Die leicht verschmitzt lächelnde Ingeborg Bachmann auf dem Cover dieser Ausgabe wird wohl den einen oder anderen Leser ein wenig in die Irre führen. Denn "Malina" ist alles andere als lustig. Es ist traurig. Im ersten Kapitel, das paradoxerweise "Glücklich mit Ivan" heisst, wird es sogar tieftraurig. Hier erzählt die namenlose Hauptfigur von ihrer Beziehung zu Ivan, ihrem Freund, der sie anscheinend zwar auch zu lieben scheint, denn immerhin ist er ja mit ihr zusammen, dies aber so gut wie nie zeigt. Er interessiert sich nicht für Ihre Probleme, lässt sie nicht ausreden und sagt Treffen fast immer nur zu um sie dann doch sitzen zu lassen. Dabei bemüht die Frau sich, stellt fast ihr ganzes Leben nur auf Ivan ein, erledigt kaum noch vernünftig Ihre Arbeit (Beantworten der Post u.a.) und kümmert sich liebevoll um seine Kinder. Nur mit Malina kann sie sich vernünftig unterhalten. Auch erfährt man ein bisschen über die Vorgeschichte der Frau, nämlich im zweiten Kapitel. In, wahrscheinlich, Träumen erzählt sie vom Zweiten Weltkrieg, von Gaskammern und Vergewaltigungen. Schon hier wird auf die Dominanz der Männer gegenüber Frauen hingewiesen. Im letzten Kapitel versucht sie durch ein Gespräch mit Malina, auch über das Schreiben, ihre Probleme zu lösen.
Mehr möchte ich gar nicht sagen, um nicht zuviel vorweg zu nehmen.
Es ist kein Buch, welches man mal eben so weglesen kann. Es folgt keinem bestimmtem Ablauf und ist daher eventuell nicht ganz leicht zu lesen. Es wurde ja schon bemängelt, das der rote Faden fehlen würde, das es keinen stringenten Handlungsablauf haben würde. Mag sein, aber dieses Buch, diese Sprache von Ingeborg Bachmann ist trotzdem stark genug ein genaues Bild der Frau und der gesamten Situation zu zeichnen, auch wenn es vielleicht manchmal nur hingeworfene Gedanken sind die hier auftauchen. Die allerdings auch durchweg zusammengehören und eine Entwicklung aufzeigen. Man muss sich eben nicht immer noch eine großartige Geschichte drumherum einfallen lassen, wenn man eine Idee, eine Problematik schildern möchte. Es gibt unzählige Werke, auch namenhafter Autoren, die man locker um einige, manchmal sogar hunderte, Seiten kürzen könnte, eben weil es zu Geschwafel ausartet und den Sinn der Sache völlig überdeckt, wenn man dies und jenes noch dazuschreibt. Hier bekommt man kein überflüssiges Wort vor die Augen, hier wird vom Beginn bis zum Ende große Literatur pur serviert. Denn auch wenn man den Schreibstiel als "knapp" bezeichnen möchte, so ist er aber dennoch prägnant und präzise. Und das die Autorin mit Worten umgehen kann, weiss man doch wohl, ist sie doch für Ihre Lyrik weitaus bekannter als für Ihre Prosa.
"Malina" ist also ein Buch über eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt nicht selbst verwirklichen kann, ja teilweise sogar daran zweifelt überhaupt in dieser Welt existieren zu können. Speziell im letzten Kapitel wird etwas weniger nur von der Beziehung zu Ivan gesprochen, sondern mehr von der Beziehung zwischen Männern und Frauen überhaupt. Und gut weg kommen die Männer dabei nicht. Es ist ein Psychogramm des Scheiterns! Und genauso wie es geschrieben wurde, wurde es perfekt geschrieben, zumindest für mich, auch wenn das zweite Kapitel etwas schwerer zugänglich war, muss man sich doch nur reinlesen, vielleicht mal zurückbkättern und nochmal lesen, dann klappt es schon. Und liest man bis zum Ende, hat man Buch hinter sich, welches beklemmend, verstörend wirkt, aber auf jeden Fall den Leser berührt.