Buchnotiz zu : Die Zeit, 25.09.2003 Glücklich ist Andreas Isenschmid, wenn auch nicht wunschlos. Dennoch stellt er Ossip Mandelstams qualvollen Tod im Gulag an den Anfang seiner Besprechung: "Noch nie ist einem deutschen Publikum dieser Tod und jede Einzelheit des Weges zu ihm so genau und taktvoll, so kenntnis- und ideenreich beschrieben worden wie in Dutlis Biografie." Mandelstams Leben habe auf diesen Tod hingesteuert, Verzweiflung und Glück lagen dicht beieinander und ergaben seinen "Willen zur Intensität und zu ihrem lyrischen Ausdruck", dem sein Übersetzer und Herausgeber Dutli "hellhörig und mit spürbarer, aber nie überschießender Empathie" folge. Aber warum eigentlich? Fand nicht Mandelstam, dass die Erinnerung an einen Lebenslauf rein gar nichts zum Erfassen der Welt beitrage? Wozu eine Biografie, wenn wir seine Gedichte haben, hat sich Isenschmid erst gefragt. Doch dann folgten die über 600 Seiten "von Dutlis schneller, muskulöser, warmer und farbiger Sprache" und die Bedenken sind vergessen, zumal der Autor Mandelstams Lyrik und sein Leben so fruchtbar und abseits kleingeistiger methodologischer Regeln zusammenführe, dass man das Werk des Dichters hinterher anders lese - klüger. Und warum ist unser Rezensent nicht wunschlos glücklich? Weil sich Dutli "etwas zu sehr von Mandelstams Unruhe" habe anstecken lassen und zu selten innehalte, "um ein Detail länger leuchten zu lassen". Isenschmid findet alles gut, was in diesem Buch drinsteht, aber er hätte gern noch mehr davon, so wie er nicht genug von Dutlis Mandelstam-Übersetzungen kriegen kann: "Der Rezensent hat übrigens eine leise Tendenz, die Sprachkunst des Übersetzers Dutli (...) höher zu stellen als das meiste, was uns derzeit als deutsche Literatur erreicht."
Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2003 Als mustergültige Dichterbiografie preist Ulrich M. Schmid die lebensgeschichtliche Deutung des Mandelstam-Übersetzers Ralph Dutli, der wie kein anderer dazu berufen sei, weil er bereits die zehnbändige Werkausgabe im Amman-Verlag betreut habe und alle Facetten seines Werkes genauestens kenne. Schmid legt Wert auf das Wörtchen "alle", denn Paul Celan, der als erster Mandelstam-Gedichte ins Deutsche übertragen und damit das Werk des Russen hierzulande überhaupt bekannt gemacht hatte, hat seines Erachtens einen nicht unerheblichen Teil des Mandelstam'schen Oeuvres ausgeblendet. Celan bevorzugte den tragischen, elegischen Mandelstam, schreibt Schmid, wohingegen der fröhliche, sinnliche, manchmal auch alberne Dichter keine Beachtung fand. Damit wurde aber, findet Schmid, die Rezeption Mandelstams von dessen ohnehin tragischen Leben noch weiter ver- oder überschattet. Mandelstams Martyrium war die Folge und nicht etwa die Ursache seines Schreibens, betont Schmid. Auch auf Mandelstams wohl schwieriges Verhältnis zum Judentum gehe Dutli ein und räume mit dem noch heute gängigen Vorurteil auf, Mandelstam sei ein typischer Repräsentant des jüdischen Selbsthasses gewesen.
"..., warum ich Mandelstam liebe: die unwandelbare Magie jeder Zeile. Es geht nicht um 'Klassizismus', sondern um Zauber." (Marina Zwetajewa) "Ein herrlicher Dichter, der größte von allen, die in Russland unter der Sowjetherrschaft zu überleben versuchten!" (Vladimir Nabokov)
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... wird nur noch übertroffen von den Schriften Mandelstams selber. Lesen Sie diese Biografie zusammen mit den gesammelten Schriften Mandelstams bei amman oder Fischer und sie werden einen der 6 grössten dichter des 20. jhs kennenlernen - 4 davon kommen aus Russland: Mandelstamm, Achmatowa, Zwetajewa und Brodsky (die anderen zwei sind: Beckett und Rilke).