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4.0 von 5 Sternen
Geist der Zeit, 4. August 2005
Von Ein Kunde
Amerika ist wieder beunruhigt. Das war damals, in den 50ern und 60ern, schon so. Seinerzeit war es die vermeintliche kommunistische Unterwanderung, und damals entstand "The Manchurian Candidate". Lange Zeit als simpler Tendenzfilm geschmäht, wurde er erst nach langen Jahren als das erkannt, was er ist: ein Hitchcock und Welles nahezu ebenbürtiger, kalter, verstörender Reißer, der in manchen Elementen sogar noch psychotischer ist als der durchgeknallteste Hitchcock. Das Remake kommt natürlich in einer Zeit, in der die USA sich wiederum Sorgen machen über das, was da in der Politik so vorgeht und wer eigentlich die Interessen des Landes vertritt und sie auf globaler Ebene umsetzt. Es sind nicht mehr die Kommunisten, es sind nun gesichtslose Kapitalfonds, die jenseits der Politik agieren, sich diese aber durch manipulative Methoden unterordnen. Jonathan Demmes Film macht keine schlechte Figur. Statt schnell geschnittener Action fast verstörend lange Einstellungen für heutige Gewohnheiten, ein langsames Tempo, stellenweise ein regelrechter Kriechgang. Kaum Mätzchen und hübsches Beiwerk. Das kommt dem Original recht nahe, berücksichtigt man die Veränderung visueller Gewohnheiten. Die Tatsache, daß Shaw nun gleich zum Präsidenten aufgebaut werden soll statt nur zum Attentäter, ist sogar logischer als das Original, jedoch bleiben die psychologische Seite des Manipulierten, seine Mutterbeziehung und seine tragische Liebe weit hinter dem Original zurück und sind nur Schatten dessen, was man 1962 präsentiert bekam. Das reizvolle Spiel mit den hypnotischen Befehlen ist wissenschaftlich heute so nicht mehr haltbar und wurde ersetzt durch Implantate, was den Zeichencode des Stoffs zu seinen Ungunsten verändert. Die Karo-Dame war nun mal ein ziemlich geniales Symbol, das die Thriller-Geschichte steuerte und zugleich die psychoanalytische Ebene darstellte. Demmes Remake ist ein Film zum Geist der Zeit, einer Zeit, in der wieder Unruhe herrscht und die Demokratie sich selbst hinterfragt und vielleicht sogar -eine Utopie- von solchen Einflüssen reinigt.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Irgendwie beängstigend, 18. April 2005
Irgendwie kann ich die schlechten Kritiken nicht wirklich nachvollziehen. Sind wir heute alle schon so vom Popkorn Hollywoodkino versaut worden, das Filme ohne hohen Kawumm-Faktor nix mehr taugen. Haben wir alle nur noch so wenig Phantasie, uns die Handlung in der Realität vorzustellen? Wie haben wir doch alle gelacht, als John Woo in Face Off eine unmöglich scheinende Transplantationsmethode vorstellte, die Dreh- und Angelpunkt der gewaltigen Ballereistory ist. Heute soll es wohl schon möglich sein, Gesichter zu verpflanzen - glaubt man Pressemeldungen. Ich kenne das Original von "Der Mantchurian Kandidat" aus den 60ern nicht (war wohl noch zu jung, um ins Kino zu gehen), aber in der heutigen Zeit sind wir sicher nicht mehr sehr weit weg von der noch hypothetisch anmutenden "Gehirnwäsche" via Minichip. Und das in den USA die Verschwörer in den obersten Etagen und Ämtern zu suchen sind, wenn es um die dicken Profite und Macht geht, ist seit Michael Moores Fahrenheit 9/11 jedem irgendwie bewusst geworden. Insofern läuft es einem schon kalt den Rücken herunter, wenn man sich die Auswirkung der vorgestellte Technologie (an der man vielleicht schon in irgendwelchen Laboren herumbastelt) vorstellt. Ob J. Demme alle seine Möglichkeiten als Regisseur ausgeschöpft hat und ob die Darsteller immer 100% passend agieren, ist Geschmackssache. Ich persönlich finde den Streifen spannend und bis auf den blöden Schluss gut. Es ist auf alle Fälle mutig, die Handlung ohne rasante Action auskommen zu lassen. Oder erwarten wir heute alle nur noch Verschwörungsreisser a la "24", wo die Helden sogar nucleare Katastrophen schadlos überstehen und top fit von den Toten auferstehen?
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16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Amerikaner sind ferngesteuert, 27. Dezember 2005
Nicht, dass das irgendwie etwas Neues wäre, aber wie das in dem Thriller „Der Manchurian Kandidat“, 2004 von Jonathan Demme nochmal umgesetzt wird, ist schon bemerkenswert gut. Kurzer Plot von Prisma-Online: Seit Captain Ben Marco (Denzel Washington) im Golfkrieg gedient hat, wird er von seltsamen Alpträumen geplagt. Als nun zehn Jahre danach seinem einstigen Kameraden Sergeant Raymond Shaw (Liev Schreiber) eine große Karriere in der Politik bevorsteht, mehren sich die Todesfälle unter den Mitgliedern von Marcos Ex-Einheit. Um endlich Klarheit über die Kriegsgeschehnisse zu bekommen, sucht er Shaw in Washington auf und erlebt bald darauf sein blaues Wunder... Es wird ein Sprung in die Gegenwart gemacht. Raymond hat sich unter der Anleitung seiner machtbesessenen Mutter Eleanor (Meryl Streep) mittlerweile dank seiner Vergangenheit als Kriegsheld zu einem der aussichtsreichsten Kandidaten auf das Amt des amerikanischen Vize-Präsidenten gemausert. Mit Bennett Marco hat es das Schicksal in den vergangenen Jahren weniger gut gemeint. Nacht für Nacht plagen ihn seltsame, Furcht einflößende Träume. Die Ärzte des US-Militärs diagnostizieren das Golfkriegs-Syndrom bei ihm und verschreiben ihm kiloweise Antidepressiva. Doch Bennet glaubt nicht an eine psychische Erkrankung. Seine Träume empfindet er als sehr viel realer als seine Erinnerung an jenen Tag in Kuwait. Irgendetwas ist dort mit ihm und seiner Kompanie geschehen. Er ist sich nur nicht sicher was. Fest steht nur, dass dies alles irgendwie im Zusammenhang mit Raymond stehen muss. Marco macht die unheimliche Entdeckung, dass nichts von dem, was er noch vom Golfkrieg zu wissen glaubt, mit der Realität vereinbar zu sein scheint. Dann entdeckt er in seinem Körper einen Microchip der Manchurian Corporation, der für seine verzerrten Erinnerungen verantwortlich zu sein scheint. Als er den Chip dann entfernt, sieht er plötzlich, was im Golfkrieg tatsächlich passierte und wie seine Kameraden ums Leben kamen. Die Wahrheit ist um einiges blutiger, als das, was er bisher zu wissen glaubte und hat mit Heldentum rein gar nichts zu tun. Als er dann bemerkt, dass er nicht der Einzige ist, dem so ein Ding eingepflanzt wurde, wird es so richtig spannend und es beginnt eine äußerst spannende Jagd, nicht nur auf ihn. Amerikaner, durch einen Chip im Hirn ferngesteuert, dass klingt nach der Wiederwahl von Bush eigentlich nicht einmal so utopisch. Jonathan Demme machte sich vor allem zu Beginn der 90er Jahre mit Filmen wie „Das Schweigen der Lämmer“ und „Philadelphia“ einen Namen. Zwischenzeitlich wurde es etwas ruhig um Demme, aber mit Denzel Washington und Meryl Streep in „Der Manchurian Kandidat“ sind ihm ein sehr spannender Film und sein Comeback mehr als gelungen. Ein sehr unterhaltender Film, fast ohne Längen, der mich zu fesseln wusste und von daher auch 10/10 in meiner persönlichen Wertung und eine Kaufempfehlung von mir bekommt.
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