Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Solides Bild, überzeugender Sound, zweckmäßige Extras, aber der Trailer fehlt.
Bild: Bei einem sehr hohen Kontrast entwickelt die Optik eine solide Plastizität. Die Rauschwerte sind gut erträglich und sorgen nicht für ein Übermaß an Unruhe bei großflächigen Motiven (01:35:40, Himmel). Gesichter weisen sanfte Konturenschatten auf, die die Schärfe in ihrer Prägnanz ein wenig hemmen, aber bei guter Bewegungsstabilität, die etwa Kameraflüge sehr geschmeidig abbildet (01.56.20, Flug über Strand), und einer gesunden Farbsättigung eine insgesamt solide optische Performance.
Ton: Soundtechnisch kann die Disc überzeugen. Die Kulisse ist immer lebendig und mit kleinen Effekten angereichert, die für eine recht authentische Ambienz sorgen (00:41:44, im Zug). Das deutsche Stimmvolumen ist genauso, wie das englische dem akustischen Raum angepasst (01.24.20), nur die Songmischung wirkt zuweilen etwas eng (00.00.47) und wenig dynamisch. Der symphonische Score allerdings wird mit sauberer Transparenz abgeliefert.
Extras: Der Kommentar ist teilweise unpassend humorvoll und nicht immer bildspezifisch. Langweilig wird er, wenn er die Handlung erklärt. Die Kommentare der Politexperten sind sehr Amerika-freundlich und daß der Trailer fehlt, führt zu einer Abwertung. --movieman.de
MovieGod.de
Das Bild: Der bei HD-Vorzeigematerial des öfteren wahrnehmbare 3D-Effekt fehlt hier komplett. Trotzdem darf man sich an der guten Schärfe sowie an der fehlerfreien, wenn auch etwas zurückhaltenden Farbwiedergabe freuen. Zu der bei hochauflösenden Filmen bereits mehrmals wahrgenommenen Bildkörnigkeit ist gelegentlich auch Rauschen, vermehrt bei Tageslichtaufnahmen im Freien, erkennbar. Der Kontrastumfang wird ordentlich, aber nicht perfekt ausgenützt. In dunklen Bildbereichen saufen dadurch Details schon mal ab. Ab und an sind Dropouts und minimale Kratzer wahrzunehmen.
Der Ton: Die großen Effekte fehlen zwar, trotzdem bekommt man durch die großzügige Aufteilung der Musik und den gekonnten Geräuscheinsatz einen umfassenden Raumklang serviert. Auch der Tieftöner wird mit Bedacht eingesetzt.
Eine runde Sache.
Die Extras:
- Audiokommentar von Regisseur Jonathan Demme und Drehbuch Co-Autor Daniel Pyne: Profesionell und doch entspannt verhelfen die beiden Herren dem Kommentar zu einem beachtlichen Informationsgehalt. Besonders interessant: Wie Pyne sich einzelne Szenen beim Schreiben vorstellte und wie Demme diese dann tatsächlich umsetzte. Ein bisschen weniger Lobhudelei an die zugegebenermaßen tollen Darsteller hätte aber auch nicht geschadet.
- Making Of (14:05 min., Omu): Der übliche Mix aus Interviews, Filmausschnitten und Szenen vom Dreh. Glücklicherweise recht kurz gehalten, da der Audiokommentar ohnehin schon sehr aussagekräftig ist. Vor allem das Transportieren der Vorlage auf die heutige Zeit sowie die Recherchearbeit werden näher erläutert. Passt.
- Die Darsteller von Der Manchurian Kandidat (11:54 min., OmU): Featurette über die Darsteller und ihre Filmfiguren. Wie zu erwarten wird sich kräftig gegenseitig auf die Schultern geklopft.
Kann man getrost überspringen.
Politik-Experten (10 min., OmU): Beau Siea (Performancekünstler, Poet), Roy Blunt Jr. (Autor, Humorist), Fab 5 Freddy (New Yorker Filmemacher), Anna Daevere Smith (Schauspielerin, Autorin, Künstlerin), Reno (Performancekünstlerin, Autorin, Komödiantin) und Sidney Lumet (Regisseur) unterhalten sich über die (damals) bevorstehenden US-Wahlen. Mit optionalem Audiokommentar versehen.
Daneben gibt es noch zuzätzliche Szenen (Fünf Stück mit optionalem Audiokommentar), geschnittene Szenen (Zwei Stück mit optionalem Audiokommentar), Probeaufnahmen mit Liev Schreiber und den Kinotrailer in HD zu bewundern.
Fazit: Starker Politthriller auf ansehnlicher, wenn auch nicht perfekter HD-DVD.
Michael Eminence Reisner
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
Die Latte lag hoch, da das Original von 1962, unter der Regie von John Frankenheimer als einer der wegweisenden Klassiker des Genres gilt, als Blaupause, an der sich die folgenden Paranoia-Thriller messen lassen mussten (woran nicht wenige scheiterten). Der Kalte-Kriegs-Aufhänger des Vorlageromans von Robert Condon ist heute kalter Kaffee. So galt es für die Drehbuchautoren Daniel Pyne ('Der Anschlag') und Dean Georgaris ('Paycheck'), eine ebenso aktuelle wie plausible Prämisse zu finden. Sie nehmen diese Hürde elegant, indem der Ausgangspunkt der Story vom Koreakrieg in den ersten Golfkrieg verpflanzt wird. In Kuwait geraten Army Captain Ben Marco (Washington) und seine Männer in einen feindlichen Hinterhalt. In dieser Situation profiliert sich Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber) als lebensrettender Held, der dafür mit der höchsten Ehrenmedaille ausgezeichnet wird. Im Amerika der Gegenwart hält Major Marco sein Golfkriegssyndrom mit Medikamenten im Zaum, während Shaw mittlerweile als Kongressabgeordneter tätig ist. Er steht unter der Fuchtel seiner Mutter, der einflussreichen Senatorin Eleanor Shaw (eine glänzende Streep, die souverän auf Hillary hoch zehn macht), die dem Sohnemann skrupellos die Vizepräsidentschaftskandidatur zuschanzt. Als Marco die gleichen Albträume wie ein weiterer alter Kamerad hat, sucht er Shaw auf, um sich Klarheit zu verschaffen. Marco beginnt an Shaws vermeintlichen Heldenmut zu zweifeln und seine zerrüttete Psyche deutet ihm Kidnapping und Gedankenkontrolle mittels Gehirnimplantat an, die selbst den 'Marathon Man' zum Zähne zusammenbeißen bringen würde. Wie im Original entfaltet sich das spannungsreiche Finale bei der Präsidentschaftsnominierung.
Die im Hintergrund die Fäden ziehenden Antagonisten gehören in diesem Fall nicht einem kommunistischem Regime, sondern der multinationalen Firma Manchurian Global an. Sie wollen ihren Einfluss ins Weiße Haus ausweiten. Offenkundig nach Vorbild der Firma Halliburton profitieren sie von ihren Verbindungen zur Regierung. Überhaupt gelingt den Filmemachern eine geradezu gespenstisch anmutende Authentizität bei der Skizze des gegenwärtigen Zeitklimas. Dies umfasst Nachrichteneinblendungen über den Antiterrorkrieg und Nationale Sicherheit, die Diskussion über Diffamierung von Vertretern liberaler Ansichten sowie glatte Politslogans der Kandidaten, die der aktuellen US-Kampagne entnommen sein könnten. Entrüstung, wie sie Michael Moores Enthüllungsdoku 'Fahrenheit 9/11' entgegenschlug, braucht man nicht zu erwarten. Die Partei bleibt im Film clever ungenannt, ist aber als die Demokraten zu erkennen. Neben erzählerischer und technischer Finesse glänzen die schauspielerischen Leistungen von insbesondere Washington und Schreiber. Bei seinem Gang nach Washington deckt Mr. Washington mühelos das emotionale Spektrum von selbstsicherer Autorität hin zu paranoider Verwirrung ab. Schreiber ist ebenfalls hervorragend, wenn er die gegensätzlichen Gefühlsregungen des unterdrückt-verletzlichen Muttersöhnchens, der roboterhaften Mordmaschine und des überheblichen Arroganzlings subtil-effektiv darstellt. Das meisterhafte Original von John Frankenheimer kann Demme zwar nicht übertrumpfen, doch spielt Demme seine Suspense-Karten richtig aus, womit er für volle Häuser sorgen sollte. ara.