Norman Schwarzkopf, kommandierender General a.d. des "Central Command" (Militärregion Weltmitte), in dem Saddam Hussein 1991 vernichtend geschlagen wurde, erzählt in seinem 1992 verlegten Buch über seine Laufbahn beim US- Militär und den Golfkrieg.
Während Großvater Schwarzkopf aus Deutschland auswanderte, um nicht zum Militär zu müssen, so waren dessen Vater und er selbst Berufssoldaten.
Schwarzkopf lässt sein Berufsleben Revue passieren - und das Buch wäre weit weniger Interessant, ginge es nicht eigentlich nur um eines:
Den Golfkrieg von 1991.
Schwarzkopf beschreibt das Zusammenspiel zwischen Armeen, Diplomaten und seinem politischen Vorgesetzten.
Kleine Anekdoten (wie etwa Japan die Operation Dessert Storm vor dem Bankrott rettet) geben dem Buch Würze, ohne es zu einem reinem Tagebuch eines Krieges werden zu lassen.
Der Bericht über Dessert Shield und Dessert Storm ist präzise abgefasst, wenn auch teilweise durch dessen Fülle etwas ermüdend.
Obwohl sich der Autor merklich zurückgehalten hat, ist die Wut darüber, kurz vor Bagdad gestoppt worden zu sein, offensichtlich.
Nun, damals war der Generalstabschef ein Collin Powell, der Präsident Herbert Walker Bush.
Wie sich doch die Zeiten ändern...
Bezeichnend ist, dass obwohl der General mit dem wohl wenigsten (eigenen Toten) bei einer völligen Niederlage des Feindes
seit den Zeiten Heinrichs V. von England der letzte, fünfte Stern, verweigert wurde.
Hier hat wohl jemand die deutliche Kritik eines Untergebenen nicht gefallen.
Überraschend auch, wie offen Schwarzkopf über die Probleme innerhalb der eigenen Armee berichtet. Dieses Buch heroisiert nicht, wenn auch die Ansichten des Generals - etwa zum Vietnamkrieg - für mich so nicht nachvollziehbar sind.
Auf dem Buchrücken ist vermerkt, "Rückhaltlos offen, provokativ und nachdenklich zugleich"- dem kann ich zustimmen.
Auch und gerade kurz vor dem nächsten Golfkrieg ein überraschendes Buch mit größerer Bedeutung, als 1992 (bei Drucklegung) zu erwarten war.