Die interessanteste Äußerung des ganzen Buchs fand ich bereits im Vorwort Alice Schwarzers. Dort (13) erklärt sie nämlich in griffigen Worten den Unterschied zwischen den beiden feministischen Hauptströmungen:
"Die eine Strömung, das sind die Antibiologistinnen, genannt die Radikalen bzw. Universalistinnen bzw. Gleichheitsfeministinnen. Sie gehen von einer grundsätzlichen Gleichheit der Menschen und damit der Geschlechter aus. Nicht der biologische Unterschied, sondern die sozialen, ökonomischen und politischen Unterschiede sind für sie die Ursache der heutigen Differenz zwischen den Geschlechtern. In dieser Tradition stehen historische Feministinnen (...) - und alle AutorInnen dieses Buches.
Die andere Strömung beruft sich auf den Unterschied der Geschlechter, auf die Differenz. Die Differenzialistinnen halten den Unterschied zwischen Frauen und Männern für unabänderlich; sei es, dass er naturgegeben oder aber, dass er irreversibel geprägt, also quasi genetisch verankert sei. Sie sind für 'Gleichberechtigung' aber gegen 'Gleichheit' und wollen den bestehenden Unterschied nicht aufheben, sondern umwerten."
Die AutorInnen sind Elisabeth Badinter, Genoite Groult, Rita Süssmuth, Sheila Jeffreys, Kathleen Berry, Slavenka Drakulic, Marlene Streeruwitz, Khalida Mesasouide, Mina Ahadi, Gerda Lerner, Rita Thalmann, Obioma Nnaemeka, Fey Weldon, Christina Bergmann, Rosa Logar, Barbara Schaeffler-Hegel, Sonja Bischoff, Sigrid Metz Göckel, Margaret A. Simmons und Kate und Edward Fullbrook, die insgesamt 20 Artikel zu unterschiedlichen Frauenthemen verfasst haben.
Es ist sicherlich interessant zu wissen, dass sich selbst Rita Süssmuth zum antibiologistischen Feminismus bekennt, immer leitete sie von 1985 - 1988 das Bundesfamilienministerium.
Das Bedauerliche ist nun, dass die Grundannahmen des antibiologistischen Feminismus nicht mit der Evolutionstheorie vereinbar sind, was nun mal gar nicht geht. Höhere Lebewesen benötigen zwingend die Geschlechterdifferenz (mit durchschnittlich voneinander abweichenden Rollenmustern), um sich fortlaufend weiterentwickeln zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass der Differenzfeminismus nicht selten durchaus starke kreationistische Wurzeln besitzt (Adam und Eva als Gottes Geschöpfe). All dies zeigt, dass ein moderner Feminismus eigentlich auch ein modernes und wissenschaftlich gestütztes theoretisches Fundament benötigt, welches zurzeit jedoch nicht in Sicht ist, denn dafür müsste man sich zunächst u. a. von einigen Aussagen Simone de Beauvoirs trennen, die heute so nicht mehr haltbar sind.
Die meisten Artikel schienen mir in erster Linie politisch motiviert zu sein. Zum 50. Geburtstag des bedeutendsten theoretischen Grundsatzwerkes des Feminismus hätte man eigentlich etwas mehr erwarten dürfen.