Lange habe ich überlegt, wie ich die einzelnen Bücher der Trilogie bewerten soll und habe mich nun entschlossen, eine Gesamtbewertung für alle drei Bücher zu schreiben. Auf die Geschichte an sich möchte ich eigentlich nicht eingehen, diese Infos sind hier schon überall zu lesen. Mir geht es mehr um den Schreibstil, die Ideen und die Wirkung des Buches.
Zuallerst: diese Bücher sind KEINE Kinderbücher. Ich glaube unter 14-Jährigen würde ich sie nicht schenken.
Es gibt Bücher und Geschichten, die kann man sofort klar definieren und beschreiben. In diesem Fall trage ich so viele verschiedene Eindrücke in mir, dass es sehr schwierig ist, sie in eine vernünftige Form zu bringen...
Versuchen wir es mal:
Malfuria enthält eine Menge ansprechender Details & Elemente, die in dieser Form nicht so häufig in Fantasygeschichten vorkommen. So spielt die Geschichte in einer Welt ähnlich der unseren, in Spanien. Catalina, unser Hauptcharakter,lebt zu Beginn der Story seit ca. 2 Jahren bei einem alten Kartenmacher in seiner Windmühle, ist bei ihm in der Lehre.
Hart: Wir erfahren relativ bald, dass Catalinas Vater Jahre zuvor vor ihren Augen gestorben ist, im Meer ertrunken. Die Mutter hat sie nicht lange danach in die ihr damals fremde Stadt Barcelona, zum alten Kartenmacher gebracht und ist einfach so, ohne Trost oder Worte der Erklärung verschwunden...
Die erste Besonderheit, die man an Catalina feststellen wird, ist die Tatsache, dass sie mit El Cuento, einem Wind der ihr Vertrauter ist, redet und sich von ihm Geschichten erzählen lässt. Keinen Menschen lässt Catalina so an sich heran, wie El Cuento, ihm vertraut sie und öffnet ihm zumindest ein bißchen ihr Herz...
Als weitere magische Wesen oder Elemente gibt es in diesen Büchern hier keine Elfen, Orks, Zwerge, Zauberer etc., lediglich Hexen, einen Sphinx, magische Bücher & Buchstaben,zum Leben zu erweckende Landkarten, einen magischen Rabenfedernsturm und ganz viele Schattenwesen... Diese Elemente klingen im Vorfeld weitaus harmloser und weniger angsteinflößend, als sie sich dann später beim Lesen der Geschichte darstellen.
Denn Christoph Marzi schafft es, mit seiner wahrhaft düsteren Geschichte über die Schattenwesen, die die Welt Catalinas mit Eiseskälte und Dunkelheit überziehen, gleichermaßen eine Kälte für den Leser zu erzeugen, die man fast körperlich wahrnehmen kann. Dies zieht sich durch alle drei Bände gleichermaßen. Es geht um Dunkelheit, Verfolgung und Flucht, immer wieder darum, dass geliebte Menschen gestorben sind oder aufgrund der Ereignisse wohl bald sterben müssen oder ihnen zumindest etwas schreckliches zustößt - nicht gerade leichte Kost, wenn man beim Kauf der Bücher nicht damit gerechnet hat...
Was Marzi bei mir auf der einen Seite sehr gut geschafft hat, nämlich die eben erwähnte Kälte fast körperlich beim Lesen wahrzunehmen, hat sich leider nur auf sehr wenige weitere Elemente der Geschichte übertragen lassen. Der Prolog im ersten Band, war zum Beispiel eine solche Stelle - ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, die Geschichte fing mit ganz viel Tiefgang und Spannung an, wenn auch schon ganz schön heftig...
Die einzelnen Charaktere, die in der Geschichte nun nach und nach auftauchen, sind zum Teil individuell und manchmal auch mit Tiefgang dargestellt, doch haben sie mich oftmals nicht so sehr berührt, wie ich es mir gewünscht hätte. Mir ging es so, dass ich die Bücher genommen habe und zwar immer weitergelesen habe aber noch lange nicht so intensiv mitgefiebert habe, wie es vielleicht bei einem etwas anderen Schreibstil der Fall gewesen wäre. So habe ich gelesen, gestaunt, mir meine Gedanken gemacht - doch selbst während der immer wieder vorkommenden Verfolgungsszenen war es für mich kein Problem, das Buch einfach zuzuklappen und erstmal wieder zur Seite zu legen. Die Geschichte hat mich beschäftigt aber nicht mein Herz erreicht. Man war nicht eins mit dem Buch und aus diesem Grund bekommt es von mir auch nur 3 Sterne (gerne auch 3 1/2).
Sicherlich ist es reine Empfindungssache, ein Buch oder einen Film zu bewerten, da jeder Mensch andere Emotionen entwickelt. Mir hat Malfuria jedenfalls in vielen Dingen gut gefallen, auch wenn es sehr düster war aber der sonst manchmal vorhandene Effekt, dass man traurig ist, eine gute Geschichte/ein Buch/die Charaktere die man liebgewonnen hat nach dem Zuendelesen verlassen zu müssen, ist hier gänzlich ausgeblieben.