Nachdem "Somebody that I used to know" jetzt ja auf allen Stationen rauf und runter läuft, und ich dadurch auf Gotye aufmerksam wurde, musste ich mir das dazu gehörige Album irgendwie verschaffen. Zunächst etwas Verwunderung, die CD ist bei uns in Deutschland noch nicht veröffentlicht, doch dann mal genauer hingesehen und siehe da: Als MP3-Download steht das Album schon seit November zur Verfügung. Wahrscheinlich hat die Produzenten der Erfolg der Single so überrascht, dass sie das Album nun auch als CD bei uns rausbringen. "Somebody that I used to know" ist auch ein erstklassiger Ohrwurm, bei mir hat sich der Titel sofort nach dem ersten Hören im Kopf festgesetzt. Doch auch die restlichen Titel des Albums haben mich überzeugt, Gotye zelebriert feine elktronische Klänge, die immer leicht, träumerisch und verspielt wirken und dabei niemals zu laut und aufdringlich sind. Musikalisch fühle ich mich oft an die 2 französischen Soundtüftler von Air erinnert, deren Songs mit ähnlicher Leichtigkeit zu verzaubern wissen. Doch Gotye präsentiert auf "Making mirrors" auch andere Stile. Manchmal ein 80er-Jahre Sound, der stark an Sting und Police erinnert oder auch 70er-Jahre Discomusik und sogar leicht rockige Anklänge. Alles in Allem sehr abwechslungsreich, vielseitig und wunderschön.
Making mirrors - Eine feine, kleine, sphärische Einleitung des Albums. Verträumt und gut.
Easy way out - Easy-Listening Rock der ordentlich Schwung hat, mit einer coolen Melodie und eingängigen Gitarrensamples.
Somebody that I used to know - Verspielte und quirlige Elektroelemente, dazu ein in sich ruhender Gesang während der Strophen. Im Refrain geht's dann cool zur Sache und man fühlt sich stark an Police erinnert. Die weibliche Gegenstimme (von Kimbra) in der 2. Strophe passt perfekt zum Song. Sound und Melodie wirken so unglaublich leicht und schön als wurde der Titel mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt. Unglaublich geil und einer der besten Titel der letzten Jahre.
Eyes wide open - Ein ziemlich flotter Elektropop-Song der fast ein wenig zu rein und makellos erscheint. Gut tanzbar und schön anzuhören.
Smoke and mirrors - Elektronik gepaart mit uralten Bluesklängen. Auf den ersten Blick etwas träge und schwerfällig, doch bei genauerem Hinhören eine wahre Perle. Viele feine Soundspielereien und eine fesselnde Melodie lassen den geneigten Zuhörer nicht mehr los. Beeindruckend viele Instrumente und Klänge wurden hier eingearbeitet.
I feel better - It's Disco-time. Locker vom Hocker geht's hier zur Sache. Mitreißend und sofort vertraut, irgendwie auch cool und schön.
In your light - Ähnlich mitreißend wie der Vortitel. Hier schwingen aber wieder mehr Elektroelemente vordergründig mit. Der Sound ist eine lockere Mischung aus Gitarren-, Elektro- und Bläserklängen. Melodie und Sound ergeben zusammen den perfekten Gute-Laune-Titel. Frisch, spritzig und perfekt für den nächsten Sommer.
State of the art - Wunderschöner verträumter Elektrosong, bei dem selbst die Sängerstimme vom Computer verzerrt wurde. Der Sound ist bis in's kleinste Detail ausgetüftelt, reicht von Orgelklängen über reichlich Elektronikgeschepper bis zu dramatischen Streichersamples. Einfach nur geil.
Don't worry, we'll be watching you - Etwas düster und verschwommen klingt dieser Titel. Der Gesang erklingt irgendwo im Hintergrund und tritt nur während des Refrains hervor. Der Sound schwebt zwischen Romantik und Drama. Und doch ist dieser Titel ein weiteres Highlight des Albums.
Giving me a chance - Chillig und vielleicht ein wenig trancig erklingt hier die Musik. Dazu gibt's eine zarte und geschmeidige Sängerstimme. Wie ein Revival aus den 1990er Jahren.
Save me - Monoton und fordernd stampfend treibt die Musik den Sänger an. Und irgendwann scheint der Titel regelrecht zu erblühen (Refrain), das ganze Spiel wiederholt sich dann nochmal und endet in einem ziemlich wirren Geklimper. Vielleicht etwas eigenartig von mir umschrieben aber durchaus hörenswert und schön.
Bronte - Der Trommelsound erinnert etwas an Indianermusik aus einschlägigen Western und treibt ruhig und verträumt vor sich hin. Melodie und Gesang verlaufen ähnlich entspannt und so klingt das Album würdig und in Ruhe aus.
An manchen Stellen war ich über das plötzliche Ende einzelner Songs etwas erstaunt, was die Übergänge zwischen den Titeln nicht immer einfach und geschmeidig klingen lässt. Doch das scheint auch zum Konzept des Albums zu gehören und stört nach einigen Durchläufen nicht mehr. Auffällig ist auch, dass ähnlich klingende Titel stets unmittelbar hintereinander angeordnet sind, fast als wolle Gotye die verschiedenen Stile und Einflüsse in geordneter Reihenfolge abarbeiten. Doch das sind allenfalls minimale Kritikpunkte an einem Album, das uns zum Ende des Jahres nochmals ein echtes Highlight beschert.