Nachdem das Partnerbuch "Mammoth Book of Erotic Women" bei einer meiner letzten Bestellungen als ausverkauft markiert gemeldet wurde, war ich überrascht, es jetzt wieder vorzufinden. Es wurde zusammen mit diesem Titel im Paket angeboten. Dieses bestellte ich.
Nachdem ich nun "TMBOEP" durchgeblättert habe, bleibt ein schaler Nachgeschmack bei mir zurück. Ich befasse mich seit mehr als 20 Jahren mit der Photographie und meine, in Grundzügen etwas davon zu verstehen.
Für mich hat das Buch ein zu kleines Format (kleiner als DIN A5) - es geht in die Richtung der Kleinausgabe des Katalogs eines bekannten, großen Versandhauses. Für Bildbände scheint mir das generell zu klein zu sein, da gerade Bildpräsentationen davon leben, dass man sich visuell etwas in den Bildern aufhalten und den Blick verweilen und schweifen lassen kann.
Leider werden auch hier teilweise wieder mehrere Bilder auf einer Seite angeordnet und gezeigt, so dass manches Bild nurmehr in Bewerbungsbildgröße präsentiert werden kann. Hätte man sich entschieden, ein paar Bilder aus der Anthologie herauszulassen und dafür die restlichen als ganzseitige Drucke anzubieten, hätte der Band - in meinen Augen - deutlich gewonnen. Manche der Bilder sind in noch 4,5 x 7,0 qcm "Größe" abgedruckt, andere messen - ohne besondere Not oder technische Begündung - 6,5 x 6,0 qcm und bringen dann leider viel freien Raum ringsum auf der Seite mit. Hier hätte man - vor dem Hintergrund des sowieso nicht zu üppigen Seitenformats - gern etwas großzügiger sein können.
Wenige Tonungen in Grün, Rot und Gold der durchgängig monochromen Bilder haben ebenfalls ihren Weg ins Buch gefunden.
Zur Kritik der Monotonie: Mir liegt das Augenmerk zu sehr auf sekundären und primären Geschlechtsmerkmalen. Natürlich bleibt das bei der Vielzahl der in dem Band versammelten Photographierenden nicht aus. Wenn 78 Menschen jeweils auch nur ein "spannendes" (z.B. "Torso, nackt, frontal") Bild gemacht und beigesteuert haben, sieht man in dem Band eben 78 mal ein gleiches Thema ("Thema con variazioni"). Hier wäre es schön gewesen, hätten die Editierenden darauf geachtet, Abwechslung hineinzubringen.
Das Papier des leimgebundenen Buches ist von akzeptabler Qualität, es ist feinporig und glatt. Die großen, schwarzen Flächen sind nicht so sehr fingerabdruckempfindlich, wie es bei manch anderem Buch der Fall ist; die Baumwollhandschuhe können also mit ruhigem Gewissen im Schrank gelassen werden.
Das Druckraster ist leider nicht immer so fein, wie es die "Größe" der gezeigten Bilder erfordert hätte, jedoch noch ausreichend.
Manchen der Bilder sieht man an, dass im Nachgang zur Erstellung zu viel an Bilddaten mit zu wenig "Luft" manipuliert wurde, um Tonwertausgleiche zu erstellen. Grisselige Säume und seltsam unnatürliche Tonwertverläufe auf schattierter Haut sind - neben matschigen, flauen Bildern - die Folge zu ambitionierter Bitschubserei.
Manche Bilder werden mit zu hohem Kontrast präsentiert - hier sollten, in den Originalen, wohl besonders reizvolle Körperpartien im Schatten liegen so dass man sie gerade eben mit etwas Mühe noch erahnen kann, ohne im Schwarz abzusaufen. Leider gelingt das im Druck nicht immer.
Das kleine Wiedergabeformat bedingt auch hier einen Verlust an möglicher Dynamik / möglichen Details / zu erreichender Qualität.
Bei einigen Photographen kann ich mit den gezeigten Bildern rein gar nichts anfangen, weil ich keine Verbindung zu deren Stil finde und er in mir nichts anklingen lässt. Verwaschene, verschwommene, schemenhafte Umrisse von Körpern in Bewegung sind - für mich - nichts, was ich unter erotischer Photographie einsortierte.
Ab und an hatte ich den Eindruck, dass man primär bemüht sei, Kreativtechniken bei der Ausarbeitung der Bilder (Pinselentwicklung, nachträglich vergrößerte Kontaktabzüge von KB-Film; die Randperforation ist noch in Teilen zu sehen) anzuwenden und zu zeigen, statt sich auf die Motive zu konzentrieren.
Manches Bild wirkt wie das eines Anfängers und gelegentlich frage ich mich, ob die vom Bildautor begangene Regelverletzung bei der Gestaltung wirklich im vollen Umfang beabsichtigt war.
Aus der erdrückenden Zahl von Bildern sind für mich vielleicht 20 oder 30 übrig geblieben, die mich ansprechen, die ich als Inspiration berücksichtigen wollen würde. Fünf bis 10 von diesen hätte ich gern in deutlich größerem Format vorliegen.
Lichtblicke waren für mich die Bilder von Philippe Baud, Bob Carlos Clarke (der auch das Titelbild stellt), Craig Morey, Mick Payton, Housk Randall (eine Reihe schöner (Akt)Portraits), Kevin Roberts, Julie Strain, Roy Stuart, Roger Tassin, Tony Ward und Trevor Watson; vielleicht bin ich aber auch von meinem ästhetischen Empfinden zu sehr im Mainstream verhaftet.
Ein Band dieses Umfanges (78 Bildschaffende, 480 Seiten) kann allerdings vermutlich unmöglich immer allen gefallen.
Ich möchte ihn nicht ausdrücklich empfehlen, kann aber auch nicht davor warnen. Der Preis und die gebotene Leistung korrelieren für mich noch in akzeptablem Rahmen, weswegen ich drei Sterne vergebe.
Die Begeisterung, die in der vorigen Rezension zum Ausdruck kommt, kann ich leider nicht teilen.
Ein Format von mindestens A4, weniger Bilder und 5 bis 10 Euro mehr für das Buch und ich hätte mehr Spaß an dem Werk gehabt.