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5.0 von 5 Sternen
Makellose Gegenwart - Bresemanns Gedichte, 23. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Makellos (Gebundene Ausgabe)
Vor mittlerweile einigen Wochen erwarb ich das Buch: Makellos.Gedichte. Es war eher Zufall, ein Zufall, den ich jedoch nicht bereue. Erste Reaktion beim Lesen war wie die, des Herrn Schaber: Was soll das sein? Und dann auch noch "makellos"? Nach mehrmaligem Lesen, und das empfiehlt sich ja bei allen Gedichten dieser Welt, bin ich wie besoffen davon, und kann gar nicht mehr aufhören! Pornometaphorik als Sinnesschärfung gegenüber der medialen, sprachlichen Verfasstheit der (auch eigenen) Gegenwart. "Richtig erkannt haben wir uns erst, wenn wir erkennen, wie perfide konstruiert wir sind" (W. Höllerer - ein Autor, auf den Bresemann immer wieder besteht) - Makellos.Gedichte schlägt eine Bresche der Erkenntnis, wenn auch eine konstruierte und rekonstruierbare. Eine Bresche, die zu beschreiten, unterhaltsam und witzig, aber genauso verletzend und nötigend ist. Makellos.Gedichte - eine unbedingte Empfehlung!
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4.0 von 5 Sternen
Ohrwürmer und Lieblingssongs ' Bresemanns Gedichtsammlung Makellos, 11. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Makellos (Gebundene Ausgabe)
Wieder mal ein Lyrikdebüt. Wieder eine junge, neue Stimme. So what? Doch halt, so einfach macht es einem Tom Bresemann nicht. In den meisten Texten beherrscht ein leicht dahinfließendes parlando den Ton. In dem Moment wo man denkt, man hätte diese Sprache begriffen, und das ist der Moment des ersten Lesens, realisiert man unvermittelt worum es hier eigentlich geht, wenn es denn bei Gedichten um ein Eigentliches gehen mag: Um Sprachbestandteile, Medialität, um Fokussierung und neue Nachbarschaften in alten Strukturen - das ist es, worum sich die Gedichte anordnen, drehen und drehen. Die einzelnen Kapitel stehen dabei thematisch in einem inneren Zusammenhang, und verweisen gleichzeitig immer auf die Gesamtkonzeption dieses Buchs, von dessen Stringenz man schon nach dem ersten Lesen einen Eindruck bekommt. Bresemann schleicht sich unbemerkt über gewohnte, allzu gewohnte Muster an den Hinterkopf des Lesers heran, kriecht geräuschlos herein, um sich dann darin breitzumachen, und Eindruck zu hinterlassen. Sei es Shakira, die mit einem Stuhl kopulierend als Reinkarnation des werten wip[s] eines Walther von der Vogelweide von sich reden macht; sei es die Suche nach der Idylle hinterm Idyllischen und seinen (Ab-)Gründen '- Bresemann gelingt es, scheinbar spielerisch seine Gedichte einfach auf[zu]schreiben, wie es in einem der Texte heißt, sie geradezu herunterzuschnoddern. Dass das dann doch nicht immer gelingen will, erklärt sich fast von selbst. Und so finden sich, wie in fast jedem Gedichtband, auch in diesem Buch Ausfälle. Aber, Marcel Reich-Ranicki hat ja schon gesagt, dass man einen Lyriker nicht nach allen seinen Gedichten beurteilen sollte, sondern nur nach seinem besten. Wenn das so ist, möchte ich dieses Buch unbedingt empfehlen. Es hält jede Menge von potentiellen Ohrwürmern und Lieblingssongs parat.
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Einfach alles aufschreiben Makellos. Gedichte von Tom Bresemann, 9. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Makellos (Gebundene Ausgabe)
Der junge Lyriker Tom Bresemann (*1978) legt mit Makellos eine erste eigene Gedichtsammlung vor. Erschienen ist dieses kleine, liebevoll gestaltete Bändchen, ausgestattet mit weißem Leinen-Hardcover-Einband und japanischer Falz, beim Verlagshaus J. Frank in Berlin. Das Buch ist, soviel wird auf den ersten Blick schon deutlich, ein Konzeptalbum: Illustration, Druckseite, Textauswahl ziehen einen engen Kreis um die Assoziationszone des Begriffs, der der Sammlung den Titel gibt. Ob anatomisch, literarisch, pornographisch immer bewegen sich die Gedichte in dieser Zone, manchmal an der Grenze dessen, was man als Poesie zu betrachten gelernt hat, meist weit darüber hinaus. Bresemanns Gedichte haben einen eigenen Sound, und das ist nicht im philologisch-postpopkulturellen Sinne des Worts gemeint, sondern in einem genuin musikalischen. Die Texte sind schnoddrig, verzweifelt, wütend; und wunderschön. Es wird gereimt, geslangt, anglizismiert, gekalauert auch; jedoch hat man nie den Eindruck, dass es pseudo-coole Selbstbefriedigung ist, was der Autor dort zelebriert. Bresemanns Gedichte haben etwas Zwingendes, etwas zutiefst Realitäres, ja: Relevantes. Das Buch führt Wahrnehmungsmechanismen, Medialität im Allgemeinen und Besonderen, wirkliche dinge und die individuelle Position des Einzelnen unter und in ihnen, vor Augen. Die Art der Betrachtung ist hierbei so weit von der inzestuösen Diskurisvität und selbstgefälligen Unzugänglichkeit so vieler Texte von AutorInnen der Generation junger Gegenwartslyrik entfernt, dass man geneigt ist, von einer solitären Stimme dieser Szene zu sprechen. Dazu passt, dass Bresemann seit Jahren bei den S³ LiteraturWerken in Berlin (s3-berlin.de), als deren Mitbegründer und Vorstandsmitglied er verantwortlich zeichnet, gemeinsam mit Philip Maroldt und Björn Schäfer aktiv an der Organisation junger Literatur, abseits der festgefahrenen Wahrnehmungsmuster von Literaturbetrieb, Feuilleton und Wissenschaft, teilhat. Fazit: Makellos hält nicht nur dem Freund junger Gegenwartslyrik Entdeckungen parat, sondern meines Erachtens auch gänzlich unbeleckten Lesern, die entdecken wollen, was es heutzutage bedeuten kann, Gedichte zu schreiben, die sich an den Realien des Jetzt orientieren, ohne diese einfach nur zu kritisieren oder sich als larvatus prodeo auf die vermeintlichen Fahnen zu schreiben. Als Beispiel dieses Gedicht : im fernsehn kopuliert Shakira mit einem stuhl. im fenster ist der himmel blau. die zigaretten schmecken frisch. nach diesem winter lassen wir alle blumen stehn und kapfen an daz werde wip. der frühling ist ein videoclip. der stuhl ist durch, jetzt kommt der tisch.
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