ich kann mich noch gut an dieses konzert erinnern. dieter kolbeck beginnt mit dem intro von "elfi" und der georg kommt ganz langsam, vorsichtig, auf die bühne, und ein applaus bricht los, wie ich ihn noch nie gehört habe, der georg musste ihn abwürgen, um singen zu können. es war, als wollten sie ihm für alles danken, für seine lieder, für sein öffentliches auftreten, für sein leben.
"elfi" sang er dann so schmal und gefährdet und durchsichtig, dass ich angst hatte, er würde das konzert nicht überstehen - und gerade deshalb wurde es eine unfassbar gute version dieses liedes. der 13jährige und seine aussichtslose liebe zu einer 21-jährigen prostituierten, die er wie eine heilige anbetet. solche texte kann nur danzer schreiben, alle anderen würden von der kitschpolizei verhaftet. an diesem abend hatte das lied nicht den hauch von nostalgie, sondern es wirkte wie eine metapher: die wunderschöne straßenhure elfi, die er jeden tag sieht und die er trotzdem nicht haben kann, die stand plötzlich nicht für eine kindheitserinnerung, sondern für das leben selbst, das begonnen hatte, ihn zu verlassen.
"von scheibbs bis nebraska" bekam einen ganz ähnlichen ton, eine scharfe wehmut lag da drin.
dann fing er sich, seine stimme bekam kraft, seine körpersprache wurde selbstbewusster, offenbar verlor er sich im konzert (und im beginnenden reigen der duette mit gästen) und vergaß seine situation. und man ließ sich anstecken, vom vergessen. so stark wirkte der künstlerische ausdruck, dass man sich sagte: der kann doch gar nicht sterben. selbst seine freunde, die wussten, wie es um ihn stand, wollten es nicht glauben.
ganz zum schluss, bei "atemzüge", war es dann aber schlagartig klar: hier nimmt einer abschied.
es war dem perfektionisten georg danzer vergönnt, bei seinem letzten großen konzert einen besonders guten abend zu erleben und zu bieten. wie dieser mitschnitt zeigt, war die musikalische darbietung makellos, ungebrochen, lebensstark. seine mitmusiker spielten zum teil entfesselt (ulli baer an der gitarre!), seine gäste - von danzers engem freund christian "beckermmeister" becker bis zu fendrich und ambros - bereicherten die lieder, anstatt in ihnen unterschlupf zu suchen.
zusätzlich zum cd-mitschnitt gibt es hier eine dvd mit einer doku, die danzers sohn andreas rund um das konzert drehte, und die einen eigenartig gelösten, fast heiteren georg danzer zeigen. er war immer ein sehr bewusster mensch, dem selbstmitleid ein greuel war. vermutlich hatte er aufgehört zu kämpfen und beschlossen, sein letztes stadthallenkonzert so intensiv wie möglich zu erleben.
gespenstisch: alle fotos von diesem konzert zeigen einen mann, der ganz weit weg in die ferne zu schauen scheint, mit einem unfassbaren gesichtsausdruck zwsichen schmerz und frieden.
amoi no die sunn.