Kapstadt 1976. Douglas' Zwillingsbruder Marsden stirbt durch einen furchtbaren Zufall. Daraufhin zerbricht seine vordem intakte Familie. Der Vater zieht sich zurück und verlässt die Familie schließlich ganz, die Mutter entledigt sich fast aller ihrer bindenden materiellen und sozialen Lebenserinnerungen und zieht mit Sohn Douglas, dem schwarzen Dienstmädchen Hope (guter Name) und dem halbherzig erzogenen Hund Chaka (erfrischend) ins Südafrikanische Hinterland, in ein Wüstenkaff. Hier herrschen Apartheid, Ignoranz und Vorurteile. Hier lernt Douglas aber auch Moses kennen, einen Schwarzen, der sein Freund wird, und Marika, eine Weiße, die seine Freundin wird.
Fast nebenbei, in schnörkelloser, lakonischer Sprache erzählt Douglas seine Geschichte. Obwohl sie 1976 bis vier Jahr danach geschieht, ist der Roman im Präsens verfasst, was einen zusätzlichen Reiz ausmacht. Gerade 1976 war ein sogenanntes Schicksalsjahr für Südafrika. Die Ereignisse werden eher am Rande erwähnt. Sie verblassen ja auch - zumindest im persönlichen Schicksal von Douglas - angesichts der grauenvollen Verluste und Entrissenheiten in seinem eigenen Leben. Er ist der überlebende Zwilling, was das bedeutet, kann der Leser schnell nachempfinden. Und nicht nur das. Aufgewachsen und geleitet in einer liberalen Familie, im weltoffeneren, großstädtischen Kapstadt, leidet Douglas zusätzlich unter den äußeren Verhältnissen. In lapidarer Erzählweise ohne lästige Adjektive und ohne Polemik teilen sich dem Leser die Unmenschlichkeit des Apartheidsystems mit. Aber auch die Farben Afrikas, seine Geräusche, Gerüche und Fühlbarkeiten sowie die Gequältheiten und gleichzeitig die Zuversicht und der Optimismus des heranwachsenden Douglas.
Ich las dieses Buch beinahe atemlos bis zum unerwarteten Ende. Das hatte sich mir so nicht angedeutet. Und mich veranlasst, es gleich noch einmal zu lesen: Ob ich wohl Hinweise auf dieses Ende überlas?