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Mit Mama's Gun macht Badu einen weiteren Riesenschritt in Richtung linkes Spektrum, allerdings mit weniger berauschenden Ergebnissen. Sie wird von D'Angelo's Band begleitet, den SoulAquarians (Jay Dee, Ahmir "Quest-Love" Thompson & James Poyser). Die Beziehungsängste, die im ersten Track "Penitentiary Philosophy" auftauchen, werden von einem wahrlich bombastischen Hard Rock begleitet. Der Rest des Albums hütet sich -- Gott sei Dank! -- davor, im Stil von Alanis Morissette "loszurocken". Auf der Gästeliste stehen Bilal (Common), Roy Ayers, der Trompeter Roy Hargrove, Betty Wright und Steven Marley, aber es bleibt Badus Show. Die besten Tracks von Mama's Gun sind -- was den Klang anbetrifft -- "Cleva", "Booty" mit seinem Staccato-Funk, das wunderschöne "A.D. 2000", "Orange Moon" und das episch breit angelegte Stück "Green Eyes" zum Abschluss (bei dem sie tatsächlich wie Billie Holliday klingt) -- sie alle sind wiederum coole Kombinationen von Jazz, Blues, Soul und HipHop.
Mama's Gun ist nicht so leicht zugänglich wie sein Vorgänger und erfordert vielleicht mehrfaches Hören, bis es einem gefällt. Dennoch wird man den Eindruck nicht los, dass dies hier Badu am Fließband ist, eine handwerklich gut gemachte, aber letztlich plumpe Kopie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, aus dem einmal vom faszinierenden Original eroberten Terrain Kapital zu schlagen. --Reuben Dessay
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Ihr gesamtes Repertoire ist auf diesem einzigartigen und unvergesslichen 70 Minuten verewigt, und die Bandbreite ihrer scheinbar unerschöpflichen Ausdrucksmittel- und formen ist ebenso erstaunlich, wie unwiderstehlich. Die ausgereiften, zuckersüßen Melodien legen sich einem auf Anhieb zu Füßen, unter denen ihre hinreißend-verführerischen Vocals den roten Teppich zum Tempel der akustischen Genüsse ausrollen, um den verzauberten Hörer anschließend wieder betört und willenlos in die Realität zu entlassen, der man selten zuvor so kompromisslos, und ohne einen Funken von Reue zu verspüren, entrücken konnte.
Um sich klar auszudrücken: es gibt auf dieser Platte alles was man von Erykah Badu erwartet (Soul, Hip-hop, R'nB, Jazz), und noch vieles mehr („Penitentiary Philosophy" als ambitionierte Rocknummer, oder das verlockende „Kiss me on my neck", auf dem Badu so sexy wie niemals zuvor klingt). „Mama`s gun" ist gefüllt mit Poesie, Power, und Phantasie, was sich sowohl in der ausgefeilten, aber keinesfalls aufdringlichen Instrumentalisierung, als auch in den leidenschaftlichen und ausdrucksstarken Vocals niederschlägt, woraus man durchaus einen Reifeprozess der Sängerin aus Texas ableiten kann.
Badu schmachtet („kiss me on my neck") und groovt („on & on", „bag lady"), sie entfacht („Penitentiary Philosophy") und träumt („Orange moon"), und verdrängt hierbei alle Ansprüche und Forderungen, mit denen sie nach ihrem Debütalbum konfrontiert wurde, in das Jammertal der Schubladen-Denker.
Denn eines gelingt der Künstlerin in dieser wahnwitzigen, empfindsamen Achterbahnfahrt durch scheinbar festgefahrene Genres mühelos, und ohne Rücksicht auf Verluste: Sie hinterlässt keine Zweifel an ihrer Authentizität und Einzigartigkeit, wodurch sogar noch ihr Debüt-Album in den Schatten gestellt wird.
Wer auf Soul, Funk und jazzigen Pop resp. "Alternative Hiphop" steht, ist hier vollkommen aufgehoben und sollte reinhören.
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