Mintzbergs Herangehensweise ist bewundernswert bodenständig. Er begleitet Manager - hier im weitesten Sinne verstanden als Menschen, die in einer Organisation die Arbeit organisieren - und analysiert, was diese wirklich tun. Dabei stellt er fest, dass sie sich kaum je explizit mit Strategie beschäftigen, sondern hauptsächlich mit dem Lösen von ad hoc auftretenden Problemen befasst sind. Das Dreieck von Kunst (Kreativität), Handwerk (Erfahrung) und Wissenschaft (Analyse und Systematisierung) dient Mintzberg zur Systematisierung der von Managern zum Zweck des Problemlösens vollzogenen Handlungen. Immer wieder wird deutlich, wie viele zwischenmenschliche Kontakte inner- und außerhalb der Organisation zu pflegen sind, und wie dem Manager aus diesen Kontakten das Material für seine Tätigkeit zufließt. Es überrascht dabei, dass Mintzberg politische Aspekte des Managerhandelns kaum thematisiert. Diese sind nur zwischen den Zeilen des Analyseteils und etwas prominenter in den im Anhang geschilderten Fällen zu finden.
Jeder, der schon einmal mit Management zu tun hatte, weiß, wie wichtig Politik (Schubert/Klein 2006: jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen") für den Erfolg des Managers ist. Wer kann mit wem? Zu wem hat jemand Vertrauen, wem misstraut jemand? Und warum? Wie reagieren Gesellschafter, Chefs, Kollegen, Mitarbeiter und Kunden auf die persönliche Art, den Stil des Managers? Was tut er, um diese Reaktionen in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken? Was kommt dabei heraus und warum? Wie verhalten sich kurzfristige zu langfristigen Erfolgen? Wie geht der Manager mit narzisstisch motivierten, tatkräftig-erfolgreichen, aber zur Illoyalität neigenden Teammitgliedern um? Wie mit loyalen Minderleistern? Wie mit Zweiflern? Wie mit Jasagern? Welche Mischung braucht ein Team, um vom Manager zum Erfolg geführt werden zu können? Oder: wie muss ein Manager mit einem gegebenen Team umgehen, um das Beste daraus zu machen? Was kann er falsch machen? Welche politischen Fehler kosten Manager am häufigsten den Job, selbst wenn die Organisation gut läuft? Welche politischen Handlungsweisen erhalten Managern den Job auch dann, wenn die Organisation ihre Ziele nicht erfüllt? Würde Mintzberg diese Fragen in der gebührenden Ausführlichkeit systematisch behandeln, verdiente das Buch fünf Sterne. So sind es vier.