... und das sage ich nicht einfach so. Ich habe in meinem Leben über 300 Filme gesehen. Gute, schlechte, berührende, witzige, tragische, geniale.
Und dann kam "Man muss mich nicht lieben". Und als der Abspann lief wusste ich, dass es einer der besten, wenn nicht sogar DER beste Film war, den ich je gesehen habe.
Worum geht's? Um einen Mann, der in einem Leben gefangen ist, das er nicht ausstehen kann, aber keinen Ausweg daraus sieht. Er leitet den Familienbetrieb, wo er als Gerichtsvollzieher arbeitet. Obwohl er eigentlich nicht fies ist. Er besucht jeden Sonntag seinen Vater im Altersheim, erträgt geduldig die Launen des senilen Patriarchen und spielt mit ihm Monopoly. Obwohl er seinen Vater nicht ausstehen kann, weil er ihm nie Liebe und Zuneigung entgegengebracht hat. Und das Liebesleben des Mannes gleicht eher dem einer Mumie - nämlich angestaubt und praktisch nicht vorhanden.
Alles ändert sich schlagartig, als er eines Tages mit gesundheitlichen Problemen zum Arzt kommt und der ihm Bewegung verschreibt, aber bitte schön schonende Bewegung. Der Mann entschließt sich, sich zum Tangokurs anzumelden. Die Tanzschule liegt gleich gegenüber seinem Büro und er hat die Tänzer schon oft beobachtet. Nach den ersten zaghaften Schritten stellt sich heraus, dass er ein durchaus talentierter und sensibler Tänzer ist! Und dann trifft er in diesem Tanzkurs eine junge Frau ...
Der Film hätte ein einziges Klischee werden können, wäre da nicht ein geniales Drehbuch und ein noch genialerer Regisseur. Er stellt das vielleicht-vielleicht-aber-auch-nicht-Liebespaar zwar in den Mittelpunkt, umschifft es aber dennoch elegant, sich nur auf sie zu konzentrieren und alle anderen Charaktere zu simplen Nebenfiguren zu degradieren. Hier werden alle Schicksale beachtet, von dem lästigen Lover bis hin zur lebensweisen Sekretärin. Und schließlich ist der Film voller schöner Überraschungen, bei denen man als Zuschauer nur staunt und genießt.
Am Schönsten fand ich an diesem Film aber seine Stille und Anmut. Während andere Liebesgeschichten viel Tamtam und Bombastik brauchen, widmet sich dieser Film den leisen (Zwischen-)Tönen. Die beiden Protagonisten kommen sich mit Blicken, Bewegungen und Berührungen, weniger mit Worten näher. Und gerade diese Stille ist eine Wohltat für den Zuschauer.
Ein abschließendes großes Kompliment an die beiden Hauptdarsteller. Patrick Chesnais spielt den verschlossenen Protagonisten mit einer Prise Ironie und ohne es vielleicht zu wollen, erobert er ganz heimlich, still und leise alle Herzen. Anne Cosigny ist einfach nur bezaubernd als seine Eroberung, berührt tief unter der Haut und ist wunderschön.
Fazit: Am Liebsten zehn Sterne für diesen wunderbaren, leisen, kleinen großen Film. Und ich möchte ihn unbedingt weiterempfehlen, an alle, die sich mal wieder von der Magie des Films verzaubern lassen wollen.