(S.22) - Eine wirklich überraschende Aussage, aber Braunmiller versteht sich nunmal eher als Graphiker..
Die Gemälde (aber doch) von Franz X.W. Braunmiller sind ein besonderes Erlebnis. Der 1905 in München geborene Künstler lässt sich nicht wirklich einer der modernen Richtungen in der abstrakten Kunst zuordnen. In seinen Bildern, Graphiken und Zeichnungen, die auch Genres wie Glasmalerei, Mosaik, Porträt, Stilleben erfassen, verbindensich alte europäische auch handwerkliche Traditionen mit einem erfrischenden Individualismus. Ein besonderes Faible hat Braunmiller für religiöse Darstellungen entwickelt, wie Altarbilder und Kreuzwegstationen, die sich in der Tradition von Grünewald, Dürer und della Francesca begreifen. In diesem sehr schönen Bild und Textband aus dem rennomierten Kunstbuchverlag Schnell und Steiner wird der eher wenig bekannte Künstler richtig zur Geltung gebracht. Das Buch ist mit seiner Auswahl an 13 Farbbildern und 50 s/w-Abbildungen rundum gelungen und bietet einen umfassenden Einblick in über 60 Jahre kreativer Schaffenskraft. Die Texte bieten ebenfalls viel Interessantes. Braunmiller berichtet in einem autobiographischen Teil über sein Leben v.a. in der Münchener Kunstszene der 20er und 30er Jahre. Hinzukommt eine profunde kunstgeschichtliche Einordnung und Interpretation ausgewählter Werke.
Gesamt gesehen: Ein Künstler, der es verdient (wieder) entdeckt zu werden. Dieses schöne Buch könnte ein Schritt dahin sein.