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Mali Blues
 
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Mali Blues [Gebundene Ausgabe]

Lieve Joris
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Malik Verlag (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3890291082
  • ISBN-13: 978-3890291086
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.114.226 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Was ist es, das Lieve Joris' Erzählungen über fremde Länder so anders, so besonders berührend macht? Sie lebt mit den Menschen, an den Orten, bevor sie über sie schreibt. Die Afrikaner, die sie auf ihren Reisen trifft, sind Überlebenskünstler, die Zauberei, Tradition und Moderne zu vereinbaren wissen. Der politischen Unfähigkeit ihrer Regierungen bewußt, nehmen sie mit Mut und viel Humor ihr Leben selbst in die Hand. So der junge Amadou aus der kleinen Stadt Podor am Ufer des Senegal: Er verfügt über den einzigen Fernsehapparat in seiner Nachbarschaft, was ihm sein Auskommen beschert. Oder der Schulinspektor Sass, mit dem zusammen die Autorin die Wüste Südmauretaniens durchqueren wollte und der erst einmal warten muß, bis ein paar pfiffige Automechaniker auf Kamelen angeritten kommen und seinen Toyota reparieren. Oder Kar, der berühmte, aber arme Sänger aus Mali, der sechs Kinder zu ernähren hat...

Autorenportrait

Lieve Joris, gebürtige Belgierin, ist eine der herausragenden europäischen Reiseerzählerinnen. Zu den Themen ihrer vielfach preisgekrönten Bücher gehören Ungarn, Syrien und der Nahe Osten sowie Schwarzafrika. Die Autorin lebt heute in Amsterdam. Auf deutsch liegen vor "Mali Blues", "Die Tore von Damaskus" und "Die Sängerin von Sansibar".

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Putzfrauen aus Amsterdam 13. August 2010
Von h.n.
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Als ich Mali Blues im Frühjahr 2010 bestellte, meldete Amazon als Erscheinungsdatum 2000. Das Buch selbst beginnt aber mit der Spitzmarke "Dakar, 16. Juni 1993". Wenn ich das gewusst hätte.

Auch wenn es nicht so gekennzeichnet ist, zerfällt Mali Blues in zwei sehr unterschiedliche Teile, die aus je zwei Kapiteln bestehen:
- Transit in Senegal und Mauretanien
- Begegnungen in Mali

Die ersten beiden, mit je rund 50 Seiten kürzeren Kapiteln über Senegal und Mauretanien sind besonders oberflächlich, es ist reine Durchreise mit ein paar Einheimischen, die über schlechten Fernsehempfang jammern; im Nachhinein wirken diese Kapitel wie Füllmaterial, das zusammen mit den zwei längeren und deutlich interessanteren Mali-Kapiteln zur geplanten Buchlänge verhelfen soll.

Joris zitiert im Buch V.S. Naipaul, hat den Meisterschreiber auf Trinidad besucht und darüber geschrieben. Und ich beging den Fehler, vor Joris einige Afrika-orientierte Bücher Naipauls zu lesen, etwa A Bend in the River, Half a Life und In Free State.

Nach Naipaul - dessen Romane wie intensive Reiseberichte wirken - ist Joris zunächst ein Absturz: Ihre Schilderungen im ersten Teil wirken so viel oberflächlicher, touristischer, belangloser. Da gibt es nur die strahlenden Augen beschenkter Kinder oder den salzigen Geschmack roher Muscheln. Und Joris bemüht sich in Mauretanien und speziell Senegal nicht, etwas Besonderes herauszufinden, Schicksalen oder Geschichten nachzuspüren; sie beschreibt platt das, was ihr zufällig widerfährt oder erzählt wird, und schon sitzt sie im nächsten Buschtaxi. Diese Gegenden und Menschen interessieren sie eindeutig weniger.

Mehr noch: Während Naipaul sich selbst als Person völlig zurücknimmt, kippt Joris neben einige Schilderungen gleich noch eine belanglose Bewertung. Ein Beispiel: Bekannte in Mali erzählen, wie sie früher die Hauskatzen der französischen Kolonialbeamten fingen, grillten und aßen - zartes Fleisch, "vor allem der Hintern". So weit, so amüsant, doch Joris muss noch einen ganzen, missfallenden Absatz über verwöhnte Europäer-Katzen dranhängen und begrüßt das Ende der Franzosen-Katzen am Barbecue-Spieß mit klammheimlicher Freude: "Inzwischen empfinde ich auch ein wenig Schadenfreude." Oder: Ihr weißer Ex in Dakar hat ein paar Hausdiener. Statt mehr über die Angestellten zu erzählen, jammert Joris lediglich: "Und ich leiste mir in Amsterdam nur alle zwei Wochen eine Putzfrau' es behagt mir ' nicht".

Darum stimmt auch die Einstufung nicht, Joris schreibe emotionslos ohne Wertung. Ihre Wertung ist nur so belanglos, dass jeder Lektor mit Statur ein Deleatur an das Gewäsch von Putzfrauen aus Amsterdam gemalt hätte. Immerhin: Joris bringt reihenweise Beispiele von haarsträubendem Aberglauben, hält sich hier aber mit Einstufungen zurück.

Das Buch ist zudem oft lieblos-mechanisch ins Deutsche übersetzt ("die Stadt atmet eine große postkoloniale Tristheit aus"; "Abderrahmanes Einübung in eine andere, größere Welt erfolgte früh"). Joris reist durch viele Städte und mehrere Länder, aber das Buch zeigt keine Fotos und nur eine einzige, rudimentäre Kartenskizze des riesigen Reisegebiets. Die eine Seite Glossar im Anhang erklärt Boubou und Gris-Gris, aber viele weitere Begriffe tauchen im Bericht völlig unkommentiert auf, etwa Speisen oder Kleidungsstücke. Komplette französische Sätze erscheinen ohne Übersetzung.

Dennoch habe ich mich von Joris' Bericht schnell einlullen lassen. Sie schreibt vor allem zu Anfang so unmittelbar, unreflektiert, immer geht es zu einem neuen Strand, Konzert, Café, Bekannten, Bekannten von Bekannten - ich konnte es runterkonsumieren wie einen geschmacksneutralen, folienversiegelten Beilegkeks und nebenbei ein paar Eindrücke aus Westafrika mitnehmen. So war ich selbst im ersten, schwächeren Teil schon bereit, bis zu Ende zu lesen.

Doch in Mali wird alles besser - das Personal, und das Buch. In Mali hält sich Joris an Künstler und deren Familien, zeigt mehr Sympathie und Neugier. So zieht sie mit Boubacar Traoré ("Kar Kar") um die Häuser, der im Weltmusikboom seit den 90ern eine zweite Blüte erlebte, auch in Mali bekannt ist und dessen gefühlvolle Musik sich ohne weiteres online anhören lässt. Dies ist der persönlichste, intensivste Buchteil. Man spürt die Anziehung zwischen Autorin und Darsteller und wüsste gern, wie viel Joris hier noch verschwiegen hat.

Außerdem besucht Joris in Mali an verschiedenen Orten die ausgedehnte Familie des Filmemachers Abderrahman Sissako, dessen Weltbank-kritischer Streifen "Bamako" 2010 zu sehen war. Joris hatte Sissako in Paris kennengelernt, in Mali trifft sie die Verwandtschaft. Das sind nette, wenn auch teils oberflächliche Portraits von oft eigenwilligen bis kauzigen Maliern mit gelegentlich netten Apercus. Der Dorftelefonist Bina über ein entlaufenes Zicklein: Es wollte zu früh unabhängig sein, wie die afrikanischen Staaten.

Ideen für die Reiseplanung des Lesers liefert Joris nicht. Sie konzentriert sich ganz auf ihr Personal, verzichtet auf allgemeine Erklärungen, Tipps zu Essen oder Transportmitteln. Joris umgeht Touristenziele (im berühmten Dogonland verbringt sie zufällig ein paar Stunden), sondern besucht die entlegenen Heimatdörfer der Portraitierten. Joris tut dabei fortwährend so, als sei eine alleinreisende Europäerin im moslemischen Westafrika völlig normal; sie erwähnt auf 311 Seiten nicht einen einzigen unangenehmen Moment.

Wir erfahren lediglich, dass Frauen in ihrem Reisegebiet sonst kaum eine Rolle spielen - außer in der Küche. Joris' Hauptgesprächspartner und Gastgeber sind stets Männer, die mitunter mehrere Frauen haben. Zu diesen letzten Punkten gibt die Autorin ausnahmsweise keinen Kommentar.
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Mali Blues gibt einen interessanten Einblick in die unterschiedlichen Länder Westafrikas. Deutlich sichtbar wird die Lebensweise der männlichen Bevölkerung die, aufgrund von Religion und Umweltbedingungen, Unterschiede zeigt. Das Leben der Frauen wird außer Acht gelassen. Die Darstellung der Langsamkeit und auch oft der Eintönigkeit des Tagesablaufs gelingt Joris perfekt. Das wiederum macht das Buch etwas langatmig. Stellenweise fällt es dem Leser deshalb schwer, dank der beschriebenen Langsamkeit, am Ball zu bleiben. Wer sich allerdings für die Kulturen Nordwest-Afrikas interessiert sollte an diesem Buch nicht vorbeigehen ohne es zu lesen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Fastidieux jour ordinaire 3. September 2008
Format:Taschenbuch
Es ist kein afrikanisches Tagebuch sondern ein Tagebuch einer Journalistin, die sehr gut beschreibt was ihren Alltag in Westafrika ausmacht. Das emotionslose, neutrale, unparteiische Berichten beherrscht die Journalistin. Aber zu einem unterhaltsamen, spannenden Buch gehört doch mehr. Das Mehr vermisst man hier völlig. Da wird nicht viel reflektiert, nichts kommentiert. Ein paar auffällig neuzeitlich anmutende angeblich bambarische Sprichwörter baut sie ein, als ob die Einheimischen sie immer parat hätten! Das gehört aber schon zu den Höhepunkten des Werks. Westafrika gehörte eben auch noch zu ihren encore a faire Gegenden für ein Buch. Überwiegend erfahrt man da eher langweiliges und belangloses wie eben das tous le jour in Senegal oder Mali sich darbietet, abseits der armen Jedermannsbevölkerung. Hauptsächlich geht es um den international bekannten Musikus Kar Kar. Es ist also mehr eine Art Biographie-Tagebuch, das gestreckt wird mit Intimitäten und Launen der beiden.
Es zeigt sich hier, dass es wohl ausreicht eine Journalistin mit Namen zu sein, um es zu einer weiteren Buchveröffentlichung zu bringen. Wer aber sich die Mühe macht und sich durch das Buch durchkämpft und anders als die Autorin über das Erlebte nachdenkt, wird zu der schlimmen Feststellung gelangen, dass es in den beschriebenen Gesellschaften keine Aussicht auf Besserung der Lebensverhältnisse gibt. Sie sind fest in den Krallen eines verderblichen, ja tödlichen Aberglaubens, wie im Beispiel des kurz vor Ende des Buches thematisierten Todes der Frau des Musikers deutlich wird. Eine Episode, die man mit etwas Mühe auch viel spannender hätte darstellen können - quasi als Dank für den langen Leseatem des erschöpften Lesers.
Aber die Autorin berichtet nur. Sie hat keine eigene Meinung zu den Vorgängen um Hexerei, Verwünschungen, Fetische und den ganzen Irrsinn, der die Leute lähmt und sowohl seelisch als auch physisch verdirbt. Sie lacht gelegentlich insgeheim darüber, aber sie hat nichts Besseres anzubieten. Sie lässt die Menschen, denen sie nicht einmal materielle Gastgeschenke macht, mit ihrem Elend allein. Quasi wie ein Tierfilmer, der sich nicht in die Angelegenheiten des weltanschaulich verbrähmten Kampfes ums Dasein einmischen will, wenn er ein Gelege einer seltenen Flussschwalbe nicht rettet, obwohl die Überschwemmung kommt, aber mit der Kamera voll drauf hält, weil er weiß, dass sich auch andere am Untergang der Kleinen weiden möchten. Ja, so ist es halt mit den Weltanschauungen, sie schaffen vollendete, wenn auch verwerfliche Tatsachen. So gesehen ist das moralische Verhalten dieser Autorin recht fragwürdig. Aber als Frau allein in Schwarzafrika besinnt man sich dann vielleicht doch wieder auf die feminine Angst in einer halb muselmanischen, halb animistischen Kultur, die auch einmal Diebe kurzerhand lyncht oder Glaubensgegner mit einem todbringenden Fluch belegt. Vielleicht sind die schwarzen Frauen Afrikas unterdrückt, aber feige sind sie ganz bestimmt nicht.
Das Buch zeigt einige Facetten Westafrikas, viel mehr aber auch nicht.
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