Um's gleich vorweg zu sagen: Das Buch war für mich absolut enttäuschend, obwohl ich mir nach Inhaltsangabe und guten Kritiken viel versprach.
Zum Inhalt: Die Heldin des Buches, Cheng, kommt aus Singapur und studiert in Oxford. Sie erhält vom weltgrößten, mächtigsten Konzern („Mammon") ein Jobangebot „das sie nicht ablehnen kann", denn es verspricht Geld und Prestige ohne Limit. Der Job: Menschen in einer fremden Kultur so anzupassen, dass sie sich in die jeweiligen „oberen Zehntausend" einfügen.
Es gibt zwei Haken: 1. Cheng will lieber Assistentin bei ihrem Professor werden - der sie außerdem vor der „Seelenfängerei" von Mammon warnt. Als Assistentin würde sie kaum Geld verdienen. Ihre arme chinesische Familie erwartet jedoch zwingend, dass sie finanziell von Cheng unterstützt wird. 2. Um den Job zu bekommen, muss Cheng 3 Prüfungen ablegen: Zunächst soll sie beweisen, dass sie sich selbst anpassen kann (= einschmuggeln in DEN New Yorker Insider-Club). Dann soll sie ihre Singapurer Schwester als akzeptiertes Mitglied in Oxford „einpassen". Und schließlich ihren besten englischen Freund in Singapur zum Chinesen umformen. Ihre engsten Beziehungen mit der Firma zu verknüpfen, widerstrebt Cheng, hauptsächlich wegen den Erwartungen ihrer Familie tut sie es dann doch.
Meiner Meinung nach kann so eine Geschichte entweder spannend heruntergeschrieben werden. Oder es gibt eine „psychologische Charakterstudie" mit philosophischem Einschlag. Laut Klappentext soll es ja eine Geschichte von "faust'schem Ausmaß" sein. Das trifft in keiner Form zu. Das Buch ist trotz der guten Ausgangsidee extrem unspannend und platt geschrieben. Zudem kommen immer wieder ellenlange Exkurse über die von Cheng angestrebte Tätigkeit bei ihrem Professer. Hier geht es um alte lateinische Schriften eines sog. „Mystikers". Ermüdend - auch wenn hier überdeutlich der Kontrast zum schnöden „Mammon" herausgearbeitet werden soll. Zwischendurch ein Kapitel lang eine „Erweckungsgeschichte" von Cheng erzählt, ihre Bekehrung zum Christentum. Auch damit konnte ich nicht viel anfangen. Gerade, weil alle Charaktere platt wie Abziehbilder bleiben, wirkt die „Erweckungsgeschichte" wie ein unmotivierter Fremdkörper. Noch dazu gibt es inhaltlich immer wieder logische Lücken, Fehler oder Widersprüche: die Erweckungsgeschichte passt z.B. gar nicht zum Ende des Buches. Noch ein Beispiel (wer das Buch trotzdem haben will, die nächsten 2 Sätze nicht lesen!)
So wird eingangs gesagt, Cheng müsse alle drei Prüfungen bestehen. Wie das Bestehen der ersten überhaupt bewiesen wird, steht nirgendwo. Die zweite ist erfolglos. Meiner Meinung nach wäre nun "Ende", stattdessen geht es ohne jede Erklärung weiter.
Je weiter das Buch fortschreitet, desto theoretischer wird es. Plötzlich werden seitenlang Singapurer Sagen, Geschichten und Bräuche erklärt. Der Teil, in dem es um Singapur geht, wird viel ausführlicher, liebevoller und genauer, beschrieben als der Teil über die englischen Charakteristika. Dort werden nur langatmige Wettergespräche und der angebliche Snobismus der Briten abgehandelt.
Die Schreiberin wirkt auf mich sehr unreif. Das Buch ist hauptsächlich in wörtlicher Rede geschrieben. Ingesamt kam mir der Roman eckig, holprig, unentschlossen und unharmonisch komponiert vor. Das einzig Positive: kurze Stellen, die amüsante Beobachtungen enthalten (z.B. die New Yorker „Szene"). In einigen Zeitschriften wurde auf "literarische" Anspielungen im Buch verwiesen. Ob es wirklich um „Hochliteratur" geht, sei dahingestellt. Ich glaube ausgemacht zu haben "Die Firma", „Bridget Jones", „Generation X". Eine „Bridget Jones" Passage zog sich über gut 5 Seiten hin, war aber nicht annähernd so spritzig und wirkte darum langatmig und irritierend.
Zum Abschluss etwas Positives: Meiner Ansicht nach ist das Buch höchstens empfehlenswert für jemand, der China, insbesondere Singapur schon bereist hat. Der könnte vielleicht an manchen Stellen „ja genau" sagen....