Ich bin Software-"architekt" und habe somit wenig betriebswissenschaftliches Grundlagenwissen. Dietmar Finks Buch bot für mich von daher viele interessante neue Einsichten.
Die ersten Kapitel, von Herrn Fink selber geschrieben, überzeugten weitgehend. Einige logische und sachliche Fehler, die ein besseres Lektorat hätte bereinigen müssen, mal beiseite gelassen. Dabei beschreibt er grundlegende Ansätze zur Bewertung von Geschäftsbereichen, die sich alle an einen Ansatz der Boston Consulting Group anlehnen. Diese Artikel sind ausgewogen und gut lesbar. Besonders überzeugt die kritische Würdigung am Ende der Kapitel, die auch auf Probleme dieser Ansätze hinweist. Interessant auch die nachvollziehbare historische Entwicklung der Ansätze.
Leider sind die folgenden Kapitel anscheinend von den Mitarbeitern der Beratungsfirmen selber geschrieben. Sie sind zum einen sehr viel schwieriger zu verstehen (vielleicht gilt dies nicht für Menschen mit einem BWL/MBA Hintergrund). Vor allem jedoch bringen sie natürlich nur die positiven Aspekte. Zwar gleiten die Artikel nicht in reines Marketing-Geblubber ab, aber die fehlende kritische Würdigung und die fehlenden Einordnung in einen Gesamtrahmen führen zu einer Beliebigkeit, die mir das Gefühl gaben unter der sprichwörtlichen Laterne nach einem Schlüssel zu suchen, den ich woanders verloren hatte.
Da Fink max. ein Drittel des Buches mit selbstgeschrieben Inhalt bestreitet, wäre es besser, ihn eher als Herausgeber denn als Autor zu bezeichnen; dies würde auch der Erwartung, ein in sich geschlossenes Buch zu erwerben (und zu lesen) entgegenwirken.
Vielleicht ist das Buch von Fink/Knoblach besser? Ich zögere noch, noch einmal 50 EUR auszugeben.