Schnell ist der Roman in voller Fahrt angekommen, die Ereignisse überschlagen sich immer wieder von neuem. Dabei entdeckt der Leser langsam die Unterschiede zwischen der beschriebenen Welt und unserer vertrauten. Die Welt scheint zeitlos zu sein, manche Sachen dürften auf junge Leser von heute altertümlich wirken, wieder andere ganz neuartig. So wird eine spannende Mischung geschaffen, die ihr Übriges zu der fantastischen Atmosphäre des Romans tut.
Doch Spannung durch Geschwindigkeit sollte man nicht mit Spannung durch Handlung verwechseln. Zum Beispiel die erste Begegnung Catalinas mit den Schatten wird viel zu lange erzählt. Ein paar Seiten weniger hätten hier der Beschreibung keinen Abbruch getan, aber verhindert, dass der Leser mitten in einer Verfolgungsjagd schon mal ein paar Seiten weiter schielt, um abzuschätzen, wie lange das denn noch so weiter geht. Die einzelnen Charaktere bleiben zu flach, der Autor gönnt ihnen kaum Raum zur Entfaltung. Das liegt zum Teil natürlich auch daran, dass gegen Ende mehrere neue Charaktere auftauchen und der Raum für eine ausführliche Einführung wohl zu knapp wurde.
Nicht nur für die Charakterentwicklung wurde der Platz knapp: Das Buch endet mit einem furchtbar gemeinen Cliffhanger. Gerade wurde die erste "Schlacht" geschlagen, das erste Showdown ist also überstanden, doch es geht sofort weiter mit dem Abenteuer. Das erlebt der Leser noch mit, doch dann entschwinden Catalina und Jordi alleine in eine unbekannte Zukunft und der Leser wird fallen gelassen, sofern er nicht sofort den zweiten Band an der Hand hat und nahtlos weiter lesen kann. Hier wirkt es wirklich, als wären aus einem Buch zwei gemacht worden, um erstens eine weitere der im Fantasy-Sektor so beliebten Trilogien zu veröffentlichen und zweitens so auch die Verkaufszahlen zu steigern. Doch dies ist wohl eher dem Verlag geschuldet als dem Autor persönlich ...
Die Idee des Autors, eine uralte Macht, nämlich die Hexen, sozusagen zu neuem Leben zu erwecken und das alles auch noch in einer ungewöhnlichen Art und Weise in einem Kind, ist ein sehr spannender Ansatz. Allerdings bleibt beim Leser der schale Nachgeschmack, dass das Potenzial des Autors größer ist als die hier gezeigte Leistung. Aber trotzdem wird man wohl, nachdem man mit der Lektüre des ersten Buches fertig ist, so schnell wie möglich zum zweiten Band greifen. Natürlich möchte man wissen, wie die Geschichte weitergeht, aber ebenso spannend ist die Frage, ob Christoph Marzi das Ruder nochmal rum- und den Leser mitreißen kann.
Das Buch ist eher für Jugendliche als für Kinder geeignet, da die Handlung doch ziemlich vielschichtig ist. Auch ist bei älteren Kindern die Chance höher, dass sie mit den - teilweise für sich sprechenden - spanischen Straßen- oder Eigennamen etwas anfangen können. Leser, die die "Lycidas"-Trilogie begeistert verschlungen haben, sollten vorsichtig sein und sich auf etwas komplett Neues einlassen können. Man sollte diese Bücher nicht vergleichen und sich ohne Erwartungen, etwas ähnlich Anspruchsvolles in die Hände zu kriegen, an die Lektüre machen. Losgelöst von Erwartungen schafft es auch "Malfuria" durch besondere Einfälle zu überraschen und zu fesseln.