Richard Stengel ist der Chefredakteur des Time-Magazins. Als Mit-Autor von Mandelas Autobiographie ist er ein persönlicher Vertrauter und er kennt die südafrikanischen Verhältnisse.
In diesem Buch versucht er nach dem Muster US-amerikanischer Erfolgsbücher Nelson Mandelas persönliche Eigenschaften zu beschreiben, um daraus Lehren zu ziehen. So nach dem Motto, guck dir was von deinen Vorbildern ab. Dieses Verfahren hat seine Grenzen: Stengel ignoriert die Zusammenhänge und schreibt subjektiv: Seine Meinung steht im Vordergrund, Fakten sind nur Mittel zum Zweck.
Zu den persönlichen Eigenschaften, die Mandela nach der Ansicht von Stengel herausragend machen, gehören sein Mut, seine Ruhe, seine Konzentration auf das Wesentliche und insbesondere sein Umgang mit Gegnern. Da der Autor intensiven Kontakt mit Mandela hatte, sind seine Anekdoten und Charakterisierungen durchaus aufschlussreich.
Stengel ist jedoch politisch naiv, um es vorsichtig auszudrücken. Zum Mord an Chris Hani hat er keine politische Meinung. Ob Mandela tatsächlich, wie Stengel schreibt, an George Bush senior seine 'Großzügigkeit' bewundert und von Tony Blair gelernt hat, anderer Meinung als seine Wähler zu sein (S. 243), das wage ich bezweifeln. Stengel scheint die Sprache der Diplomatie wörtlich zu verstehen. Über schwierige politische Themen wie Atomwaffen in Südafrika, das Verhältnis zu Kuba, Kriminalität und ungleiche Eigentumsverhältnisse schreibt Stengel nicht. Das ist nicht weiter schlimm, darüber gibt es andere Bücher.
Als Journalist kann Stengel spannend und verständlich schreiben. Man kann das gut gegliederte Buch also schnell durchlesen. Die Stärke von "'Mandelas Weg"' liegt in der reichen und außergewöhnlichen Persönlichkeit Nelson Mandelas. Hier kann man sich tatsächlich einiges über seinen persönlichen Stil abgucken, wobei alles durch die Brille von Stengel beschrieben wird. Da insbesondere Linke den subjektiven Faktor oft ignorieren, ist diese Konzentration auf das Subjektive eine wertvolle Ergänzung.
Es wäre schön, wenn der Autor noch ein Buch mit kritischen Interviews in der Art des hervorragenden Buchs
Fidel Castro. Mein Leben schriebe. So ließen sich manche offenen Fragen authentisch klären.
Wer jedoch mehr über Südafrikas Weg aus der Apartheid und Fakten über Mandelas Leben erfahren will, liest besser dessen Autobiographie
Der lange Weg zur Freiheit, an dem der gleiche Autor mitgearbeitet hat, dessen Aussagen jedoch von Mandela selbst stammen.
Wer stärker politisch interessiert ist, dem empfehle ich
Der Auftrag: Ein Leben für die Freiheit in Südafrika.