Bei vielen Fans gilt Erykah Badu`s zweites Studioalbum „Mama`s gun" als der Ausrutscher in ihrer Discographie. Festzuhalten bleibt jedoch eine Tatsache, die einigen Anhängern der Queen of Soul wohl entgangen sein dürfte: Dieses Album ist Erykah Badu!
Ihr gesamtes Repertoire ist auf diesem einzigartigen und unvergesslichen 70 Minuten verewigt, und die Bandbreite ihrer scheinbar unerschöpflichen Ausdrucksmittel- und formen ist ebenso erstaunlich, wie unwiderstehlich. Die ausgereiften, zuckersüßen Melodien legen sich einem auf Anhieb zu Füßen, unter denen ihre hinreißend-verführerischen Vocals den roten Teppich zum Tempel der akustischen Genüsse ausrollen, um den verzauberten Hörer anschließend wieder betört und willenlos in die Realität zu entlassen, der man selten zuvor so kompromisslos, und ohne einen Funken von Reue zu verspüren, entrücken konnte.
Um sich klar auszudrücken: es gibt auf dieser Platte alles was man von Erykah Badu erwartet (Soul, Hip-hop, R'nB, Jazz), und noch vieles mehr („Penitentiary Philosophy" als ambitionierte Rocknummer, oder das verlockende „Kiss me on my neck", auf dem Badu so sexy wie niemals zuvor klingt). „Mama`s gun" ist gefüllt mit Poesie, Power, und Phantasie, was sich sowohl in der ausgefeilten, aber keinesfalls aufdringlichen Instrumentalisierung, als auch in den leidenschaftlichen und ausdrucksstarken Vocals niederschlägt, woraus man durchaus einen Reifeprozess der Sängerin aus Texas ableiten kann.
Badu schmachtet („kiss me on my neck") und groovt („on & on", „bag lady"), sie entfacht („Penitentiary Philosophy") und träumt („Orange moon"), und verdrängt hierbei alle Ansprüche und Forderungen, mit denen sie nach ihrem Debütalbum konfrontiert wurde, in das Jammertal der Schubladen-Denker.
Denn eines gelingt der Künstlerin in dieser wahnwitzigen, empfindsamen Achterbahnfahrt durch scheinbar festgefahrene Genres mühelos, und ohne Rücksicht auf Verluste: Sie hinterlässt keine Zweifel an ihrer Authentizität und Einzigartigkeit, wodurch sogar noch ihr Debüt-Album in den Schatten gestellt wird.