Seit ich die ersten Klänge Joy Denalanes Stimme auf der FK Esperanto-Tour 1998 vernehmen durfte, warte ich auf dieses Album. Tja, und wenn es tatsächlich so lange benötigt, um ein solches Album zustande zu bringen, kann ich nur sagen: das ist absolut ok für mich.
Joys Gesang berührt mich an einer Stelle, an der mich persönlich bislang nur Mary J. Blige berühren konnte, und das will etwas heissen. Dies ist das Album einer Schwester, die in Ihrer Bless-Any-Track-Stimme Ihre Seele transportiert - Soul pur, eben. In einer Zeit, in der R'n'B immer kälter wird, sich zunehmend durch Dance, Attitude und Posen definiert, ist dies eine Wohltat.
Mal Hand aufs Herz: wie viele, die eine deutsche Produktion für "gut" befinden meinen eigentlich "gut - für eine deutsche Produktion"? Dem ist hier definitiv nicht so. "Mamani" hat Weltklasse. Selbstverständlich fanden wir damals alle "Mit Dir" geil, doch "Mamani" bringt es in meinen Augen auf den nächsten Level. Props an Max Herre, der hier bestätigt, was sich im Laufe der Zeit insbesondere während der FK Live Auftritte schon zeigte: er ist nicht nur Flow- und Textmäßig ein MC nachdem erstmal ganz lange nix kommt, sondern auch ein außerordentlich talentierter Musiker. Der Jazz-Spelunke-Style, der sich durch das ganze Album zieht, verpasst mir jedesmal erneut eine Gänsehaut. Ein Soul-Guerilliero, eben.
Am meisten (extrem angenehm) überrascht hat mich allerdings Joy Denalanes Connection zu ihren südafrikanischen Wurzeln. Und zwar sprechen wir hier von authentischer südafrikanischen Musik, kein Synkretismus. Niemals hätte ich erwartet, hier Hugh Masekela anzutreffen, der bereits z. B. mit Miriam Makeba zusammengearbeitet hat, und dessen Musik mich schon vor über 10 Jahren auf dem Sarafina Soundtrack so geflasht hat.
Thematisch ist es ein Album, das vor allem Frauen ansprechen wird. Es ist die Perspektive einer Frau, einer schwarzen Frau in Deutschland, einer südafrikanischen Frau, einer Kämpferin, einer Mutter, einer Tochter - und natürlich einer Geliebten.
Ich könnte noch lange weiter ausführen, wie sehr ich dieses Album fühle, doch langer Rede kurzer Sinn: es ist Inspiration ohne Grenzen.Eine perfekt gelungenen Symbiose zwischen Stimme, Thematik und Produktion. Joy to the Max, eben.