Ich habe diesen Roman gerade zu Ende gelesen und habe das seltene Bedürfnis verspürt eine Rezension zu erstellen.. Ich kann Ihnen dieses Buch nur wärmstens empfehlen: Lesen Sie hier warum...
Ich habe mich bevor ich mit dem Lesen dieses Romans angefangen habe intensiv mit dem wahren Fall der Enriqueta Martí, der Vampirin von Barcelona beschäftigt - unter anderem mit original Zeitungsberichten der "La Vanguardia". Die wahre Geschichte einer wie es scheint normalen Frau von nebenan die ein 2. Gesicht zu haben scheint das alles andere als "normal" ist und mehrere Kinder förmlich abgeschlachtet und auseinandergenommen hat, hat mich sofort in ihren Bann gezogen! Obwohl Enriqueta Martí über mehrere Jahre hinweg Kinder entführt hat, konzentriert sich die Story im Buch auf das Jahr 1912, indem sie von der Polizeit geschnappt wurde.
Als 1. möchte ich vermerken, dass es mich einerseits erstaunt hat, dass auf der Rückseite des Buchumschlags steht, dass das Buch von der wahren Geschichte der Vampirin von Barcelona handelt - somit erlebt man beim Lesen und dem Ende der Geschichte nie einen "AHA!" Effekt, kurz: es ist einem bereits von Anfang an klar um wen es sich bei dieser "Bestie" handelt.. Wobei wir bereits bei Punkt 2 angelangt wären. Das Wort "Bestie" wird im Buch oft benutzt um die Person die hinter dem Verschwinden der Kinder steckt zu beschreiben - ob die Beschreibung an sich jedoch so gut zu Enriqueta passt ist fraglich - spannend ist, dass allen Charakteren im Buch klar ist, dass es sich bei dieser Bestie um einen Mann handeln muss - wie es wahrscheinlich auch den realen Personen in Barcelona um 1900-1912 erging als man munkelte wer wohl hinter diesen Gräueltaten stecken muss. Welch Überraschung also als sich herausstellt, dass eine weibliche Person hinter diesen Morden steckt. Leider wird diese Erkenntnis & nachvollziehbare Überraschung über die Grausamkeit einer Frau im Buch nicht einmal annähernd dargestellt. Überhaupt scheint Charakter und Personenbeschreibung der Enriqueta sehr durchsichtig. Ihr Tun und Handeln wird mit einer Brutalität beschrieben - Hintergrund warum sie so ist, wie sie eben ist sucht man vergeblich. Dies tut der 300-seitigen Geschichte jedoch keinen Abbruch und unterstützt eher noch das Mysterium der Vampirin von Barcelona. Aber ob die wahre Enriqueta tatsächlich an herausgeschnittenen Kinderaugen schlürft und Kinderblut trinkt wie im Buch beschrieben wage ich zu bezweifeln und weise diese "Erkenntnis" der Dramatik des Autors zu. Die Erkenntnis einer Figur im Buch, dass es sich bei der Bestie um einen Vampir handelt kommt für mich als Leser zu abrupt und etwas zu arg aus dem Nichts, was der Glaubwürdigkeit der Geschichte zwar nicht schadet aber etwas .. enttäuscht.
Die fiktive Romanfigur, die zugleich die Hauptrolle in diesem Histo/Roman/Krimi/Tatsachenbericht spielt, Kommissar Moisès Corvo ist ein äusserst sympathischer Geselle 2. oder gar 3. Klasse der einem sehr schnell ans Herz wächst und hoffen lässt, dass es solch engagierte Polizisten im 20.Jahrhunder tatsächlich gegeben hat, ausserdem ist er ein sehr belesener Zeitgenosse, was ihn wiederum von der etwas einfachen Gesellschaft abheben lässt! Wir folgen ihm und seinem Kollegen Juan Malsano wie sie dem Verschwinden der Kinder im Armenviertel nachgehen, bald aber merken müssen dass ihre Nachforschungen alles andere als erwünscht sind - nicht einmal bei der Polizei selber... Nicht selten liefern sich die Beiden einen sehr amüsanten Wortkampf, überhaupt liest sich der Text sehr einfach, flüssig und locker & scheint sehr gut vom Spanischen übersetzt worden zu sein! Zitate berühmter Schriftsteller & teilweise sehr poetische Passagen (die zwei letzten Seiten) schmücken die triste, arme und realistisch beschriebene Umgebung des Barcelonas um 1912.
Der Schluss gestaltet sich sehr abrupt und man merkt dass es sich vorallem beim Ende um kreative Freiheiten des Autors handelt. Was schlussendlich mit der "Bestie" geschieht kann man in einer vorherigen Passage berichtet vom Allwissenden Erzähler des Buches, dem Tod, erfahren - aber auch hier handelt es sich wohl kaum um eine Tatsache - wer also wissen will was tatsächlich aus Enriqueta wurde muss sich diese Info im Internet zusammensuchen..
Bei diesem Buch handelt es sich um eine gute Kombination von Tatsachenbericht inkl. guter Recherche (besonders die 2 Mädchen die in Zeitungsartikeln genannt werden: Angelita & Teresita, werden auch im Roman gerettet) & erfundenen sympathischen Charakteren (die mit viel Fantasie und Beschreibungsgabe liebevoll beschrieben werden) allen voran Moisès Corvo und Handlungssträngen vereint zu einem tollen Leseerlebnis!
Ich freue mich schon jetzt auf das 2. Buch des Autors das hoffentlich bald auf deutsch erscheinen wird..