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3.0 von 5 Sternen
Zuviel vom Leben gewollt?, 24. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Manchmal rufe ich in den Himmel (Gebundene Ausgabe)
Das Thema ist berührend; Eierstockkrebs unheilbar. Tamara ist 30 Jahre alt als sie erkrankt, 31 als sie stirbt. Dazwischen liegt dieses Buch, das aber leider viel zu viele Fragen aufwirft, als beantwortet.
Das Buch wurde von 2 Personen geschrieben. Tamara - Journalistin. Sven - wissenschaftlicher Mitarbeiter in der EU/Brüssel. Ich bin vom Stil des Schreibens von Tamara sehr enttäuscht. Sätze, die sich ständig wiederholen, abgehackt, kurz.
Tamara fängt ihr Buch an, um vorallem in Polen das Tabuthema "Krebs" verstehen zu lernen. Sie will Mut machen, allerdings beschreibt sie ihre Erkrankung im Schleudergang. September - Oktober/1 Seite, November/1 Seite, Dezember und Jänner/1 Seite; dann ist es plötzlich Juni und sie gilt als geheilt.
Besonders diese Vorbereitung auf das Buch fand ich verwirrend, nicht aussagekräftig, lieblos. Für eine Journalistin eine eigenartige Art zu Schreiben.
Plötzlich geht das Buch weiter mit dem 14.9.1999 und sie schreibt eine Email. Man fragt sich als Leser. "Wo bin ich? Ist es der Rückfall, wo fängt sie an?" Alles ist durcheinander, man bekommt keinen Zugang zum Buch und zu der Erkrankten.
Der Stil bleibt weiterhin gehetzt. Schlagwörter in Sätze gepresst. Dieses Durcheinander ist nervig. Tamara "5.1.2000"; danach Sven "2.1.2000", danach wieder Tamara "5.1.2000" usw. Ich war knapp davor das Buch aus der Hand zu legen.
Wenn man weiterliest ist die Sache klarer, es sollte ein Zusammenschnitt sein. Ich fragte mich allerdings für was. Sobald man dieses Rätsel gelöst hat und die ersten Seiten "überstanden" hat, geht es flüssig weiter.
Eine große Liebe, ein großer Karrierewunsch, ein großer Familienwunsch. Vielleicht zuviel Wünsche an ein Leben?
Intensive Seiten, voller Schmerz, Hass auf die Krankheit und Bitten an den lieben Gott.
Der Stil und das Buch bleiben gehetzt. Ich hatte allerdings nicht das Gefühl, dass es wegen dem kurzen Leben ist, sondern weil sich Tamara keine Ruhepausen gönnt. Ständig geht in der Wohnung in Brüssel wer Ein und Aus. Familie, Freunde, Bekannte. Trotz Chemo und starker Schmerzen schläft ständig ein Gast auf der Couch. Ist einmal kein Gast da, fährt sie irgendwohin zu Besuch. Kaum Phasen wo Tamara einmal für sich wäre und wenn, dann verfällt sie in tiefe schwere Depressionen.
Auch nicht verstanden habe ich, wie man tatsächlich und auch wirklich nach einer kräftezerrenden Chemo in die Alpen (Frankreich) zum Wandern fahren kann. Das konnte nur schief gehen!
Sie lässt ihrem Körper nie Zeit sich zu erholen, zu regenerieren, zum "Luft holen". Ständig in Bewegung, ständig Termine, ständig gehetzt und neue Karriereideen. Stattdessen werden die Krankenhaus-Termine in den vollen Terminkalender gespresst. Sprachstudien, Reisen, Besuche, Praktikumsanträge, alles ist wichtiger als der Krebs. Sie erkennt zu spät was mit ihr tatsächlich ist.
Sicher man darf sich nicht aufgeben und sollte kämpfen; hier aber war es kein Kampf, sondern eine Ignoranz gegen die Krankheit.
Auch ist in diesem Buch zu wenig von der Therapie beschrieben. Kaum Erklärungen zu einer Untersuchung oder einer OP; keine gegebenen Medikamente kommen zur Sprache. Gerade das finde ich in solchen Büchern so wichtig; vorallem wenn es gerade für andere Menschen geschrieben wird.
Das Buch wirft gegen Ende mehr Fragen auf, als es beantwortet.
Tamara wechselt das Krankenhaus von Brüssel nach Eschweiler. Warum erfährt man nicht. Angeblich kein Vertrauen mehr in die Ärzte, die bis dahin mit Namen und vollen Lobes ständig erwähnt werden.
Von Anfang an leidet Tamara an schweren Depressionen, malt immer schwarz, glaubt nie wirklich an sich. Sie schreibt zwar "ich will leben" um im nächsten Satz zu schreiben "es bringt doch nichts". Wieso wurde nie ein Psychologe zur Seite gestellt?
Tamara hat immer Schmerzen. Die Tabletten helfen nicht. Warum erhielt sie nie eine Schmerztherapie oder eine Schmerzpumpe. Erst die letzten Tage im Krankenhaus kam sie an den Morphin-Tropf.
Wenn Tamara wirklich einmal ohne Besuch zu Hause war, war sie alleine mit ihrem Erbrechen, ihren Schmerzen, ohne Kraft. Wieso wurde keine Pflegerin organisiert oder blieb Sven bei ihr? Sie beteuern sich zwar ständig die gegenseitige Liebe, aber wirkliche Hilfe in Form einer Pflege erhielt sie von Sven nicht. Das soll keine Anklage sein; aber man versteht es einfach nicht, wenn man das Buch liest und man ständig vor Augen hat, wie sehr sie sich lieben und fehlen werden.
Sven hat keinen Führerschein. Der Krankenhauswechsel wird anfangs mit der Bahn (!) durchgezogen, später fährt jeden Tag die Schwiegermutter von Tamara mit ihr die 1,5 Stunden von Brüssel nach Eschweiler und wieder zurück. Selbst lebte sie allerdings nochmals 4 Stunden von Brüssel entfernt.
Die Tagebuch-Aufzeichnungen enden mit Oktober 2000. Danach werden von Sven seitenlange Emails eingebracht, die Tamara noch an ihre Freunde und Familie schrieb. Fast alle sind ident. Entschuldigung, aber ich habe sie seitenweise überblättert.
Kurz vorm Ende findet Sven das Tagebuch und liest es an ihrem Sterbebett, als er kurz einschläft, geht sie für immer.
Für die Familie von Tamara ist es ein Schock, als sie am nächsten Tag vom Tod der Tochter erfahren. Sie wussten nicht (!) wie schlimm es tatsächlich um sie steht. Selbst Sven erfährt es erst 2 Tage vor Tamara's Tod. Auch hier Frage ich mich, wie sehr hat man die Augen verschlossen?
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