Der Autor ist Managementprofessor an der Universität Montreal, zudem profilierter Autor und Strategieexperte. Früher unterrichtete er selbst an einer Business School, heute gilt er als scharfer Kritiker der MBA-Ausbildung.
Das Buch trägt den Untertitel mit vollem Recht. Zudem ist die Analyse sehr eingehend und dicht. Deshalb will ich nicht die ein oder andere These herausgreifen, sondern den Tenor der Kritik verdeutlichen: Wie man Management betreibt, lernt man auch heute noch an keiner MBA-Schule. Diese Einrichtungen teilen ein sehr verzerrtes Bild von der Management-Profession. Sie glauben nämlich, dass Management in viele kleine Teile zerlegt werden kann, die dann heißen: Marketing, Finanzen, Produktion, Personal. Aber wer sich durch diese Fächer gearbeitet, also den Lehrstoff gelernt hat, ist noch längst kein Manager. Er hat nur Bücher gelesen und Fakten gelernt, mehr nicht. Sie können gut analysieren und sich auf Basis von Zahlen, Berichten und Auswertungen in kurzer Zeit eine Meinung bilden und eine Entscheidung empfehlen - genau so, wie sie es in der Schule Hunderte Male gemacht haben. Der Nachteil? Sie haben nicht sehen gelernt: MBAs laufen durch den Betrieb, kommen mit Menschen zusammen, aber sie sehen nicht, was sich verändert, was zu tun ist, um das Unternehmen nach vorne zu bringen. Sie bleiben in ihren Analyse-Werkzeugen stecken, die allein auf dem Papier funktionieren. Für Unternehmen eine verheerende Konsequenz, aber auch für den einzelnen und für die Gesellschaft.
Mintzberg gliedert sein Buch in folgende Kapitel, deren Überschriften sehr pointiert gewählt sind:
1 Die falschen Leute
2 Die falschen Methoden
3 Schädliche Folgen I: Die Korrumpierung des Bildungsprozesses
4 Schädliche Folgen II: Die Korrumpierung der Managementpraxis
5 Schädliche Folgen III: Die Korrumpierung gestandener Unternehmen
6 Schädliche Folgen IV: Die Korrumpierung gesellschaftlicher Institutionen
7 Ein neuer MBA-Typ?
8 Managemententwicklung in der Praxis
9 Die Ausbildung praktizierender Manager
10 Die Entwicklung echter Managementschulen.
In dieser kritischen und profund vorgetragenen Kritik an MBA-Programmen geht es zentral um die Frage, wie Manager lernen und welche Bedeutung die Art des Lernens für den einzelnen, für das Unternehmen und für die Gesellschaft hat. Deshalb ist das Buch von unschätzbarem Wert - nicht nur für Management-Development- und Human-Resource-Leiter, sondern tatsächlich für alle, die in unserer Gesellschaft Verantwortung tragen.