Nachdem ich schon einige der deutsch-spanischen Sprachbetrachtungen von André Höchemer gelesen hatte, die über die Jahre als Kolumne in den Costa-Blanca-Nachrichten erschienen sind, habe ich mich sehr gefreut, die gesammelten Texte jetzt in einem Band wiederzufinden.
Zwar lebe ich in Deutschland und stehe noch ziemlich am Anfang meiner "spanischen Sprachlern-Karriere", aber das stört bei der Lektüre dieser so informativen wie unterhaltsamen Sprachglosse überhaupt nicht. Wahrscheinlich gibt es für deutsche Leser, die schon seit Jahren in Spanien leben, tatsächlich noch mehr Wiedererkennungsmomente, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sich das Buch ausschließlich an diese Leserschaft richtet.
Im Gegenteil: André Höchemer führt mit viel Sprachgefühl, Witz, Beobachtungsgabe und Einblick in Kultur und Gepflogenheiten der beiden Länder Alltagssituationen vor Augen, die allen bekannt vorkommen dürften. Jeder Sprachinteressierte kennt wohl das Gefühl, wenn man sich plötzlich fragt, wie dieses verzwickte Sprachbild oder jene merkwürdige Redensart wohl in der anderen Sprache ausgedrückt werden würden - und warum überhaupt so und nicht anders? Hier setzt Höchemer an und springt dabei zwischen beiden Ländern hin und her, mäandert durch (Sprach-)Geschichte, Pop-Kultur und persönliche Erinnerungen, aber verliert dabei nie das ursprüngliche Thema aus den Augen. Meistens passiert das sehr amüsant und immer äußerst erhellend. Man merkt einfach, dass der Autor seine neue Heimat Spanien liebt und uns an seiner Faszination für sprachliche und kulturelle Phänomene, Kuriositäten und Untiefen teilhaben lassen möchte.
Ich bin von "Man spricht Spanisch!" sehr angetan - das Buch macht Lust auf den nächsten Spanienurlaub, motiviert Sprachlernende über die Durststrecken der vhs-Winterpause hinweg, öffnet den Horizont und hilft beim Verständnis von Land und Leuten. Die kurzweiligen Kapitel lassen sich häppchenweise genießen, sehr praktisch auf dem Weg zur Arbeit oder im Wartezimmer. Wer den Zwiebelfisch auf SPON mag und sich darüber hinaus für die spanische Sprache und Kultur interessiert, wird sicher auch an André Höchemers bilateralen Sprachbeobachtungen seine Freude haben. Doch geht es hier weniger darum, mit erhobenen Zeigefinger grammatische Stolperfallen und Stilblüten zu beleuchten - eine Abhandlung über dem Dativ sucht man vergebens, vermisst man aber auch nicht, wie ich finde.
Ein halbes Sternchen müsste ich bei meiner Bewertung eigentlich abziehen - wenn das ginge - weil ich mich über weiterführende Lektüretipps und Links sehr gefreut hätte. Hilfreich wäre vielleicht auch ein thematisch geordnetes Inhaltsverzeichnis gewesen, das dem Leser ermöglicht, sich gezielt seine Interessengebiete herauszusuchen. Zwar lassen die Kapitelüberschriften meistens erahnen, worum es geht, aber eben nicht immer.
Das sind aber Kleinigkeiten, die den Lesegenuss nicht wirklich trüben und mich nicht von einer wärmsten Empfehlung abhalten.