Das Warten hat sich gelohnt. Und wie. Auf ca. 300 Seiten taucht Joseph Vogel in die Tiefe (und dabei meine ich keineswegs Abgründe) von Michael Jacksons Solowerk ein. Was macht Vogels Werk so besonders, so einmalig? Joseph Vogel ist der erste, der angestrebt und es geschafft hat, das Werk von Michael Jackson in einer Gesamtheit, Tiefe und Komplexität aufzuzeigen und zu analysieren, wie es sich jeder Musik- und Michael Jackson Fan nur wünschen konnte. Dass er dabei aufwendige Recherchearbeiten betrieben hat, zeigt sich in jedem einzelnen Absatz. Nur schon die 30-seitige Einleitung ist ein Prunkstück. Nach der Einleitung widmet sich Joseph Vogel im Detail den einzelen Soloalben (ab "Off the Wall"). Dabei befasst er sich am Anfang eines jeden Kapitels zuerst über mehrere Seiten (bei "Thriller" zum Beispiel sind es 24, bei "Dangerous" 20 und bei "HIStory" 18 Seiten) mit dem zeitgenössischen politischen, musikalischen, gesellschaftlichen, soziokulturellen sowie, wenn anwendbar, mit dem wirtschaftlichen Umfeld der Musikbranche insgesamt. Hinzu kommt eine eingehene Betrachtung von Michaels Werk in Bezug auf dessen persönliches Umfeld zu jener Zeit und wie sich dieses auf die einzelnen Songs und das Album als Ganzes, inklusive den Mix, ausgewirkt hat. Allein schon diese tiefgründige Einführung und Betrachtung jedes Albums ist wertvoll und bisher einzigartig. Nach der Einführung folgt jeweils eine detaillierte und nicht minder interessante Analyse jedes einzelnen Albumsongs. Diese Abschnitte nehmen ebenfalls Bezug auf allfällige Videos und Kurzfilme sowie einzelne Reaktionen von Musikkritikern und stützen sich auf interessantes Hintergrundmaterial sowie unterhaltsame Anekdoten von Produzenten, Soundmixern und sonstigen Personen, die einmal oder über Jahre und Alben hinweg mit Michael zusammen gearbeitet haben und die sich bisher nie oder nicht gross geäussert haben (z.B. Bill Bottrell und Brad Buxer). Zu betonen sei auch, dass Joseph Vogel nicht nur ein inhaltlich wertvolles Buch geschrieben hat, sondern es auch wunderschön zu lesen ist. Auch die Anekdoten sind nicht einfach nur technischer Art oder trocken erzählt. Man spürt durchs gesamte Buch hindurch, dass Joseph Vogel jeden Abschnitt mit Leidenschaft, Engagement, Expertise und Bewunderung geschrieben hat, ohne dabei seine Aufgabe als Musikkritiker und -historiker jemals aus den Augen zu verlieren.
Joseph Vogel führt einen über 300 Seiten hinweg in eine andere, bisher noch nie in diesem Umfang und dieser Komplexität dargestellte Welt von Michael Jacksons Werk. Und das neu erlangte Wissen über diese Welt bereichert einen in unvorhergesehenem Ausmass. Man hört nachher jedes Album und jeden Song mit (sozusagen) einem neuem Ohr. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Auch Songs, die ich von Anfang an weniger mochte bzw. die mir weniger zusagten oder Songs, die ich weniger oft angehört hatte, habe ich mir nachher oder manchmal schon während des entsprechenden Kapitels neu angehört und Vogels Ausführungen haben es geschafft, eine Brücke zwischen meiner anfänglichen Distanz und dem betreffenden Song zu schaffen, so dass ich nun auch zu diesen Liedern Zugang gefunden habe. Joseph Vogel hat hier ein ganz besonderes Buch geschrieben. Es den heiligen Gral in Bezug auf Michael Jacksons Werk zu nennen, wäre vielleicht ein bisschen zu viel, aber es kommt dem doch sehr nah.