Ein kalifornischer Elektrotechniker der sich für Astrologie, afrikanisches Trommeln, Yoga und Parapsychologie interessiert, im Einklang mit der Natur lebt und sich mit seiner Frau während einer Zeremonie in einem ägyptischen Hathor-Tempel verlobt hat beansprucht mit diesem Buch "Das universale Design der Natur" gefunden zu haben und in die "allgegenwärtige Existenz der heiligen Geometrie des Lebens" einzuführen.
(Dass das Ganze irgendwas mit musikalischen Harmonien und geheimnisvollen Proportionen in Cheopspyramiede oder Taj Mahal zu tun hat - was genau auch immer - und zu irgendwelchen tieferen, beglückenden Erkenntnissen verhilft versteht sich von selbst.)
Dummerweise sind ihm dabei sehr simple geometrische Fehler unterlaufen;
-so ist das Ikosaeder oft (z.B. auf S.95) falsch dargestellt (wenn man senkrecht auf ein Dreieck blickt können die Kanten der drei angrenzenden Dreiecke nicht zusammen ein Dreieck bilden, es ist aber so gezeichnet)
-und auf S.230 wird Dekagon mit Zehnflächner übersetzt.
Ein gutes Licht auf den heiligen Rest des Buches wirft das nicht gerade.
Als Vorlagensammlung für Weihnachtssterne oder als Malbuch für geometrisch interessierte Kinder ist das Buch brauchbar.
Es enthält Schnittbögen für alle Platonischen und Archimedischen Körper (einschließlich der Kepler-Poisot'schen Körper), allerdings ohne angestrichelte Klebekanten - viel Spass beim suchen.
Der Anfang könnte für Fliessen- oder Pflasterleger interessant sein, die nicht wussten wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt regelmäßige n-Ecke miteinander zu kombinieren.
Wer anspruchs- und geistvolle Einführungen in die Raumgeometrie sucht (oder seinen Kindern ästhetische Zeichnungen bieten will, die im Gegensatz zu Schulbüchern neugierig auf Geometrie machen) sollte sich "Zome Geometrie" von Hart/Picciotto und "Platonische und Archimedische Körper, ihre Sternformen und polaren Gebilde" von Adam/Wyss zulegen.
Wenn sich jemand tatsächlich für die "heilige Geometrie des Lebens" interessiert und Freude an esoterischem Gemurmel hat kann ich im "Das Pentagramm und der Goldene Schnitt als Schöpfungsprinzip" von Walther Bühler empfehlen - da müsste man sich aber nicht hübsche Bildchen angucken sondern 500 Seiten lesen - auch das giebt's.