Obwohl Bryan Ferry sich recht bald nach der Beendigung seiner Welttournee Ende der 80er Jahre wieder ins Aufnahmestudio zurückzog, benötigte er für sein nächstes Album mit Eigenkompositionen lange, künstlerisch schmerzvolle Jahre. Der introvertierte Sänger verirrte sich in der Vielfalt der Klänge, die ihm ein Studio mit 56 Tonspuren aufzunehmen erlaubte. Um Abstand zu gewinnen, drehte er, wie er es nannte, "the canvas to the wall" und widmete sich 1992 stattdessen einem weiteren Album mit Reinterpretationen von Fremdkompositionen, das unter dem Titel "Taxi" dann auch 1993 erschien. Hiernach machte sich Ferry wieder mit frischem Elan an die Eigenkompositionen, fügte neuere Stücke hinzu und bearbeitete die älteren Aufnahmen. Herausgekommen ist ein einzigartiges, äußerst komplexes, atmosphärisches Album voller impressionistischer instrumentaler Details, inmitten derer sich Ferrys hier besonders klagend klingende Stimme bewegt. Die dichten, diffusen Texte lassen der Interpretation Spielraum, die Songs selbst sind oft auf wenige sich wiederholende Akkorde reduziert. Die Komplexität liegt trotz der relativ durchgehenden Präsenz rhythmischer Muster in den verwobenen sphärischen Details, z. B. Gitarren- oder Keyboardklängen, die man erst nach vermehrtem genauen Hören vernimmt. Dabei sind einige zutiefst bewegende Songs entstanden, die m. E. zu Ferrys besten Werken zählen - "Your Painted Smile", "Mamouna" oder "Which Way to Turn". Eine weitere spannende Facette gewinnt die CD zudem durch das Mitwirken des Ambient-Meisters Brian Eno auf acht der zehn Songs - die erste Zusammenarbeit von Ferry und Eno, seitdem letzterer 1973 Roxy Music verließ. Eno steuert klangliche Effekte und Manipulationen bei, die vielen Stücken ein noch exzentrischeres, dabei aber nie allzu schrilles Klangbild verleihen. Des weiteren haben die Roxy-Music-Mitglieder Andy Mackay und Phil Manzanera auf je zwei Songs mitgespielt - auch sie sind freilich in den dichten Klangteppich eingebettet. Kurzum: Diejenigen, die Bryan Ferry seiner Chart-Hits wie "Let's Stick Together" wegen gerne hören, werden hier vermutlich wenige bis keine Party-Kracher entdecken. Wer allerdings ein schwebendes, hypnotisches, oft kryptisches, sehr dichtes und homogenes Album mit melancholischer dunkler Popmusik (im stark erweiterten Sinne) erleben möchte, kann in "Mamouna", einem Album, das dem Künstler viel Energie abverlangt hat, ein faszinierendes Werk entdecken.