Insgesamt kann ich dies Buch eigentlich nur "Schnell-Lesern" empfehlen, denen umfangreiche Wiederholungen nichts ausmachen. Dabei bietet es durchaus interessante Denkansätze und einige Referenzen zum Thema Evolutionspsychologie. Streckenweise ist es aber auch polemisch (gegen andere Theorien) oder (durch hanebüchene Argumentationen) unfreiwillig komisch.
Bereits der deutsche Untertitel wird dem Buch nicht gerecht: Es geht dem Autor offenbar nicht darum zu zeigen, "wie das Erbe der Evolution unser Denken und Verhalten prägt", sondern darum, jede, aber auch wirklich jede Entwicklung der Menschheit durch ihre (evolutionär entstandene) Kooperationsfähigkeit zu erklären. Zum Teil ist Allmans Argumentation recht überzeugend, an anderer Stelle kann man sie allerdings nur als an den Haaren herbeigezerrt bezeichnen. Wie er "zeigt", dass die Entstehung des Ackerbaus auf zufällig am Lagerfeuer herabgefallene Körner zurückzuführen sei, entbehrt zum Beispiel wirklich nicht der Komik! Ein bewusstes Beobachten oder kreatives Ausprobieren der Frühmenschen kommt ihm anscheinend nicht in den Sinn.
Wirklich ärgerlich sind allerdings Allmans Postulierungen "plötzlicher" Ereignisse in der Menschheitsgeschichte. Da wird nicht nur mittels eines Feuersteinblocks gleich "die Zukunft" an sich erfunden (zusammen mit der Vorratshaltung), sondern es beginnen unsere Vorfahren auch "urplötzlich" vor 40.000 Jahren, Schmuck anzufertigen, und zwar aus keinem geringeren Grund als der Herstellung von Rangabzeichen (die nun "plötzlich" wichtig sind, da die Gruppen in den eiszeitlichen Höhlen enger zusammenrücken). Kann es nicht auch sein, dass die Menschen der Eiszeit aufgrund der langen Winter einfach viel Zeit "drinnen" verbringen mussten und z.B. im Schnitzen von Schmuck eine (soziale) Möglichkeit des Zeitvertreibs fanden? Ich behaupte ja nicht, dass dies die beste Erklärung ist, aber wird eine Behauptung richtiger, wenn sie auf möglichst verschlungenen Pfaden begründet wird, damit sie nur ja ins Konzept passt? Ich glaube nicht.
Obwohl das Buch streckenweise durchaus interessant und aufschlussreich zu lesen ist, erscheint es mir doch recht aufgebläht. Von Kapitel zu Kapitel wiederholt sich der Autor immer wieder, was auf die Dauer entnervend wirkt. Glaubt er, das Gedächtnis des Leser beschränke sich auf ein Kapitel? 50% weniger hätten dem Buch gut getan. Außerdem ist der Gedankengang mitunter ohne klare Linie, so dass der Eindruck entsteht, als wisse der Autor selber nicht, wohin der den Leser führen will.