Warum wohl verzweifeln viele Kunden am mit schönen und viel versprechenden anglizistisch geschmückten Formulierungen angepriesenen Service für IT-Produkte? Warum wohl verlassen sich viele Kunden immer weniger auf hochglanzbroschürte Ankündigungen bestens organisierter Serviceangebote - rufen Sie an, wir helfen Ihnen sofort und effizient weiter? Weil man als Kunde es leid ist, immer wieder in der Leitung herum zu hängen und Karl Valentins Beispiel des Buchbinders Wanninger erleiden zu müssen.
Guter IT-Service muss nicht viel teuerer sein als schlechter, aber er hilft den guten Ruf einer kundenorientierten Organisation herzustellen und zu wahren - eine Binsenweisheit!
Bevor die Führungsebene einer IT-Serviceorganisation keine eigene Vorstellung von einem Managementsystem entwickelt hat, können Standards ihre Wirkung nicht entfalten." Eine wichtige Prämisse auf der zweiten Seite, hervorgehoben gedruckt, im Vorwort von Bernhard M. Huber verfassten Buches Managementsysteme für IT-Serviceorganisationen Entwicklung und Umsetzung mit EFQM, COBIT, ISO 20000, ITIL", das sich alle Manager, denen ihre IT-Serviceorganisation wirklich am Herzen liegt, recht oft zu Gemüte führen sollten.
Bernhard M. Huber hat keinen dicken Wälzer geschrieben, das Buch ist eher schmal und sein Stil ist schnörkellos, trocken, ja, fast schon staubtrocken. Dafür liest es sich leicht und wie selbstverständlich. Alle Anglizismen, ohne die eine Anleitung zur Optimierung von IT-Organisationen nicht auskommt, sind erklärt. Alle Abkürzungen sind ausgeschrieben und mit Hinweisen auf weiterführende Fachliteratur beziehungsweise auf Internet-Seiten ergänzt.
Konsequent führt Bernhard M. Huber den Leser und die Leserin von Stufe zu Stufe bei der Reorganisation, meist handelt es sich ja um eine völlige Neuorganisation, des Services, beginnend bei der obersten Führungsebene, die den Willen artikulieren muss, Verbesserungen einzuführen, obwohl es bereits scheinbar eine Serviceorganisation gibt und obwohl eine Neuorganisation Geld kostet und vor allem die Bereitschaft, Sprüche wie das haben wir schon immer so gemacht" nicht als Argument gelten zu lassen.
Immer wieder betont Huber, wie wichtig es ist, bei den einzelnen Stufen der Realisierung, nicht nur die Standardregeln zu beachten, sondern bereit zu sein, offene und vertrauensbildende Diskussionen zu führen, Blockaden rechtzeitig zu entdecken und aufzulösen. Viele Mechanismen werden hierfür genannt. Huber vermittelt den Eindruck, es ist alles ganz einfach, und in der Tat, es ist einfach, eine Organisation effizienter zu gestalten. Allerdings ist es offenbar sehr schwierig, althergebrachte Strukturen in Frage zu stellen, dazu bedarf es des ehrlich formulierten Willens.
Der Verfasser dieser Rezension hat früher selbst an Reorganisationen von IT-Service-Leistungen an führender Stelle mitgearbeitet. Er weiß, was es bedeutet, alte Strukturen in Frage zu stellen und wie schwierig es ist, gegen das war schon immer so" anzudiskutieren.
Das Buch hätte ihm damals viel geholfen.