"Globalization does not have to be bad for the environment, increase inequality, weaken cultural diversity, and advance corporate interests at the expanse of the well-being of ordinary citizens" (xv), schreibt Joseph Stiglitz in der Einleitung zu seinem neuen Buch "Making Globalization Work". Und der Mann sollte wissen, wovon er redet. Von 1993-1997 war er ökonomischer Berater der Clinton-Administration und im Anschluss Chefvolkswirt der Weltbank. Im Jahr 2000 verlor er seinen Job, da er die Politik der Weltbank mehr und mehr zu kritisieren begann. Im folgenden Jahr wurde ihm der Nobelpreis für Ökonomie verliehen.
Stiglitz Hauptthese ist, dass die Globalisierung viele Chancen bietet, die jedoch auf Grund einer falschen Politik zur Zeit nicht ausgenutzt werden. Dies liege vor allem daran, dass die Spielregeln von den mächtigen Ländern im Alleingang festgelegt werden und die Entwicklungsländer de facto keine Chance haben, sich dagegen zu wehren. Wollen die in den Genuss von Krediten der Weltbank oder des Internationalen Währungsfond kommen, müssen sie sich den politischen Forderungen dieser Institutionen beugen. Und diese bestanden in den vergangenen Jahrzehnten primär aus der Öffnung der Märkte für ausländisches Kapital. Daraus resultierte unter anderem der Zusammenbruch der Märkte in weiten Teilen Asiens und Lateinamerikas Ende der neunziger Jahre.
Besonders heftig attackiert Stiglitz die Heuchelei der USA und Europas. Einerseits verlangen sie die Öffnung der Märkte, andererseits schützen sie die eigenen Märkte durch Subventionen, so dass Produkte aus den Entwicklungsländern kaum eine Chance in den USA und in Europa haben: "It appears to be that it is better to be a cow in Europe than to be a poor person in the developing world" (85) bringt es Stiglitz auf den Punkt. Dahinter steht der Gedanke, dass eine Kuh in Europa durchschnittlich mit zwei Dollar am Tag subventioniert wird, was mehr ist, als etwa die Hälfte der Bevölkerung in den Entwicklungsländern zur Verfügung hat.
Seine Vorschläge formuliert Stiglitz in seinem "new global social contract", der unter anderem folgende Punkte beinhaltet: mehr Fairness gegenüber den Entwicklungsländern, gemeinsame Bekämpfung der Klimaerwärmung, Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0.7% des Bruttosozialprodukts und ein weitreichender Schuldenerlass für die Entwicklungsländer (285f.).
Stiglitz analysiert das globale Wirtschaftssystem samt seiner Institutionen und Auswirkungen auf die beteiligten Nationen. Das gelingt ihm größtenteils recht gut. Nur manchmal wird es für den Laien doch etwas verwirrend. Vor allem bei der Darlegung des Finanz- und Kreditsystems wird es recht schwierig zu folgen. Dafür kann man Stiglitz eigentlich keinen Vorwurf machen, da die Materie nun mal ziemlich komplex ist.
Uns Europäern aus dem Herzen spricht Stiglitz, wenn er gegen die Politik der Bush-Administration zu Felde zieht. Vor allem prangert er die einseitige Unterstützung amerikanischer Großkonzerne auf Kosten der restlichen Welt sowie die Nichtbeachtung internationaler Institutionen und Abkommen an.
Fazit: Globalisierung muss nicht schlecht sein, wenn man sie richtig gestaltet. "Making Globalization Work" ist eine gute Einführung in die Thematik von einem politische eher linken Standpunkt. Deutsche Leser werden belustigt feststellen, dass für Stiglitz die Hauptstadt der Bundesrepublik immer noch Bonn heißt (vgl. 227).