...hat es nötig. Robert Musil ist nicht DER Robert Musil (1880 - 1942), der den weltberühmten Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" schrieb, in dem die österreich-ungarische Monarchie am Vorabend des Kriegs sinnbildlich für die Krise der modernen Gesellschaft steht.
Nun ist es nicht schlimm, wenn man wie ein anderer heißt. Aber über DIESEN Robert Musil erfährt man nichts, außer dass er in Wien lebt. Der Versuch der Täuschung ist gewollt. Der Titel ist dem Weltroman entlehnt, die Zwischenüberschriften sind wörtlich übernommen, die Namen der handelnden Personen dem Vorbild entlehnt. Auf dem Rücken des Buches wird Marcel Reich-Ranicki mit den Worten "Literatur ist vor allem ein Spiel" zitiert und der Eindruck erweckt, er hätte es zu diesem Roman gesagt (was garantiert nicht stimmt). Die Täuschung ist also durchgängig gewollt, dient keinem höheren Zweck sondern nur dem Verkauf.
Täuschen wird sich auch der Leser, der erwartet, daß es um einen Manager und um Business geht: Dieser Manager managed nicht, sondern die Titelfigur agiert nur allgemein in der Wirtschaftsszene. Ohne tiefe Änderungen hätte die Figur auch ein Arzt oder ein Priester in der jeweiligen Hierarchiekulisse sein können.
Bis zur Mitte des Buches zweifelt man sogar, ob es sich wirklich um einen Roman handelt und dieser nicht besser Erzählung genannt werden sollte, da die langen, beschreibenden Teile vorherrschen. In der Mitte der Arbeit scheint es dem Autoren aufgefallen zu sein, so daß der Anteil der wörtlichen Rede und der Handlungsszenen sich erhöht.
Wer sich sich trotzdem auf den Manager ohne Eigenschaften einläßt (der wohl sinnbildlich für die Krise der modernen [Wirtschafts-]Gesellschaft stehen soll), der findet zwar kaum Handlung, hat aber vielleicht Spaß an einer interessanten Sprache, an vordergründiger Ironie und grotesken Überlegungen.