Für viele, meist junge Menschen aus Afrika (und Asien) glänzt Europa wie ein verheißungsvolles Versprechen am Horizont. Sie sind bereit, große Strapazen und vielfältige Gefahren auf sich zu nehmen, um diesen Schlaraffen-Kontinent zu erreichen.
Das Buch berichtet aber vor allem von den Menschen, die ihr Ziel nicht erreicht haben, deren Leichen nun irgendwo auf dem Meeresgrund oder in irgendwelchen namenlosen Gräbern liegen, oder die immer wieder zurückgewiesen in irgendwelchen angrenzenden Ländern auf die nächste Chance zum Aufbruch warten oder gänzlich schon jegliche Hoffnung begraben haben.
Zahlen, Daten, immer wieder Auflistungen von Toden und Vermissten. Einzelschicksale werden nur angerissen, bis es zum nächsten weitergeht. Doch die Tragödie, die sich an den Grenzen zu Europa abspielt, wird dem Leser mit jeder Seite deutlicher. Vor allem das schreiende Unrecht in Libyen und Marokko macht wütend, aber irgendwie auch machtlos. Die geschilderten Grausamkeiten erinnern einen an Gräueltaten aus Kriegszeiten. Da werden Menschen ohne Wasser in Wüstenregionen abgeschoben oder gefoltert, vergewaltigt und ermordet.
Del Grande versucht die Hintergründe zu erleuchten: Weshalb machen sich diese irregulären Migranten auf den Weg? Wieso gibt es oftmals kein Zurück mehr. Das Motto lautet häufig: Ankommen im glorreichen Europa oder untergehen.
Ein lesenswertes Buch, wenngleich es doch punktuell zu Wiederholungen kommt und stilistisch die Texte nicht ganz ausgereift erscheinen.