Man merkt sofort: in dem Buch steckt eine ganze Menge Arbeit drin, ein so unübersichtliches und noch dazu sich stürmisch weiterentwickelndes Themengebiet zu strukturieren und verständlich darzustellen.
Es ist für einen ITler allerdings weniger praxisnah, als der Untertitel "Methoden und Werkzeuge für die IT-Praxis" vermuten ließe.
Umfangreiches Literaturverzeichnis, sehr ausführliche Begriffsdefinitionen und historische Rückblicke zeigen, dass die Zielgruppe eher an Universitäten oder in Management-Beratungen zu suchen ist als dort, wo das operative IT-Tagesgeschäft und die IT-Implementierung den Arbeitsschwerpunkt bilden.
Die ausführliche Beschäftigung einem Dutzend unterschiedlicher Modellierungsmethoden und deren grafischer Darstellung ist zwar auf den ersten Blick beeindruckend, letztlich aber doch nur der Beleg, dass es keinen alleinglückseligmachenden Ansatz gibt und man mit der Primitivst-Version (Kästchen und Pfeile) noch am ehesten von alle Beteiligten verstanden werden dürfte.
Bei dem Blick in die Anwendungswelt geht es in erster Linie um ERP-Systeme - Groupware-Systeme a la "Lotus Notes" sucht man vergeblich im Register.
Die Unterscheidung von "Büroapplikation", "Business-Applikation" und "Kommunikations-Applikation" ist ziemlich willkürlich und trennt damit, was dringendst zusammengehört und nicht getrennt werden darf.
Ebenso die Darstellung der Portale: da geht es um Internet-Portale und E-Commerce, aber nicht um unternehmensinterne Portale, also personalisierte Intranets, obwohl gerade hier über den vereinheitlichten Posteingangskorb eine direkte Brücke zum Thema Workflow geschlagen werden könnte.
Neue (Mode-)themen wie "Web 2.0" und "Soziale Software" haben noch keinen Eingang gefunden.
Des weiteren vermisse ich für einen "IT-Praxis" Anspruch umfangreiche Checklisten zur Auswahl eines geeigneten Workflow-Management Systems oder Hinweise, wie man die Brücke vom "Prozesse malen" zum "Programmzeilen schreiben" denn nun konkret überwindet.
Denn das ist der eigentliche Knackpunkt: Die Personengruppe mit Business-Fokus, die Strategieentwicklung und Prozessmanagement betreibt und die andere Personengruppe mit IT-Fokus, die Anwendungsentwicklung und Workflow-Management macht, müssen dringend zueinander finden - zum Wohle des Unternehmens.
In diesem Sinne hilft das Buch, indem es zur Bildung einer gemeinsamen Sprache mit verbindlichen Begrifflichkeiten beiträgt.