehr gut verarbeitetes, qualitativ hochwertiges und flexibles Grundgerüst für seine Ausrüstung und dem weiteren Ausbau.